Basler Stadtlauf
Schweizer Podest-Strahlen für die Geschichtsbücher

Mit Fabienne Schlumpf und Tadesse Abraham setzten sich beim 32. Basler Stadtlauf erstmals seit 21 Jahren sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen Schweizer durch.

Jörg Greb
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Impressionen vom Basler Stadtlauf
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Fabienne Schlumpf (vorn) siegt überraschend bei den Frauen
Fast 10 000 Läufer sind am Start - Rekord

Impressionen vom Basler Stadtlauf

Juri Junkov

Lange liegen die Zeiten der grossen Schweizer Darbietungen auf den Strassen von Basel (und anderen Schweizer Städten) zurück. Zwar gewann Sabine Fischer bei den Frauen 2007 und 2008 zwei Mal in Folge, den letzten Männer-Vollerfolg errang aber Pierre Delèze 1993.

Und in jenem Jahr war es auch, als letztmals sowohl bei den Männern wie den Frauen Schweizer zuoberst auf dem Podest vertreten waren: Delèze mit Daria Nauer. Nun traten Tadesse Abraham und Fabienne Schlumpf in diese Fussstapfen.

Überraschend triumphierte Fabienne Schlumpf. Sie beendete damit die seit 2009 andauernde Siegesserie von Jane Muia (Ken). «Ich bin baff», sagte sie, «ich bin nicht nach Basel angereist, um zu siegen, verspürte aber bereits nach 100 Metern, dass meine Beine heute mitspielen.»

Die 24-Jährige aus Wetzikon im Zürcher Oberland trat zwar mit der Reverenz als Schweizer Rekordhalterin über 3000 m Steeple, einem Finalplatz an der EM 2014 und starker Vorstellungen bei den Schweizer Top-Strassenläufen an.

Zwei Wochen zuvor aber zeigten ihr die ausländische Konkurrenz in Bulle die Grenzen noch deutlich auf. Platz 4 belegte sie hinter Aster Bacha (Ca), Jane Muia (Ken) und Katarina Beresova (Slo).

Und in Basel hatte vor allem Muia einiges eingeplant gehabt. Mit ihrem sechsten Sieg in Folge wollte diese eine imposante Geschichte fortschreiben. Doch auch sie musste die Souveränität Schlumpfs einsehen.

Abrahams fortschreiben

Als Schweizer feiern lässt sich Abraham seit vergangenem Juni. Seit 2004 aber lebt er in der Schweiz, seit drei Jahren ist er mit einer Schweizerin verheiratet, letzten Juni hat er den Schweizer Pass erhalten.

In Basel ist er alles andere als ein Unbekannter. Zum vierten Mal in Folge setzte sich der 32-Jährige durch und schrieb «eine wunderschöne Geschichte» fort. Er wollte unbedingt erneut siegen. Dem grossen Druck hielt er Stand.

Damit glückte ihm ein weiterer Schritt zum Verdauen des Misserfolgs am EM-Marathon von Mitte August, als er als Favorit mit Rang 9 hatte Vorlieb nehmen müssen. «Ich konnte zeigen, wie ich mit Druck und Erwartungshaltung umzugehen weiss», freute er sich nun.

Kyburz vor den Spezialisten

Neben Abraham und Schlumpf als Schweizer Tagessieger überzeugte auch ein Regionaler: Matthias Kyburz, der OL-Weltklasse-Athlet aus Möhlin. Er erreichte sein angesteuertes Rangziel in den Top ten als Siebter klar.

Erstaunlich dabei, wie er sich gegenüber allen weiteren Schweizer Laufcracks durchsetzte und etwa den EM-Marathon-Teilnehmer und Post-Cup-Gesamtsieger des letzten Jahres, Christian Kreienbühl (11.) oder Mario Bächtiger (14.) hinter sich liess.

Zwei Wochen zuvor noch hatte er ihnen den Vortritt lassen müssen. Seine Erklärung dazu: «Als mich Christian in der letzten Runde überholte, sagte ich mir daranbleiben und weiterschaffen.» Mit dieser Vorgabe hatte er Erfolg. Auf dem letzten Kilometer waren ihm die bestens ausgewiesenen Widersacher nicht gewachsen. «Cool, wie ich kicken und cool, wie ich mich in meinem Heimrennen präsentieren konnte.»

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