«Schon früher so schwierig»

Ski alpin. 1991 und 1992 hat Franz Heinzer die Hahnenkamm-Abfahrt dreimal gewonnen. Seit 2004 arbeitet der Schwyzer als Trainer bei Swiss Ski. Er teilt die Meinung nicht, die Streif sei schwieriger denn je.

Urs Huwyler
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Der Schweizer Abfahrtstrainer Franz Heinzer (rechts) besichtigt mit Daniel Albrecht die berüchtigte Streif. (Bild: Blicksport/Toto Marti)

Der Schweizer Abfahrtstrainer Franz Heinzer (rechts) besichtigt mit Daniel Albrecht die berüchtigte Streif. (Bild: Blicksport/Toto Marti)

Bevor Daniel Albrecht nach dem Sturz in Val Gardena in Richtung Hotel ging, sprach er über sein Saisonziel in der Abfahrt. «Ich möchte in Kitzbühel auf die Streif. Die älteren Fahrer erzählen die verrücktesten Schauergeschichten.» Daniel Mahrer hatte vor 19 Jahren nach seinem Hahnenkamm-Triumph davon gesprochen, in Val Gardena würden nur Kamele die Kamelbuckel überspringen. «Aber in Kitzbühel stürzen sich nur die grössten Affen über die Mausefalle den Berg hinunter.» Nach dem ersten Training verstand der Walliser Albrecht den Bündner Mahrer. «Auf einer solchen Strecke bin ich noch nie gefahren», sagte Albrecht nach dem ersten Schreck. Weil zuletzt der Eindruck entstand, so schwierig wie in diesem Jahr sei die Piste noch nie gewesen, bekam der 24jährige das Gefühl, früher sei die 3312 Meter lange Abfahrt nicht ganz so anspruchsvoll gewesen.

«Sie vergessen schnell»

Trainer Franz Heinzer relativiert allerdings. «Mir liegt es fern, die guten alten Zeiten heraufzubeschwören, aber die Streif präsentierte sich schon früher mindestens ebenso schwierig wie in diesem Jahr», sagt der Doppelsieger von 1992. «Manche Leute vergessen schnell, auch bezüglich Stürzen. Da ging es anders zu und her als jetzt im Training. Vor allem wurden mehr Favoriten abgeworfen», sagt Heinzer.

Der dreifache Abfahrtsweltcup-Gewinner von 1991, 1992 und 1993 hat seit seiner Zeit keine wesentliche Weiterentwicklung der Königsdisziplin festgestellt. Beim Doppelsieg 1992 waren seine 2,15 m langen Ski ähnlich tailliert wie heute. Didier Défago gewann das Training vom Mittwoch in 1:57,63, Heinzer benötigte 1992 für das Rennen 1:56,04. «Geändert hat die Präparierung. Natürliche Hindernisse sind abgetragen, die Pisten vereist worden. Aber die Rennen in Bormio oder Val Gardena waren deshalb nicht anspruchsvoller als früher», sagt der Weltmeister von 1991. Die Rivalität unter Organisatoren, die eigene Strecke weiter zu vereisen und dann als «die schwierigste im Weltcup» zu betiteln, sieht der 45jährige Heinzer nicht als Fortschritt.

Millers Kritik

Lauberhorn-Sieger Bode Miller kritisierte die Kitzbüheler Organisatoren für die seiner Ansicht nach mangelhafte Präparation der Strecke. Es missfiel dem Amerikaner, dass nicht alle Wellen planiert wurden. Heinzer spürt bei den FIS-Renndirektoren Günther Hujara und Helmut Schmalz eher einen Trend, nicht mehr jede Unebenheit abzutragen. Millers Aussage, der Skisport habe sich weiterentwickelt, die Präparation der Piste am Hahnenkamm nicht, widerspricht weitgehend den Feststellungen des Schweizers.

Das Spektakel am Lauberhorn hat gezeigt, dass derzeit fünf Fahrer für den Sieg in Frage kommen. Gesetzt sind Didier Cuche, Bode Miller und Michael Walchhofer. «Auch das hat sich nicht verändert. Ein Blick in die Siegerliste beweist es. Schon zu meiner Zeit konnten fünf gewinnen, fünf standen bereit, um allenfalls bei Neuschnee oder wechselnden Bedingungen die Gunst der Stunde nützen zu können», sagt Heinzer.

Für den heutigen Super-G (11.30 Uhr) ändert sich die Ausgangslage kaum, weil in Kitzbühel die Abfahrer aufgrund des Tempos im Vorteil sind. Seit dem Abschlusstraining gehört Albrecht ebenso zu den Mitfavoriten. «Am Hahnenkamm zu gewinnen, wäre phantastisch. In einem Jahr ohne Titelkämpfe werden die Rennen in Kitzbühel zum Saisonhöhepunkt. Ich bin schon gespannt, was abgehen wird», sagt Albrecht.

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