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Kommentar

Schweiz bezieht gegen Schweden keine Niederlage – sie hat nur ein Spiel nicht gewonnen

Mehr Drama geht nicht. Im grössten Spiel aller Zeiten unseres Mannschaftssports haben die Schweizer nicht verloren. Sie haben bloss nicht gewonnen. Schweden ist Weltmeister (3:2 n. P.).
Klaus Zaugg, Kopenhagen
Enttäuschung bei den Schweizer Spielern mit Trainer Patrick Fischer nach dem Spiel. | Bild: Salvatore Di Nolfi / Keystone (Kopenhagen, 20. Mai 2018)

Enttäuschung bei den Schweizer Spielern mit Trainer Patrick Fischer nach dem Spiel. | Bild: Salvatore Di Nolfi / Keystone (Kopenhagen, 20. Mai 2018)

Es gibt diese Augenblicke, Minuten oder gar Stunden im Sport, da steht die Zeit still. Die Welt hält den Atem an. Wir haben in diesem Finale Augenblicke, Minuten und schliesslich Stunden ohne Zeit erlebt.

Bei fast allen Spielen ist es möglich, spätestens nach der Hälfte zu ahnen, zu spüren, vorauszusehen wie es ausgehen wird. Der Chronist kann schon einmal mit Schreiben, Dichten, Fabulieren anfangen.

Bei diesem Finale war es nicht möglich. Bis zur letzten Sekunde nicht. Es war zu spüren: Das 1:0 von Nino Niederreiter wird nicht reichen. Das 2:1 durch Timo Meier auch nicht. Aber genauso war zu spüren: Die Schweden sind nicht dazu in der Lage, die Partie zu entscheiden. Nicht gegen Leonardo Genoni in dieser Form.

Unmittelbar nach dem Spiel ist die Enttäuschung bei den Schweizer Spielern gross. | Bild: Salvatore Di Nolfi / Keystone (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Enttäuschung bei Torhüter Leonardo Genoni. | Bild: Andy Müller / Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Raphael Diaz (rechts) nimmt Gratulationen von Verbandspräsident René Fasel entgegen. | Bild: Andy Müller / Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
(Andy Mueller/freshfocus)
Gaetan Haas (links) und Enzo Corvi sitzen nach dem Spiel enttäuscht an der Bande. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Die Schweizer während der Nationalhymne nach dem Spiel. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Die Schweden halten den WM-Pokal in den Händen. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Enttäuschte Gesichter bei den Schweizern. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Oliver Ekman-Larsson und Kevin Fiala verabschieden sich nach dem Finalspiel. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Nino Niederreiter (links). Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Nino Niederreiter (Nr. 22) schiesst gegen Adam Larsson, Patric Hornqvist und Mikael Backlund (von links) das Tor zum 1:0. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Die Schweizer bejubeln ihr erstes Tor. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Gustav Nyquist jubelt mit der Mannschaft nach seinem Treffer zum 1:1. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Torhüter Andres Nilsson (links) und Mattias Ekholm gegen den Schweizer Tristan Scherwey. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Goalie Leonardo Genoni nach der Niederlage. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Mikael Wikstrand (links) im Spiel gegen Reto Schäppi. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Der Schweizer Dean Kukan wird von den Schweden John Klingberg und Filip Forsberg tiefergelegt. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Viktor Arvidsson versucht es gegen Schweiz-Goalie Leonardo Genoni und Michael Fora. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Roman Josi kommt auf Gustav Nyquist zu liegen. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Johan Larsson (links) gegen Torhüter Leonardo Genoni und Raphael Diaz. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
Die Schweden feiern ihr Tor zum 2:2. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)
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Schweiz holt WM-Silber

Das Verrückte ist: Die Schweizer lagen im Halbfinale gegen Kanada nie im Rückstand und sie lagen in diesem Finale gegen Schweden nie im Rückstand. Sie verloren erst im Penalty-Schiessen. Deshalb dürfen wir sagen: Sie haben das Finale nicht verloren. Bloss nicht gewonnen.

Sieg wäre möglich gewesen

Wäre ein Sieg möglich gewesen? Hätten wir Meister der Welt werden können? Zum ersten Mal in einer wichtigen Mannschaftssportart? Ja, es wäre möglich gewesen.

Warum sind wir es nicht geworden? Hat jemand versagt? Nein. Es war ein Spiel, das nicht durch Fehler entschieden worden ist. Es ist kein Fehler, wenn der Torhüter einen Penalty nicht halten kann.

Der Sieg wäre möglich gewesen, weil in einem so knappen, ausgeglichenen, dramatischen Spiel ein Sieg immer möglich ist. Aber es gibt nicht die Szene, den Fehler, die Aktion, die uns sagt: Da haben wir verspielt. Es hätte einfach Glück gebraucht, ein bisschen mehr Glück um den 2:1 Vorsprung über die Zeit zu bringen. Oder um das 1:0 nach dem ersten Penalty, den Sven Andrighetto verwandelt hat, ins Ziel zu bringen.

Gaetan Haas (links) und Enzo Corvi sitzen nach dem Spiel enttäuscht an der Bande. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)

Gaetan Haas (links) und Enzo Corvi sitzen nach dem Spiel enttäuscht an der Bande. Bild: Andy Müller/Freshfocus (Kopenhagen, 20. Mai 2018)

Die Schweizer haben diese WM mit einer Verlängerung gegen Aufsteiger Österreich begonnen und mit einer Verlängerung im Finale gegen Schweden beendet. Eine längere Reise, eine grössere Steigerung, noch mehr Dramatik sind nicht möglich.

Diese Reise zum ewigen Ruhm ist mit der Niederlage im Penalty-Schiessen nicht zu Ende gegangen. Sie ist nur unterbrochen worden. Sie wird weitergehen. Ein neues Zeitalter hat begonnen. Jede Mannschaft, die in der Geschichte einen WM-Final erreicht hat, ist früher oder später auch Weltmeister geworden. Wir haben nicht eine «Jahrhundert-Gelegenheit» verpasst. Wir haben bloss eine Chance nicht genutzt, um Weltmeister zu werden. Die nächste wird kommen.

In dieser Partie stimmte alles

2013 waren wir im Finale noch nicht bereit für den Titel. Da waren wir noch zu aufgeregt. Überfordert. Aber nun sind die Schweizer bereit für den höchsten Preis. Sie haben in diesem Finale die beste Partie gezeigt, die je eine Nationalmannschaft gespielt hat. Es hat schon viele grosse, dramatische Spiele gegeben. Aber noch nie eines mit dieser Intensität, dieser Spannung und diesem Niveau um den ultimativen Preis, den WM-Titel.

In dieser Partie stimmte alles. Die Taktik, die Balance zwischen Offensive und Defensive, die Torhüterleistung. Besser geht es nicht. Besser wird es nie gehen.

Wer waren die Helden? Leonardo Genoni natürlich. Er hat die WM als «Lottergoalie» gegen Aufsteiger Österreich begonnen und hat sie mit der vielleicht besten Leistung beendet, die je ein Schweizer Goalie an einer WM gezeigt hat. Nur zwei Gegentore im Viertelfinale gegen Finnland, nur zwei Gegentore im Halbfinale gegen Kanada (mit NHL-Topskorer Connor McDavid) und nur zwei Gegentore gegen Schweden im Finale.

Eishockey ist der ultimative Mannschaftssport. Belassen wir es beim Lob für den Torhüter und verteilen wir den Rest des Ruhmes auf die Mannschaft.

Am Anfang steht der Gedanke. Dann kommen die Worte und schliesslich die Tat. Patrick Fischer hatte den verrückten Gedanken, dass wir Weltmeister werden können. Er hat es später auch ausgesprochen, dass wir Weltmeister werden können. Nun sind seine Worte zu Taten geworden: Wir hätten Weltmeister werden können.

Beim nächsten Anlauf wird es klappen. In einem, in zwei, in drei, spätestens aber in fünf Jahren.

Schweden - Schweiz 3:2 (1:1, 1:1, 0:0, 0:0) n.P.

Kopenhagen. - 12'490 Zuschauer (ausverkauft). - SR Gofman/Gouin (RUS/CAN), Lasarew/Vanoosten (RUS/CAN). - Tore: 17. (16:38) Niederreiter (Josi, Fiala) 0:1. 18. (17:54) Nyquist (Ekholm) 1:1. 24. Meier (Corvi, Fiala/Ausschluss Nyquist) 1:2. 35. Zibanejad (Ekman-Larsson/Ausschluss Corvi) 2:2. - Penaltyschiessen: Andrighetto 0:1, Zibanejad - (daneben); Fiala - (gehalten), Rakell - (gehalten); Corvi - (gehalten), Ekman-Larsson 1:1; Haas - (daneben), Forsberg 2:1; Niederreiter - (gehalten). - Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Schweden, 5mal 2 Minuten gegen die Schweiz.

Schweden: Nilsson; Adam Larsson, Ekman-Larsson; Klingberg, Lindholm; Wikstrand, Ekholm; Rakell, Zibanejad, Janmark; Hörnqvist, Backlund, Nyquist; Arvidsson, Kempe, Forsberg; De la Rose, Johan Larsson, Pääjärvi; Everberg, Andersson.

Schweiz: Genoni; Diaz, Josi; Untersander, Kukan; Fora, Müller; Frick; Rod, Schäppi, Scherwey; Niederreiter, Corvi, Fiala; Andrighetto, Vermin, Meier; Moser, Haas, Hofmann; Baltisberger.

Bemerkungen: Schweden ohne Pettersson und Gustafsson (beide verletzt), Schweiz ohne Berra (Ersatztorhüter), Senn, Genazzi und Riat (alle überzählig). - Timeout Schweiz (79:31). - Pfostenschuss Adam Larsson (79:59). - Schüsse: Schweden 38 (13-11-8-5-1); Schweiz 27 (7-8-3-9-0). - Powerplay-Ausbeute: Schweden 1/4; Schweiz 1/1.

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