Schweizer Cup
Vor dem Hit gegen den FC Basel: Warum der FC Rorschach-Goldach nicht nur Senf für den «Riesenlupf» braucht

Ein Klub im Ausnahmezustand: Bratwurst mit oder ohne, Bewilligungen en masse, Auflagen ohne Ende, Gelder dank Hefti. Dazu ein Gabelstapler, der in den Wassergraben fällt – das sind die Anekdoten vor dem Sechzehntelfinal.

Christian Brägger
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Basel kann kommen, die Zusatztribünen stehen auf der Kellen. Aber noch ruht der Ball – bis am Sonntag, 14.30 Uhr.

Basel kann kommen, die Zusatztribünen stehen auf der Kellen. Aber noch ruht der Ball – bis am Sonntag, 14.30 Uhr.

Bild: Rudolf Hirtl

Am Sonntag ist es endlich so weit: Dann empfängt der FC Rorschach-Goldach aus der 2. Liga interregional im Sechzehntelfinal des Schweizer Cups den FC Basel. «Ein Riesenlupf», sagt Markus Hundsbichler, Klub- und OK-Präsident. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Der FC Basel, das grosse Los. Wann stand der FC Rorschach-Goldach erstmals mit dem Klub vom Rheinknie in Kontakt?

Telefonisch bereits am Tag nach der Auslosung, also am Montag, 16. August. Eine Basler Delegation, darunter eine Fanbeauftragte und ein Sicherheitsmann, kündigte sich an, um tags darauf in Tübach den Sportplatz Kellen zu inspizieren. Mit dem Ziel, dass die Partie unbedingt in diesem Stadion durchzuführen sei. Auch gab es Tipps, wo die Gästetribüne und WCs hinzustellen seien, und: Dass das Bier ja nicht ausgehen dürfe – die Fans müssen in ihrem Sektor bleiben. Dass an die Vegetarier und Veganer des Basler Anhangs zu denken sei. Vor allem: Die Bratwurst müsse es unbedingt mit Senf geben – auf diese Kombination wäre Rorschach-Goldach nie gekommen. Zudem erklärte sich der FC Basel bereit, den Vorverkauf für seine Fans selbst bei sich zu organisieren.

Gab es die Idee, die Partie im Kybunpark auszutragen, oder sogar in Basel?

«Von Anfang war klar, dass wir das Spiel nicht abtreten wollen. Es wäre ein schlechtes Zeichen für die Region gewesen», sagt Hundsbichler. Die Schwierigkeit war das mit fünf Wochen kurze Zeitfenster, davon ging eine für den Findungsprozess verloren: «Die Auslosung war ja lustig, danach kam das böse Erwachen, was es alles braucht», sagt Hundsbichler. Es gab die Idee, Fest-Erfahrungen mit Schwingverbänden auszutauschen, aber: «Das ist nicht vergleichbar, ein Schwingverband hat zwei Jahre Vorlaufzeit.»

Wer macht das Ticketing?

Stunden nach der Auslosung hatte der FC Rorschach-Goldach drei Anfragen von Ticketverkäufern, die ein Geschäft witterten. Der Klub fragte sich, ob er überhaupt auslagern wollte, weil damit ein Batzen wegfällt. Schliesslich entschied man sich dafür, Ticketpark organisiert nun die ganze Abwicklung, die logistisch wegen der Zusatztribünen, Corona und des Gästesektors nicht ganz einfach ist.

Welche Auflagen gab es?

Viele. Wegen Corona, wegen der zusätzlichen Bauten. Zudem: Der nächste Sonntag ist Buss- und Bettag – und damit heilig. Deshalb darf man nicht mir nichts dir nichts ein Fest für über 1000 Leute veranstalten. Letztlich brauchte es Bewilligungen vom kantonalen Gesundheitsdepartement, vom Volkswirtschaftsdepartement, von der Polizei sowie der Gemeinde Tübach. Absolute Planungssicherheit gab es erst vergangene Woche mit der letzten Zusage.

Basel kann kommen, die Zusatztribünen stehen auf der Kellen.

Basel kann kommen, die Zusatztribünen stehen auf der Kellen.

Bild: Rudolf Hirtl

Zudem mussten temporäre Bauten wie die drei Zusatztribünen sicherheitstechnisch abgenommen werden. Hundsbichler sagt: «Es war ein Papierkrieg, viel Formalismus, und manchmal verwies man mich von Hotline zu Hotline. Mühsam. Aber wir spürten viel Wohlwollen.» Wegen der 3-G-Vorschriften – getestet, genesen, geimpft – ist eine doppelte Einlasskontrolle nötig. Hierfür baut der FC Rorschach-Goldach ein Testcenter. Zudem wurden alle Firmen der Umgebung abtelefoniert, um Plätze für die Autos zu schaffen. Die Anlage selbst ist für diese nämlich gesperrt, die Spieler des FC Rorschach-Goldach haben mit einem Teambus anzureisen.

Weshalb muss der FC St.Gallen fast zeitgleich spielen in Chênois?

Lange war es nicht klar, an welchem Tag das Spiel auf der Kellen stattfindet. Und ob die Partie gar live im Deutschschweizer Fernsehen übertragen wird. Noch bevor der FC Basel in die Gruppenphase der Conference League einzogen war, wurde der Sonntag als Spieldatum festgesetzt. Der Schweizer Fussballverband schaute derweil darauf, dass der FC St.Gallen in Chênois fast zeitgleich spielen muss, um allfällige Konfrontationen und mögliche Konflikte der Fangruppen zu vermeiden. Das Tessiner Fernsehen wird den Match live streamen für die Online-Plattform des SRF – und für die abendliche Zusammenfassung.

Was ist von den Basler Fans zu erwarten?

Etwa 500 Fans dürften das Spiel vor Ort verfolgen. Sie kommen mit dem Extrazug um 13 Uhr am Bahnhof in Goldach an, werden dort in Empfang genommen und polizeilich sanft begleitet. Die Fans marschieren dann die Hauptstrasse hinunter, biegen in die Bruggmühlestrasse ein und laufen schliesslich hinter der Haupttribüne des Sportplatzes entlang. Ihr Sektor befindet sich auf der Seite des Tores in Richtung See. Und, Rorschach-Goldach: Den Senf nicht vergessen!

Was gibt es Skurriles zu berichten?

Für das Cup-Spiel in diesem Sechzehntelfinal verlangt der Verband mobile digitale Anzeigetafeln, mit denen die beiden Klubs ihre Auswechslungen ankündigen. Der FC Rorschach-Goldach hat aber keine solche Tafel und telefonierte deswegen mit Basel; der Super-League-Klub bringt diese nun mit. Fast 100 Matchbälle konnte der FC Rorschach-Goldach verkaufen, doch irgendwann tauchte die Frage auf, was das soll, man könne ja nur mit einem Matchball spielen. Eine solche Matchballspende ist natürlich ein symbolischer Sponsorbeitrag – die Bälle werden nicht extra gekauft. Auf der für die TV-Kameras guten Seite hat der Veranstalterklub zudem LED-Banden aufgestellt, wie man sie auch beim FC St.Gallen kennt. Das ist attraktiv für die Sponsoren – und ein Novum für den FC Rorschach-Goldach. Ach ja, und einmal fiel der Gabelstapler beim Aufstellen der Zusatztribünen in den leeren Wassergraben der Tartanbahn.

Wird der FC Basel in Bestbesetzung antreten?

Natürlich nicht. Aber es werden schon ein paar Cracks erwartet, zumal das Kader gross ist und nicht alle am Donnerstag in der Conference League zum Einsatz kommen. Hundsbichler sagt: «Theoretisch könnte der FC Basel auch mit der U21 kommen. Er muss einfach eine Mannschaft stellen – wir können nicht vorschreiben, was für eine.»

Wie viele Besucher werden erwartet?

Die Basler Tickets miteingerechnet, sind bis jetzt wohl etwas mehr als 3500 Eintritte verkauft. Das Fassungsvermögen der Sportanlage wurde 1997 bei einem Test-Länderspiel des Schweizer A-Nationalteams gegen den FC Goldach auf 5000 Zuschauer bestimmt. Als 2017 der FC Southampton hier gegen den FC St.Gallen testete, gab es 3500 Besucher. Die Grasshoppers (mit Sutter, Sforza, Elber) spielten 1992 einmal im Cup gegen den damaligen FC Rorschach auf dem Pestalozzi-Platz vor etwa 3000 Zuschauern. Das seien ganz andere Zeiten gewesen, sagt Hundsbichler. Die Sicherheitsauflagen waren damals: «Ein Pappenstiel im Vergleich zu heute.» Alles in allem rechnet der Klubpräsident mit 2000 bis 3000 Arbeitsstunden für die Cup-Partie. Der FC Rorschach-Goldach wäre mit 4000 Besuchern zufrieden, auf welche 2900 Würste, 400 vegetarische Sandwiches, 150 Kilogramm Brot und 5000 Liter Bier warten. Und wenn am Ende ein Defizit herausschaut? Der Dorfklub erhält ja noch einen schönen Bonus in der Höhe von ein paar Tausendern, weil Silvan Hefti, das ehemalige Eigengewächs, mit YB in die Gruppenphase der Champions League eingezogen ist.

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