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Schweizer Frauen drohen WM zu verpassen

Die Schweizer Frauen-Nati droht die WM-Teilnahme zu verpassen. Das Team von Martina Voss-Tecklenburg ist in Utrecht gegen die Niederlande chancenlos und verliert 0:3.
Christian Finkbeiner (Keystone-SDA)

Knapp 49 Minuten wehrten sich die Schweizerinnen nach Kräften und verhinderten dank guter Organisation und etwas Glück einen Gegentreffer. Dann schlug der Europameister eiskalt zu. Sherida Spitse, Dreh- und Angelpunkt im zentralen Mittelfeld des Gastgebers, Lieke Martens (71.), die Weltfussballerin des Jahres 2017, und Vivianne Miedema (79.) sorgten mit ihren Treffern für ein beruhigendes Polster des Europameisters für das Rückspiel am Dienstag in Schaffhausen.

«Das Ding ist zu 80 Prozent durch», sagte Voss-Tecklenburg. «Da müssen wir realistisch genug sein.» Der Knackpunkt für die Deutsche war das 0:1 unmittelbar nach der Pause, nachdem der Gameplan in der ersten Halbzeit nahezu perfekt aufgegangen war. Für Lia Wälti fiel die Niederlage ein Tor zu hoch aus. «Der dritte Treffer war unnötig, aber wir werden am Dienstag alles versuchen - allerdings mit einer etwas anderen Taktik.»

Dass der Sieg des haushohen Favoriten hochverdient war, stand ausser Frage. Der Ärger über die Höhe der Hypothek war aber verständlich, waren die ersten beiden Treffer doch keineswegs zwingend. Beim 0:1 sah Keeperin Gaëlle Thalmann schlecht aus, liess sie sich doch von Spitses Freistoss aus gut 20 Metern in der Torhüterecke erwischen. Und beim 0:2 durch Mertens ging ein zu einfacher Fehler der SFV-Auswahl im Spielaufbau voraus. Géraldine Reuteler konnte sich nicht zum ersten Mal in einem Zweikampf nicht behaupten und verlor den Ball, der via Shanice van de Sanden den Weg zu Martens fand.

Die Niederländerinnen hatten nicht von Beginn an das erwartete offensive Feuerwerk gezündet, trotzdem musste die SFV-Auswahl bereits in der 5. Minute das Glück in Anspruch nehmen. Nach einer Flanke von Jackie Groenen klatschte der Ball von der Brust von Martens ans Lattenkreuz. Danach hielten die Schweizerinnen erstaunlich gut mit, bis nach einer halben Stunde die spielerische Überlegenheit des Gastgebers auch zu weiteren Torchancen führte. Noch blieben die Abschlussversuche aber zu ungenau oder die Schweizerinnen klärten in höchster Not.

Gewichtige Absenzen

So gut sich die SFV-Auswahl in der Defensive lange Zeit wehrte, so harmlos blieben ihre Offensivbemühungen. Die Ausfälle von Captain Lara Dickenmann (Kreuzbandriss) und der gesperrten Ramona Bachmann wogen schwer. Aus Mangel an Alternativen - auch Malin Gut und Viola Calligaris fehlten verletzt - hatte Voss-Tecklenburg in der Offensive auf ein Teenager-Trio gesetzt. Reuteler, Alisha Lehmann und Rahel Tschopp hatten im Sommer noch zusammen an der U19-EM im eigenen Land gestürmt, nun trat ihnen ein anderes Kaliber gegenüber: der amtierende Europameister in einem ausverkauften Stadion.

Während Reuteler und Lehmann kaum eine gute Szene hatten und viele Zweikämpfe verloren, trat die Debütantin Tschopp positiv in Erscheinung. Die 18-Jährige vom FC Luzern liess sich von der Kulisse und dem Gegner nicht allzu gross beeindrucken, trat mutig auf und liess ihre technischen Fähigkeiten immer wieder aufblitzen. Die offensive Mittelfeldspielerin ist ein Versprechen für die Zukunft.

Um die zweite WM-Qualifikation nach 2015 doch noch zu schaffen, brauchen die Schweizerinnen am Dienstag im Rückspiel in Schaffhausen ein Fussball-Wunder. Zwar kehrt Bachmann und wohl auch Calligaris und Gut in die Mannschaft zurück, die Hypothek aus dem Hinspiel wiegt aber schwer. Zumindest ein ausverkauftes Stadion hätte die Mannschaft beim Abschied von Voss-Tecklenburg aber verdient. Wie Frauenfussball auch neben dem Platz zelebriert wird, zeigten die Niederländerinnen in Utrecht eindrücklich. Gut 25'000 Zuschauern und ein tolles Stadion boten eine Kulisse, die einem Europameister würdig war.

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