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Schweizer Fussball sucht einen Bierhoff für die Nati

Bernhard Heusler und Georg Heitz legen dem Verband Vorschläge für neue Strukturen rund um das Nationalteam vor. Die Nati soll einen sportlichen Leiter mit weitreichenden Kompetenzen erhalten.
Markus Brütsch, Bern
Bernhard Heusler erklärt vor den versammelten Medienvertretern seine Visionen. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 24. November 2018))

Bernhard Heusler erklärt vor den versammelten Medienvertretern seine Visionen. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 24. November 2018))

Gross war im Sommer die Aufregung nach dem Scheitern der Schweizer Nationalmannschaft bei der WM in Russland. Die 0:1-Niederlage im Achtelfinal gegen Schweden, die Doppeladler-Gesten der Führungsspieler Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Stephan Licht­steiner sowie die vom mittlerweile abgetretenen Generalsekretär Alex Miescher initiierte Doppelbürger-Debatte sorgten für rote Köpfe.

Fünf Monate und ein paar überzeugende Nations-League-Ergebnisse später sind die Emotionen einer sachlichen Diskussion über das Umfeld der Nati ­gewichen. Zwar immer noch mit Spannung, aber längst nicht mehr mit der Forderung, es müsste im Schweizerischen Fussballverband (SFV) eine Revolution mit Köpferollen stattfinden, wurde in der Öffentlichkeit der Bericht von Bernhard Heusler und Georg Heitz von der Beratungsfirma HWH erwartet, den der SFV in Auftrag gegeben hatte.

Am Samstag nun stellte der frühere FCB-Präsident Heusler die Vorschläge vor, die er zusammen mit dem ehema­ligen FCB-Sportchef Heitz erarbeitet hatte, um die Strukturen im SFV rund um die Landesauswahl zu verbessern. «Die Nati war und ist kein Sanierungsfall», betonte Heusler. «Aber es ist immer besser, Verbesserungspotenzial aus einer Position der Stärke aufzuzeigen.»

70 Interviews führten Heusler und Heitz mit Personen aus der Nati und ­deren Umfeld sowie in Deutschland. ­Dabei kristallisierte sich heraus, dass das Hauptproblem darin besteht, dass Entscheide nicht entschlossen gefällt werden, weil die Verantwortlichkeiten nicht immer klar definiert sind. Daraus lei­teten Heusler und Heitz ab, dass die Nati eine professionelle Führungskraft braucht, einen sportlichen Leiter mit weitreichenden Befugnissen im Sinne eines Sportdirektors bei einem Profiklub. Aktuell steht dem Team mit Claudio Sulser, dem Delegierten der Nationalmannschaften, ein Mann im Nebenamt vor, der kaum sichtbar war.

Das soll sich nun ändern. Der neue Nati-Manager würde zum starken Mann, der die Ziele festlegt, die Entscheidungen im Tagesgeschäft fällt, die Verantwortung über die Arbeitsbedingungen und die Prämien der Nati trägt, mit der Wahl und Führung des Trainers beauftragt ist, die Kommunikation übernimmt und für den Einsatz der finanziellen Mittel im Rahmen des Budgets zuständig ist. Im Organigramm soll dieser zusammen mit dem Generalsekretär und dem Technischen Leiter dem Zentralvorstand unterstellt sein. Die Nati würde quasi zu einer eigenen Abteilung.

Damit ist klar: Der neue Mann muss höchsten Ansprüchen genügen, obwohl Heusler ausdrücklich darauf verzichtete, ein Profil zu erstellen. Dass aber er selber wie auch Heitz, die beide beim FC Basel kompetent und erfolgreich gearbeitet hatten, die Anforderungen erfüllen würden, wurde selbstredend kurz thematisiert. Allerdings machte Heusler sogleich klar, dass er und Heitz nicht zur Verfügung stünden. «Das wäre nicht seriös, zuerst die Analyse zu erstellen und dann zum Schluss zu kommen, dass man selber die geeignete Person für diesen Job wäre», sagte Heusler. So werden nun also die Spekulationen beginnen, wer denn nun irgendwann im nächsten Jahr zum Nati-Manager gekürt wird. Heusler liess durchblicken, dass es in Richtung eines Mannes wie DFB-Manager Oliver ­Bierhoff gehen könnte. Dieser war in Deutschland nach der WM 2014 für die kompetente Führung des Weltmeisterteams gefeiert, in diesem Jahr nach der WM aber herb kritisiert worden. Das Beispiel Bierhoff zeigt nur, welch extreme Anforderungen in diesem Job erfüllt werden müssen und wie ausschlaggebend es ist, dass der neue Mann teamfähig ist und keine einsamen Entscheidungen trifft.

Freienbach als Trainingszentrum hat ausgedient

Ein weiterer wichtiger Vorschlag von HWH betrifft die Arbeitsvoraussetzungen. Heusler sagt: «Man muss in adäquate Trainingsbedingungen investieren.» Eine Vision könnte sein, ein eigenes Zentrum zu schaffen, wie es Italien in Coverciano, Belgien in Tubize, Frankreich in Clairefontaine und bald auch Deutschland in Frankfurt hat. «Topstars aus Topligen sollten bei besten Bedingungen trainieren», sagt Heusler. «Zeiten, in denen auf holprigem Geläuf wie in Freienbach geübt wird, müssen vorbei sein.»

SFV-Präsident Peter Gilliéron sagte, der Verband sei sehr zufrieden mit dem Bericht, und die Vorschläge müssten nun so schnell als möglich umgesetzt werden. «An der Finanzierung wird es nicht scheitern», sagte der im nächsten Jahr abtretende Funktionär.

Im Mai wird die Delegiertenversammlung entscheiden, ob die Vorschläge für die neuen Strukturen umgesetzt werden. Davon ist auszugehen. Spannender wird sein, welchen Bierhoff der SFV als neuen Nati-Supermanager aus dem Hut zaubert.

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