Schweizer Jubeltag mit Mini-Makel

Mit Beat Feuz und Carlo Janka stehen bei der Abfahrt von Wengen zwei Schweizer auf dem Podest. Gegensätzlicher hätten jedoch ihre Emotionen nach dem Rennen und dem Sieg des Österreichers Hannes Reichelt kaum sein können.

Stefan Klinger/Wengen
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Beat Feuz ist mit Rang zwei am Lauberhorn der beste Fahrer einer starken Schweizer Mannschaft. (Bild: ky/Shinichiro Tanaka)

Beat Feuz ist mit Rang zwei am Lauberhorn der beste Fahrer einer starken Schweizer Mannschaft. (Bild: ky/Shinichiro Tanaka)

SKI ALPIN. Carlo Janka war direkt verärgert. Da erreichte der Bündner, der bis zu den Rennen von Wengen zwei Jahre lang auf keinem Weltcup-Podest mehr gestanden war, nur zwei Tage nach seinem Triumph in der Kombination in der Abfahrt Rang drei – doch am Ende des Tages überwog bei ihm Ärger. Ärger über den verpassten Sieg. Denn ohne einen Patzer im Brüggli-S wäre Janka nicht mit 14 Hundertstel hinter dem österreichischen Sieger Hannes Reichelt gelegen. «Ich freue mich, dass ich wieder auf dem Podest stehe – aber es wäre mehr möglich gewesen», sagte Janka, «das war sicher nicht das Maximum. In Kitzbühel nächste Woche wäre ich mit einem Podestplatz zufrieden, aber in Wengen gelten für mich andere Gesetze.»

Janka trauert Sieg nach

Denn an keinem anderen Weltcup-Ort holte Janka derart viele Podestplätze wie in Wengen. Seit gestern sind es acht, darunter drei Siege. «Wengen ist ein magischer Ort für mich. Ich kann es nicht richtig erklären, aber hier funktioniert vieles besser als woanders», sagte er. «Auch in den schlechten Jahren bin ich hier immer besser gewesen als in der restlichen Saison.» Daher habe Janka, der bis zu seinem Erfolg am Freitag seit fast vier Jahren kein Weltcup-Rennen mehr gewonnen hatte, sich nach dem Aufwärtstrend der letzten Wochen und den guten Eindrücken in den vergangenen Tagen in Wengen nun auch bereit gefühlt, um die Abfahrt zu gewinnen.

Vor den Rennen am kommenden Wochenende in Kitzbühel fühlt sich Janka aber trotz Platz eins und drei in Wengen nicht automatisch dazu in der Lage. «Von Jahr zu Jahr fühle ich mich auf der Streif wohler. Das Vertrauen, das mir die beiden Podestplätze geben, hilft sicher, um dort mehr an die Grenzen zu gehen», sagte Janka. «Aber Kitzbühel wird ein anderes Rennen auf einer komplett anderen Strecke. Wir werden in zwei Wochen wissen, ob ich einen Schritt nach vorne gemacht habe.»

Definitiv einen Schritt nach vorne gemacht hat Beat Feuz. Der 27-Jährige aus dem Emmental liess zwar im Ziel-S einige Hundertstel liegen und verpasste um 0,12 Sekunden den Sieg, über seinen zweiten Rang freute er sich dennoch riesig. Erst recht, weil Feuz sich nach dem zweiten Platz in der Abfahrt von Beaver Creek nun schon den zweiten Podestplatz der Saison sicherte.

«Wenn man weiss, was ich in den letzten zwei Jahren wegen meines Knies an Trainings verpasst habe, erstaunt es nicht, dass mir auf so einer langen Abfahrt die Kraft ausgeht», sagte Feuz. «Am Ende war es in jedem Tor ein Kampf, damit ich die Ski unter Kontrolle halte.»

Genau dies machte die Freude von Feuz umso emotionaler. Erst recht, weil er zeigte, dass seine Rückkehr in die Weltspitze Anfang Dezember keine einmalige Sache war. Vielmehr kann er zwar noch nicht Woche für Woche, doch zumindest immer mal wieder ganz vorne hineinfahren. «Vor einem Jahr habe ich nie von einem Podestplatz geträumt, vor zwei Jahren schon gar nicht. Daher ist es der Wahnsinn, dass ich nun schon zum zweitenmal in diesem Winter auf dem Podest stehe», sagte Feuz.

Sieben Schweizer in den Top 12

Neben Feuz und Janka gerieten die übrigen Schweizer beinahe in Vergessenheit. Mit Patrick Küng als Viertem, Sandro Viletta als Achtem, Didier Défago als Zehntem, Marc Gisin als Elftem und Mauro Caviezel als Zwölftem klassierten sich sieben Einheimische in den Top 12. Ein Resultat des Heimvorteils, den man aber erst nutzen muss.