Schnelle Autos und nackte Haut

Für seinen Videoclip engagiert der Frauenfelder Rapper Criminell ein Erotikmodel. In Kombination mit protzigen Autos und einer düsteren Location bedient er damit bewusst sämtliche Klischees.

Johanna Schick
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Bei den Dreharbeiten: Rapper «Criminell», Erotikmodel «X-Tina» und Kumpel Michael hinter der Kamera. (Bild: Nana do Carmo)

Bei den Dreharbeiten: Rapper «Criminell», Erotikmodel «X-Tina» und Kumpel Michael hinter der Kamera. (Bild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Protzige Autos, davor ein leicht bekleidetes blondes Model, das zu einem Rapsong tanzt. Ein Rapper mit aufgesetzter Sonnenbrille bewegt sich im Takt zum Lied, den Text rappt er mit. Das Model macht laszive Posen, während er unbeirrt weiterrappt. Hört sich an wie die Szene aus einem typisch Musikvideo, ist es auch.

Tatsächlich handelt es sich hier um das neue Musikvideo des Frauenfelder Rappers Criminell. Für seinen ersten professionellen Videodreh hat Roland Haemmerli, wie er mit bürgerlichem Namen heisst, das Erotikmodel «X-Tina» gebucht. Als Drehort dient eine Tiefgarage ausserhalb der Stadt Frauenfeld. Die technische Arbeit übernimmt Michael Wyss, ein langjähriger Freund des Rappers.

Model für den Sex-Appeal

«16 Bars» heisst das Lied, zu dem das Musikvideo gedreht wird. «In dem Track erzähle ich von der Strasse und dass es dort hart zu und her gehen kann», sagt der 25jährige Criminell. Deswegen auch die düstere Location und die Autos im Hintergrund. Er möchte die Szene ganz bewusst so klischeehaft darstellen. «Das ist Teil der heutigen Hip-Hop-Szene», sagt er.

Mit dem Erotikmodel Christina möchte er dem Video Sex-Appeal verleihen. «Männer, die sich den Clip anschauen, sollen nicht nur vom Text, sondern auch von den Bildern angesprochen werden», sagt Roland. Daran, dass sein Plan aufgeht, besteht kein Zweifel. Model «X-Tina» entledigt sich einem Kleidungsstück nach dem anderen, tanzt und posiert, was das Zeug hält. Die Frage, ob das Ganze jugendfrei ist, schwebt unbeantwortet im Raum.

Zweites Album in Sicht

Die Location und die Autos im Hintergrund werden von einer Automobilfirma gesponsert, den restlichen Aufwand bezahlt Criminell aus eigener Tasche, in der Hoffnung, die Mühe lohnt sich. Veröffentlichen möchte Criminell das Video auf YouTube, Facebook und unterschiedlichen Online-Rapforen, um damit seinen Bekanntheitsgrad zu steigern. «Ich möchte damit zeigen, dass auch ein Ort wie Frauenfeld etwas zu bieten hat», sagt er.

Er meine es ernst mit seiner Musik. Trotzdem gäbe es immer wieder Leute, die seine Glaubhaftigkeit in Frage stellen und ihn das spüren liessen. «Aber das ist mir egal, ich mache mein Ding, der Rest ist mir egal», spricht der Rapper aus ihm. Seit gut zehn Jahren widmet sich der Rapper dem Hip-Hop, veröffentlichte in dieser Zeit mehrere gratis Mixtapes und Alben. Vor eineinhalb Jahren nahm er sein erstes professionelles Soloalbum mit dem Namen «Asphalt-Poesie» auf, das er auf der Strasse verkaufte.

An seinem zweiten Werk, das Ende diesen Jahres erscheinen soll, arbeitet er noch. Dazu hat er momentan auch ausreichend Zeit. Seit Dezember ist er aufgrund einer Schulteroperation arbeitslos. Seinen Job als Logistiker musste er deshalb aufgeben. Mehr denn je wächst jetzt der Wunsch in ihm, mit seiner Musik Fuss zu fassen. Doch er bleibt realistisch. «Frauenfeld ist ein hartes Pflaster, nur die wenigsten schaffen es wirklich», gesteht er sich ein. Auch wenn es nie zu einem Vertrag mit einem Plattenlabel kommen würde, bliebe er seiner Leidenschaft treu. «Musik ist alles für mich.»

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