Fussball Nationalmannschaft

Schweizer-Nati unter Petkovic: Wie aus Angst plötzlich Zuversicht wird

Wie schlägt sich die Schweiz gegen kleinere Fussball-Nationen? Die Fortschritte sind offensichtlich. Seit Trainer Vladimir Petkovic am Ruder ist, agiert die Schweiz abgesehen von einem Ausrutscher souverän gegen sogennante «Fussball-Zwerge.»

Etienne Wuillemin, Lausanne
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Szenen wie hier in Ljubljana, als Stephan Lichtsteiner (l.) nach dem 1:0 durch die Slowenen enttäuscht von dannen zieht, haben sich kaum mehr wiederholt.

Szenen wie hier in Ljubljana, als Stephan Lichtsteiner (l.) nach dem 1:0 durch die Slowenen enttäuscht von dannen zieht, haben sich kaum mehr wiederholt.

Keystone

Der Gegner heisst Lettland. Aktuell die Nummer 111 der Weltrangliste. Ein einziger Sieg bisher in dieser WM-Qualifikation, ein 1:0 in Andorra. Ansonsten nur enttäuschende Leistungen, die Balten haben sogar 0:2 gegen die Färöer Inseln verloren.

Für die Schweiz, derzeit die Nummer 11 der Weltrangliste, kann das nur eines bedeuten: Ein Sieg ist Pflicht. Egal, wie die Umstände aussehen. Das bringt uns zur Frage: Wie schlägt sich die Schweiz eigentlich gegen Mannschaften, die zwar keine Fussball-Zwerge sind, aber eben doch zu den «Kleinen» gehören?

Stopp! Wichtige Frage zu Beginn: Gibt es «die Kleinen» überhaupt noch? Betonen Trainer und Spieler nicht ständig das Gegenteil? Natürlich tun sie das. Aber das ist auch ihr Job. Und soll den Druck vor dem Versagen verkleinern. Also: Wer den Satz «es gibt keine Kleinen mehr» hört – darf die Propaganda schnell wieder vergessen.

Im Sommer 2014 übernahm Vladimir Petkovic die Schweiz als Nationaltrainer. Gut zweieinhalb Jahre ist es her. Einer der Aufträge (und auch seiner eigenen Ansprüche) war, die Schweiz spielerisch zu entwickeln. Dass Spiele gegen «die Kleinen» nicht mehr so grausam aussehen wie einst.

Vladimir Petkovic wurde vor mehr als zwei Jahren als Nationaltrainer vorgestellt. Hat er seine eigene Ansprüche erfüllt?

Vladimir Petkovic wurde vor mehr als zwei Jahren als Nationaltrainer vorgestellt. Hat er seine eigene Ansprüche erfüllt?

Keystone

Das Fazit bis heute lautet: Es ist teilweise geglückt. Das Erfreuliche an der Entwicklung sind vor allem die Resultate. Unter Petkovic siegte die Schweiz in Spielen wie gegen Litauen, Estland oder die Färöer bis anhin immer. Mit Ausnahme des 2:1 in Litauen sogar ohne Gegentor.

Schlimme Pleiten verhindert

Petkovics schlimmste Niederlage war jenes 0:1 in Slowenien im Herbst 2014 zu Beginn seiner Amtszeit. Doch erstens sind die Slowenen höher einzustufen als Lettland. Und zweitens vermied Petkovic weitere Aussetzer erfolgreich. Seine Bilanz im Vergleich zu den Jahren zuvor ist jedenfalls gut.

Als die Schweiz letztmals zu Hause in der WM-Qualifikation Lettland empfing, im Oktober 2008, musste sie gerade die epische Pleite gegen Luxemburg (1:2) verdauen. Es wurde ein erdauerter Pflichtsieg, 2:1 gegen ein bescheidenes Team. Danach folgte eine Phase, in der sich die Schweiz immer wieder abmühte an Gegner ohne grossen Namen. In Lettland gab es nur ein 2:2. Es gab später in der Qualifikation für die EM 2012 die Niederlagen in Montenegro und gegen Wales, es gab das Unentschieden gegen Bulgarien. Nie machte das Team dabei unter Ottmar Hitzfeld einen wirklich souveränen Eindruck.

Xherdan Shaqiri kann die Niederlage gegen Wales nicht fassen.

Xherdan Shaqiri kann die Niederlage gegen Wales nicht fassen.

Keystone

Rauschende Siege fehlen

Das änderte sich erst mit der Qualifikation für die WM 2014. Wobei es auch dort einen Aussetzer gab. Beim 0:0 in Zypern erspielte sich die Schweiz zwar einige Chancen. Aber brachte gleichwohl kein Tor zu Stande. Es war, erfreulicherweise, ein Aussetzer ohne Folgen. Auch, weil die Schweiz dafür gegen Island, Norwegen und Slowenien überzeugte.
Zurück zu Vladimir Petkovic (53) und seiner aktuellen Auswahl: Die Siege zum Trotz, spielerisch sind noch grosse Verbesserungen möglich.

Vladimir Petkovic (r.) kann zwar frohen Mutes in das Spiel gegen Lettland gehen, seine Mannschaft könnte sich aber noch deutlich steigern, wenn sie gegen «kleine» Gegner spielt.

Vladimir Petkovic (r.) kann zwar frohen Mutes in das Spiel gegen Lettland gehen, seine Mannschaft könnte sich aber noch deutlich steigern, wenn sie gegen «kleine» Gegner spielt.

Keystone

Zeugnis davon sind die bescheidenen neun Tore aus vier Qualifikations-Partien. Spiele, in denen sich die Schweiz beschwingt zum Sieg rauscht, gibt es nicht. Anders als beim grössten Gruppenrivalen Portugal zum Beispiel, der mit 16 auf fast doppelt so viele Tore kommt.

Schlimm ist das nicht. Solange die Resultate stimmen jedenfalls. Und darum darf gelten: Trifft die Schweiz auf einen «Kleinen» wie Lettland, so dominiert heute Zuversicht. Nicht mehr Angst.