SCHWEIZER CUP: Grosses Warten auf den Grossen

Wenn Bazenheid am Sonntag ab 15 Uhr die Young Boys empfängt, spricht der Club vom «Spiel des Jahrhunderts». Tribünen aus Paletten sind aufgebaut, für den Berner Fanmarsch ist man gewappnet. Gar ein Schiedsrichter-Fluchtplan ist im Köcher.

Ralf Streule
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Am Dorfeingang zeigt sich, was Bazenheid derzeit bewegt. Der Fussballclub rechnet heute mit 3000 Zuschauern. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Am Dorfeingang zeigt sich, was Bazenheid derzeit bewegt. Der Fussballclub rechnet heute mit 3000 Zuschauern. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die drei Kinder, die vor dem Clubhaus im Ifang die Schuhe fürs Training schnüren, reden wild durcheinander. «Ein bisschen leiser!», wünscht sich Präsident Markus Böni. Schliesslich möchte er den Medienleuten neben dem Sportplatz in Ruhe erklären, was es für einen 2. Liga-Club wie den FC Bazenheid bedeutet, im Cup eine Super-League-Mannschaft zu empfangen. Doch eigentlich passen die hibbeligen Kinder bestens hierher. Denn die vier Männer, die hier auf das Spiel gegen die Young Boys hinfiebern, haben in ihrer Vorfreude selber etwas Bübisches.

Neben Böni sitzen Trainer Heris Stefanachi, Captain Dejan Baumann und Sport- und Infrastrukturchef Hans «Hasä» Stadler. Wenn die gestandenen Männer über Tribünenbau, Wetterprognosen, eine mögliche Überraschung und ferne Cup-Erinnerungen reden, wirken sie ähnlich übermütig wie die Kleinen, die nebenan nun artig auf ihr Training warten.

Herausfordernde Auflagen des Fussballverbands

Was für eine Vorfreude im untersten Toggenburg! Als das grosse Los gezogen wurde, jubelten vom Gemeindepräsidenten bis zu den Junioren alle in Bazenheid. Die Spieler wurden von Verwandten und Freunden mit Ticketanfragen überrannt, eine Facebook-Gruppe explodierte vor lauter Glückwünschen und Kommentaren. Am Dorfeingang wird das Spiel seit Tagen auf Transparenten angekündigt. Für Bazenheid sei die Cuppartie der zweiten Hauptrunde gegen die Young Boys «das Spiel des Jahrhunderts», sagt Böni. Wirklich? Da war doch vor nur acht Jahren der FC St. Gallen bei den Alttoggenburgern zu Gast. «Ja, aber eben als Challenge-League-Team», erklärt Böni und schmunzelt. Die St. Galler unter Uli Forte mussten damals einiges erdulden: Erst in der Verlängerung erknorzten sie ein 2:0.

Dass das Clubumfeld aus dem Häuschen ist, versteht sich von selbst. Dass die Vorbereitung auf ein Cupspiel mit sehr viel Arbeit verbunden ist, ebenfalls. Manch ein Unterklassiger gibt heute lieber das Heimrecht an Super-League-Clubs ab oder wandert in das nächstbessere Stadion ab, da sonst Sicherheits- und Infrastrukturvorkehrungen ausufern. «Für uns war es keine Option, das Spiel in Wil auszutragen», so Böni. «Trotz viel Arbeit: Cup auf dem Lande muss möglich bleiben.» Und auch wenn die Auflagen des Verbands herausfordernd seien: «Die Freude über das Los war immer grösser als die Angst vor der Arbeit.» Unter dem Strich soll immerhin ein kleines finanzielles Plus herausschauen. So setzte man sich früh ein Ziel: 3000 Personen sollen den Weg ins temporär aufgebaute Kleinstadion finden – unsichere Wetterprognosen hin oder her. Bis Freitagabend waren gegen 2000 Tickets verkauft.

Ein Kleinstadion für 4000 Personen

Die Infrastrukturarbeiten gingen schnell voran. «Alle im Club sind bereit zu helfen und möchten beim Cupfest mitwirken», sagt Captain Baumann. Bereits seit Anfang Woche steht die vier Meter hohe Kameraplattform für das Schweizer Fernsehen – das Spiel wird im Internet live übertragen. Aus Holzpaletten wurde eine Stehrampe für die erwarteten 300 bis 400 Berner Fans aufgestapelt. Zudem wurden drei Sitzplatztribünen aufgestellt, die 638 Zuschauern Platz bieten. Total hätten im zum Kleinstadion ausgebauten Ifang 4000 Personen Platz.

Wie viel es nebst dem Stadionaufbau zu tun gibt, erlebt derzeit Sportchef Stadler, der im OK für Sicherheit und Verkehr verantwortlich ist. In einem Ordner sind etliche Vorgaben des Schweizerischen Fussballverbands abgelegt. Der Marsch der 300 Berner Fans vom Bahnhof zum Ifang muss zum Beispiel minutiös geplant sein. Damit er reibungslos vonstatten geht, werden zwölf Kantonspolizisten und ebenso viele Berner Fanbetreuer involviert sein. Vor dem Stadion wird ein Sicherheitsdienst Eingangskontrollen durchführen. Und damit der Verkehr im Dorf nicht kollabiert, werden die Autos direkt auf die Parkplätze benachbarter Industriebetriebe geleitet.

Man denkt beim FC Bazenheid derzeit in Szenarios: Sollten Feuerwerkskörper fliegen oder das Spiel abgebrochen werden, wäre man vorbereitet. Sogar wenn der Schiedsrichter fliehen müsste, gebe es einen Fluchtplan, sagt der ehemalige NLA-Schiedsrichter Stadler augenzwinkernd. Dass dennoch Unvorhergesehenes passieren kann, erlebten die Verantwortlichen 2008, als die St. Galler Anhänger die am besten gelegene temporäre Sitzplatztribüne einnahmen und nicht wieder verliessen. Man habe damals spontan umdisponieren und Sitzplatzbillettinhaber vertrösten müssen, sagt Böni. Diesmal sollen die Berner Fans planmässig an besagter Seite eingelassen werden.

Und auch andere Eventualitäten sind mit einberechnet. Sollte Bazenheid tatsächlich gegen den haushohen Favoriten aus Bern gewinnen, hat ein Restaurant im Dorf Freibier angekündigt.