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Schreiben heisst Welten erschaffen

ERMATINGEN. Der Thurgau fördert junge Schreibtalente seit Herbst 2010 mit professioneller Betreuung und dem Literaturförderpreis «Junge Texte». Am Sonntag haben die acht Besten des zweiten Wettbewerbs auf dem Lilienberg aus ihren Werken gelesen.
Junge Texte 2: Die acht Preisträgerinnen und Preisträger, das Organisationsteam und der Vertreter der Lions-Bewegung Thurgau. (Bild: pd)

Junge Texte 2: Die acht Preisträgerinnen und Preisträger, das Organisationsteam und der Vertreter der Lions-Bewegung Thurgau. (Bild: pd)

Wie phantasiereich junge Thurgauer und Thurgauerinnen schreiben können, belegt die Sammlung «Schreibraum 2». Abgedruckt sind darin Texte der zwölf Finalisten aus dem «Junge Texte»-Festival letzten April. Elf von ihnen sind von Dorothee Elmiger und Tim Krohn an zwei Schreibwochenenden in Vitznau und auf dem Lilienberg begleitet worden. Der Band enthält im Kapitel «Schiffsminiaturen» je einen Kurztext und im Hauptteil Fotos, eigene Eindrücke und einen längeren Text. (dl)

Spuren eines Lebens

[…] Wenn er dann abends in seinem Lehnstuhl sass und der untergehenden Sonne zusah, spürte er den Tod ganz nahe bei sich. […] Dann schloss der alte Mann für einen kurzen Moment die Augen, um die Gedanken an das Ende seiner Tage auszublenden, und als er sie wieder öffnete, sah er, dass seine Vorstellungskraft ihm bloss einen Streich gespielt hatte. Danach ging er ins Schlafzimmer, legte sich ins Bett und träumte einen traumlosen Traum. Als er am nächsten Morgen aufwachte, goss er abermals seine Pflanzen, und als es Abend wurde, bettete er wiederum seinen Kopf aufs Kissen und machte die Augen zu.

Anita Boos, Schönenberg

Vergorene Welt

[…] Ihr Herz krümmt sich, windet sich schmerzhaft in ihrem einengenden Brustkorb. Bumm. Mit letzter Kraft robbt sie nach vorne, sie will weg, weg von den Flammen, weg, über ihren Schatten hinaus. Bumm. Doch es gelingt ihr nicht. Bu-

Lorena Funk, Wängi

Mann geht arbeiten

Mann verliess das Bordell um Punkt 9.15 Uhr. […] Heute war Montag, und montags besuchte er den Zoo. […] Wolff würde 10 Minuten zu spät kommen, daran hatte sich Mann bei den vergangenen 94 Treffen mit ihm gewöhnt. […] Das war ihr erfolgreiches Geschäftsmodell: Wolff nahm Aufträge entgegen, fasste die Person und setzte sie fest, Mann erledigte den Rest. […] In seiner Tasche fühlte er das noch immer blutige Messer. Um16.59 Uhr stand er auf und machte sich auf den Heimweg. Morgen war Dienstag, und dienstags besuchte Mann den botanischen Garten.

Stefanie Gründler, Gachnang

Vom Glück, einen Dichter zu verlassen

Nachdem sie den Dichter verlassen hatte, ging es ihr gut. Sie fühlte sich glücklich und unbeschwert und zu allem fähig. […]

Sven Hirsbrunner, Erlen

Auf Wiedersehen

[…] Diese fantastische Aussicht, die offen zur Schau gestellte Schönheit der Natur, verlieh der Welt einen unwirklichen Schein. Zu gut. Zu schrecklich. Zu bitter, um real zu sein. Wie oft hatte sie hier gestanden […] und blicklos in die Ferne gestarrt? Es war ein Tag wie jeder andere. […] Und doch erschien ihr der Horizont so weit und fern wie nie zuvor. Alles war offen, ungewiss. Grenzen fielen. Neue Wege taten sich auf. […]

Muriel Hoffmann, Wängi

Auf bald, Kleiner

Lorenz ist nicht seekrank. Lorenz ist nie seekrank. Deshalb wankt er unbesorgt auf dem Sonnendeck herum, während der Ausflugsdampfer unter seinen kleinen Füssen mit den Wellen auf und ab, hin und her schaukelt. «Komm sofort da weg!» Das ist die Mama von Lorenz. Sie ist seekrank und hat auf Schiffen immer Angst. Überhaupt hat sie immer Angst. Deshalb sieht sie nicht, was Lorenz sieht.

Anaïs Lienhart-Ortega, Wil

Marcello

[…] Nie wieder! Nie wieder werde ich jemandem vertrauen, schwor sich Lucie. Und noch einmal las sie den einen, alles sagenden Satz. «Es tut mir leid, aber einen Marcello hat es nie gegeben.»

Ornella Neri, Aadorf

Georg Drachentöter

[…] Nur die jungen Männer, die riefen ihn nie. War es doch Georg, der ihnen Ruhm und Arbeit und Weiber nahm. […]

Julian Oelkers, Uesslingen

Verhängnisvolle Urlaubstage

[…] Keine Frau mit gesundem Menschenverstand geht in einem fremden Land zu einem Fremden mit nach Hause. Erstaunlicherweise aber hat es der Spanier mit den schwarzen Knopfaugen und seinem verständnisvollen Nicken geschafft, […] mein vollstes Vertrauen zu erlangen. […]

Jorine Pfaff, Matzingen

Blutamethyst

[…] Bevor Lorenzo die Ketten seinen Töchtern als Hochzeitsschmuck umlegen kann, werden deren Leichen grausam zugerichtet aufgefunden. Vom Juweliermeister Cornelius Agrippa aber fehlt seither jede Spur. Man erzählt sich, er sei fortgezogen.

Marios Vettas, Amriswil

Wellenreiten

[…] Du stehst hier und er steht da. Es ist die erste Begegnung seit damals […] und ihr wisst beide nicht, was ihr sagen wollt. […] Erst als er sich umdreht und geht – ohne ein Wort, ohne Floskel, ohne das Nicken –, wird dir klar, dass du gehofft hast, er würde es nicht tun – gehen.

Jasmin Wunderlich, Horn

www.jungetexte.ch

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