Schnell, schnörkellos, schlau

Vom HC Davos erwartete diese Saison niemand etwas Grosses. Nun stehen die Bündner nach zwei Runden des Playoff-Halbfinals als Überraschungsteam da. Sie lassen dem favorisierten SC Bern beim 6:2-Heimsieg keine Chance.

Matthias Hafen/Davos
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EISHOCKEY. In der Halbfinalserie zwischen Bern und Davos bahnt sich eine Überraschung an. Die Bündner befinden sich auf der Überholspur und gewinnen auch das zweite Spiel, diesmal vor eigenem Publikum mit 6:2. 5057 Zuschauer erleben in der Davoser Eishalle, wie das Heimteam in der Best-of-7-Serie scheinbar problemlos auf 2:0 davonzieht.

Zwei Tore im Startdrittel und zwei Treffer innert 47 Sekunden zu Beginn des dritten Abschnitts reichen dem Team von Trainer Arno del Curto, um sich die favorisierten Berner in der heimischen Eishalle vom Leib zu halten. Dies, nachdem es schon die erste Partie in Bern 3:2 nach Verlängerung gewonnen hat.

«So spielt man Eishockey», skandierten die HCD-Anhänger zehn Minuten vor Schluss der zweiten Halbfinal-Begegnung. Und tatsächlich zeigten die Davoser den Bernern den Meister. Dass Del Curto mit seinem Team die Lehre des einfachen Eishockeys zelebriert, ist sicher kein Zufall. Davos befindet sich im Umbruch, einen Stil lässt es derzeit nur schwer erkennen.

Davos wie ein Chamäleon

Die Bündner nutzen das, was ihnen zur Verfügung steht, spielen mit Tempo und einer Schlauheit, die nur aus dem Kopf ihres aussergewöhnlichen Coachs stammen kann. Doch taktisch scheinen sie keinen starren Masterplan zu haben, sind extrem wandelbar. Das wiederum hiess für Bern gestern abend, dass es seinen Gegner zu keiner Zeit lesen konnte. Das Davoser Spiel war schnörkellos und effizient. Nachdem Bern die Startphase dominiert hatte und sich durch Christoph Bertschy einen Pfostenschuss notieren lassen konnte, realisierte Gregory Hofmann mit dem ersten richtigen Angriff für Davos das 1:0. Er schloss in der zehnten Minute einen Konter mustergültig ab, den Berns Captain Martin Plüss mit einem Fehlpass eingeleitet hatte. Davos hatte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Spielanteile als Bern. Doch machten die Bündner nicht stets den einen Pass oder den einen Haken zu viel.

Bern wechselt Goalie aus

Nach dem 0:3 durch Dino Wieser in der 24. Minute liess sich Berns Goalie Marco Bührer entnervt auswechseln. Doch nicht einmal zwei Minuten später war auch sein Ersatz Nolan Schaefer das erstemal bezwungen. Marc Wieser traf zum 4:0.

Zwar kämpfte sich Bern vor allem dank Bud Holloway nochmals auf 2:4 heran. Doch mit einem Doppelschlag innerhalb von 47 Sekunden zerstörten die Davoser alle Hoffnungen der Gäste. Wenn man bedenkt, dass der HCD im diesjährigen Playoff noch keine einzige Auswärtspartie verloren hat, wird es morgen für Bern ziemlich ungemütlich.