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Dortmunds Schwarz-gelbes Überfallkommando

Unter Trainer Lucien Favre erlebt Borussia Dortmund die Rückkehr zu alter Stärke. Den besten Beweis gab es am Samstag: ein furioses 4:3 gegen Augsburg.
Sascha Reuter
Einwechselspieler Paco Alcacer (vorne) trifft für Dortmund drei Mal gegen Augsburg. Bild: Martin Meissner/Keystone (Dortmund, 6. Oktober 2018)

Einwechselspieler Paco Alcacer (vorne) trifft für Dortmund drei Mal gegen Augsburg. Bild: Martin Meissner/Keystone (Dortmund, 6. Oktober 2018)

Es ist schon verrückt. Borussia Dortmund kommt aus einer Saison zum Vergessen. Der mit spektakulärem Fussball gestartete Trainer Peter Bosz wurde nach dem 15. Spieltag entlassen, Peter Stöger übernahm und holperte noch mit Ach und Krach auf Rang vier und somit in die Champions League. Die Stimmung in Dortmund war angesichts der teilweise gruseligen Darbietungen trotzdem am Tiefpunkt. Keine fünf Monate später erinnert sich daran kaum noch jemand. Im Gegenteil. Aktuell erinnert der BVB mit seinen Trikots wieder an ein schwarz-gelbes Überfallkommando. Und die Rückkehr zum Spassfussball hat einen Namen: Lucien Favre.

Dabei gilt der 60-jährige Waadtländer nicht gerade als Stimmungskanone unter den Fussball-Lehrern. Er ist ein Tüftler. Ein Perfektionist, der stundenlang über die kleinsten Details grübeln kann. Und der regelrecht aufblüht, wenn es um diametral abkippende Sechser, Dreiecksspiel und falsche Neuner geht. Klingt spröde, bereitet den Fans in der Umsetzung aber eine Menge Spass. Nürnberg 7:0 abgeschossen, Leverkusen nach 0:2-Pausen-Rückstand noch 4:2 vom Platz gefegt, in der Champions League Monaco beim 3:0 schwindelig gespielt – und am Samstag ein 4:3-Spektakel gegen Augsburg. Der Lohn: noch keine einzige Pflichtspielniederlage – und Platz 1 in der Tabelle.

Zwei Schweizer Baumeister

Und auch wenn es gestern drei Gegentore gab: Selbst die Wackel-Abwehr der vergangenen Spielzeit hat Favre wie durch ein Wunder in den Griff bekommen. In den sechs Spielen zuvor kassierte der BVB gerade mal fünf Gegentreffer. Nicht ganz «unschuldig» an dieser Entwicklung sind zwei weitere Schweizer: Manuel Akanji hat sich zu einem souveränen Abwehrchef entwickelt. Und Goalie Roman Bürki, dem sie in Dortmund bislang vorwarfen, Spiele für die Borussia zu verlieren, aber nicht zu gewinnen. In dieser Saison ist er bisher die Zuverlässigkeit in Person. Doch das eigentliche Prunkstück der Borussia ist die Offensive. Frech und unbekümmert spielt sie auf. Nur eben nicht mehr ganz so halsbrecherisch wie vergangene Saison. Oder um es mit Captain Marco Reus zu sagen: «Wir werden nicht nervös und spielen geduldig weiter.»

Geduld, die auf dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten beruht. «Wir wissen, dass wir immer Tore machen können», sagt Reus, «momentan haben wir ein gutes Gefühl. Wir spielen mit viel Selbstvertrauen.» Und wenn es trotzdem mal nicht laufen sollte, steht da draussen immer noch ein Lucien Favre, der immer die richtige Idee zu haben scheint. Die Einwechselspieler der Dortmunder bringen es wettbewerbsübergreifend bereits auf unglaubliche 20 (!) Skorer-Punkte. Besonders der 18-jährige Jadon Sancho sorgt für Furore, wenn er auf den Platz kommt. Sieben Torbeteiligungen nach Einwechslung – eine herausragende Quote. Am Samstag war es Paco Alcacer, der für die Wende sorgte. Der Stürmer kam nach einer Stunde in die Partie. 30 Minuten später hatte er dreimal getroffen.

Mentalitätsmonster wie unter Jürgen Klopp

Da wundert es nicht, dass der BVB in Pflichtspielen zwar schon fünfmal mit 0:1 in Rückstand geriet, jedoch nie verlor. Die Borussen sind unter Favre wieder jene Mentalitätsmonster, die sie einst unter Jürgen Klopp waren. Damals gewann der Club zwei Meisterschaften. Doch wenn man die Bosse mit diesem Vergleich konfrontiert, werden sie fast schon panisch. Das hat vor allem mit den Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit zu tun. Auch letztes Jahr startete der BVB furios, ehe es zum fussballerischen Totalabsturz kam. Deshalb halten es alle Borussen mit ihrem Trainer. Der betont bei jeder Gelegenheit, dass die Mannschaft Zeit brauche. «Es gibt noch ein grosses Potenzial für eine Weiter­entwicklung», sagt Favre, «technisch und taktisch.» Für die Konkurrenz muss sich das schon fast wie eine Drohung anhören.

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