Schweizer Clubs im Europacup
Nach YB-Coup gegen Man United: Diese magischen Nächte feierten der FC St.Gallen, Basel und andere Schweizer Clubs auf der europäischen Bühne

Zahlreiche Schweizer Teams sorgten im europäischen Club-Fussball immer wieder für Furore. Englische Teams, insbesondere Manchester United, hatten einen schweren Stand auf Schweizer Boden, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.

Simon Wespi
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Fünf Schweizer Clubs konnten sich seit der Gründung 1992 für die Champions League qualifizieren. Die Young Boys, der FC Basel, der FC Zürich, der FC Thun und die Grasshoppers. Alle Teams begeisterten international mit ihren Auftritten und sorgten für Ekstase. Eine chronologische Übersicht:

2018/2019: Die Young Boys feierten ihren ersten Champions-League-Sieg im Dezember 2018. Im abschliessenden Gruppenspiel bodigte YB Juventus Turin zu Hause mit 2:1. Guillaume Hoarau feierte einen Doppelpack. Wie am Dienstag gegen Man United, lief auch damals Cristiano Ronaldo im Wankdorf auf.

2017/2018: Die wohl erfolgreichste Champions-League-Kampagne zeigte der FC Basel im Herbst 2017. Benfica Lissabon schoss man am zweiten Spieltag gleich mit 5:0 aus dem Stadion, wenige Wochen später musste auch Manchester United kapitulieren. Michael Lang traf in der 89. Minute zum viel umjubelten Game-Winning-Goal. Der FC Basel sammelte sensationelle 12 Punkte und erreichte den Champions-League-Achtelfinal.

Nachdem der FCB im Hinspiel gegen Manchester City (0:4) jegliche Aussichten auf ein Weiterkommen begraben musste, setzte der FCB im Rückspiel ein Ausrufezeichen. Im Etihad-Stadium zu Manchester siegten die Basler im März 2018 gegen City 2:1. Die Tore für Rot-Blau schlossen Mohamed Elyounoussi und Michael Lang.

2014/2015: Nach einer 1:5-Packung zum Aufakt in die Gruppenphase gegen Real Madrid, gastierte der FC Liverpool im St. Jakob Park. Marco Streller schoss den FCB in Minute 52. zum 1:0-Sieg. Im abschliessenden Gruppenspiel gegen die «Reds» trennten sich die Basler 1:1. Damit sicherte sich der FC Basel den Vorstoss in die Achtelfinals. Porto bedeutete dann Endstation.

Mohamed Salah lässt Basel gegen Chelsea jubeln.

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2013/2014: In der Gruppenphase im Herbst 2013 schlug die Stunde des FC Basel. Gleich zwei Mal besiegte der FCB unter Trainer Murat Yakin das grosse Chelsea. Zu Beginn der Kampagne bodigte der FCB Chelsea an der Stamford Bridge 2:1. Die Tore erzielten Mohamed Salah und Marco Streller. Auch im vorletzten Gruppenspiel siegte der FC Basel, diesmal im heimischen St. Jakob Park, 1:0. Salah sorgte erneut kurz vor Schluss für Ekstase beim Basler Anhang. Star-Trainer José Mourinho hatte zwei Mal das Nachsehen. Salah wechselte nach der Saison nach London.

2011/2012: Im Dezember 2011 feierte der FC Basel einen kapitalen Sieg. Im letzten Gruppenspiel gastierte Sir Alex Ferguson mit Man United am Rhein-Knie. Die Basler setzten sich nach Toren von Marco Streller und Alex Frei 2:1 durch. ManU schied aus, der FCB erreichte die K.o.-Phase.

Streller und Frei zerlegen Man United.

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Im Achtelfinal kam es zum Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern München. Das Hinspiel im Joggeli verkam zu einem regelrechten Bayern-Debakel. Bei widrigen Platzverhältnissen schoss Valentin Stocker nach 86 Minuten das entscheidende Tor. Basel war im Freudenhimmel, Bayern im Jammertal. Goalie Manuel Neuer war bedient, Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge tobte. Im Rückspiel schlug der angezählte Rekordmeister der Bundesliga zurück. Gleich mit 0:7 tauchte der FCB in München.

2010/2011: In den Playoffs zur Champions League bekam es YB mit den Tottenham Hotspur zu tun. Das Hinspiel im August 2010 gewannen die Berner 3:2. Trotz des Sieges gegen einen Premier-League-Verein, kam in der Hauptstadt nach Spielschluss nur wenig Freude auf. Denn die Berner starteten furios in die Partie, führten nach 28 Minuten bereits 3:0, mussten sich am Ende mit einem Eintore-Vorsprung begnügen. Im Rückspiel in London (0:4) war YB chancenlos.

Der FC Basel landete am dritten Spieltag einen Coup. In Rom setzte sich der FCB gegen die AS Roma überraschend mit 3:1 durch. Alex Frei, Samuel Inkoom und Cabral erzielten die Tore für Rot-Blau.

2009/2010: Auch der FC Zürich konnte sich einmal für die Gruppenphase qualifizieren. Im Herbst 2009 sammelte der FCZ vier Punkte. Den Überraschungssieg feierten die Zürcher im September in Mailand. Nach einem Eckball, getreten von Milan Gajic, traf Verteidiger Hannu Tihinen per Absatz in die Maschen. Das Mailänder Star-Ensemble um Inzaghi, Ronaldinho, Pirlo und Co. erzielte keine Tore. Der FC Zürich, trainiert von Bernard Challandes, feierte den ersten CL-Sieg der Vereinsgeschichte.

2005/2006: Der FC Thun landet den ganz grossen Coup. Die Berner Oberländer erreichen die Gruppenphase der Champions League. Nach Dynamo Kiew eliminierten die Thuner in der Qualifikation auch Malmö FF. Und das Märchen des FC Thun ging weiter: Sie schlugen den Serienmeister aus Tschechien, Sparta Prag dank dem Tor von Selver Hodzic in der 89. Minute mit 1:0. Auch gegen Arsenal London spielten die Thuner gross auf. Erst in der 89. Minute mussten die Berner Oberländer in London sich mit 1:2 geschlagen geben. Zuvor traf Nelson Ferreira zum Ausgleich.

Basel besiegt im August 2002 Celtic und qualifiziert sich für die CL.

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2002/2003: Zum ersten Mal sich für die Champions League qualifizieren konnte sich der FC Basel im August 2002. Im Rückspiel (Hinspiel 1:3) gegen Celtic Glasgow trafen Christian Giménez und Murat Yakin zum benötigten 2:0-Sieg. Auch in der anschliessenden Gruppenphase vermochte der FCB zu überzeugen. Gegen Spartak Moskau bekundete Basel keine Mühe und fuhr sechs Punkte ein. Gegen Liverpool resultierten zwei beachtliche Unentschieden.

Damit qualifizierte sich der FCB für die damalige Zwischenrunde. Gegner waren Man United, Deportivo La Coruña und Juventus Turin. Der FC Basel verpasste den Vorstoss in die Viertelfinals nur knapp. Im letzten Gruppenspiel gegen Juventus Turin gelang dem Team von Christian Gross sensationell ein 2:1-Sieg. Nur die Tordifferenz meinte es nicht gut mit dem FCB. Punktgleich qualifizierte sich Juve für die nächste Runde.

1996/1997: Die erste Schweizer Mannschaft die sich für die Champions League qualifizieren konnte, waren die Grasshoppers. Mit dem Gesamt-Skore von 6:0 gegen Slavia Prag qualifizierte sich GC unter Trainer Christian Gross für die Gruppenphase. Diese begann aus Zürcher Sicht mit einem Paukenschlag.

Im Hardturm-Stadion fertigten die Grasshoppers Glasgow Rangers gleich mit 3:0 ab. Murat Yakin und zwei Mal Kubilay Türkyilmaz sorgten für die Tore. Die wohl noch etwas grössere Überraschung landete GC im zweiten Gruppenspiel. Auswärts bei Ajax in Amsterdam setzten sich die Zürcher 1:0 durch. Mann des Spiels: Murat Yakin. Der Hopper erzielte mittels Freistoss aus gut 40 Metern das aussergewöhnliche Tor, welches die Partie entschied. Ein weiterer Sieg gegen AJ Auxerre brachte die Hoppers auf starke neun Punkte.

Murat Yakin trifft per Freistoss.

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Müsterchen aus der Europa League und dem Uefa Cup

Auch eine Liga tiefer setzten Schweizer Clubs Ausrufezeichen. So empfing Wettingen beispielsweise Diego Armando Maradona oder Xamax besiegte Real Madrid im Viertelfinal des Uefa Cups. Eine Auswahl davon:

2020/2021: Im Sechzehntelfinal trafen die Young Boys auf Bayer Leverkusen. Die Berner düpierten die Deutschen und gewannen auswärts 2:0. Auch zu Hause setzte sich der Schweizer Meister 4:3 durch. YB scheiterte in der nächsten Runde an Ajax Amsterdam. Trainer Gerardo Seoane unterschrieb nach Saisonende bei Leverkusen.

2019/2020: Im Achtelfinal-Hinspiel gegen Eintracht Frankfurt siegte der FC Basel auswärts souverän. 3:0 endete das letzte internationale Spiel vor der Corona-Pandemie. Das Rückspiel in Basel endete 1:0 zu Gunsten des Heimteams.

2012/2013: Der FC Basel erreichte als erste Schweizer Mannschaft seit 35 Jahren die Halbfinals im Europacup. Der FCB setzte sich im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Tottenham Hotspur mit 4:1 im Penaltyschiessen durch. Im Halbfinal wartete Chelsea. Beide Spiele gingen knapp verloren.

2000/2001: In der ersten Runde des Uefa Cups sorgte der FC St. Gallen für eine grosse Sensation. Die Ostschweizer eliminierten den FC Chelsea. Das Hinspiel in London ging knapp mit 0:1 verloren, das Heimspiel gewann hingegen der FCSG sensationell mit 2:0. Dank Toren von Sascha Müller und Charles Amoah zog St. Gallen in die nächste Runde ein. Brügge bedeutete dann Endstation.

Unvergessen ist auch, wie die Espen in der Qualifikation für die Europa- League-Gruppenphase im Jahr 2013 Spartak Moskau ausschalteten:

1999/2000: Lausanne Sport schaffte die Sensation gegen Ajax Amsterdam. Im Uefa Cup schoss Lausanne auf der heimischen Pontaise mit einem Tor durch Javier Mazzoni Ajax aus dem Wettbewerb. Das Hinspiel endete 2:2.

Diego Armando Maradona im Spiel gegen Wettingen.

Diego Armando Maradona im Spiel gegen Wettingen.

Keystone

1988/1989: Im Uefa Cup traf der FC Wettingen in der zweiten Runde auf den SSC Napoli mit Weltfussballer Diego Armando Maradona. Im Hinspiel erreichten die Aargauer in Zürich ein beachtliches 0:0. Im Rückspiel unterlag Wettingen 1:2.

1985/1986: Neuchatel Xamax stiess im Uefa Cup bis in die Viertelfinals vor. Das Hinspiel gegen Real Madrid ging klar mit 0:3 verloren. Doch im Rückspiel besiegte Xamax unter Trainer Gilbert Gress Real Madrid sensationell mit 2:0. Fürs Weiterkommen reichte es nicht mehr. Trotzdem ist dies bis heute eine der grössten Überraschungen eines Schweizer Clubs auf europäischer Bühne.

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