Schleudersitz Trainerposten: Acht von zehn Clubs der Super League haben zwischen Februar und Oktober 2018 ihren Coach gewechselt

Wer eine Mannschaft in der Super League trainieren will, muss vor allem eins sein: neu. Acht der zehn Coaches sind noch nicht einmal ein Jahr im Amt. Gegen den Strom schwimmt ausgerechnet Aufsteiger Neuchâtel Xamax – aus gutem Grund.

Daniel Walt
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Wer auf einem Trainerstuhl in der Super League Platz nimmt, kommt selten über eine Amtszeit von zwei, drei Jahren hinaus. (Archivbild: Trix Niederau)

Wer auf einem Trainerstuhl in der Super League Platz nimmt, kommt selten über eine Amtszeit von zwei, drei Jahren hinaus. (Archivbild: Trix Niederau)

Es war eine Entlassung mit Ansage: Am Montag trennte sich der FC Lugano per sofort von seinem spanischen Trainer Guillermo Abascal. Präsident Angelo Renzetti hatte Abascal schon länger öffentlich kritisiert. Nachdem er seinen Übungsleiter abgesägt hatte, sagte er gegenüber dem «Blick»:

«In den letzten Wochen war kein Spielsystem zu erkennen.»
Aus und vorbei: Guillermo Abascal musste bei Lugano gehen. (Bild: Keystone)

Aus und vorbei: Guillermo Abascal musste bei Lugano gehen. (Bild: Keystone)

Mit dem FC Lugano hat in der noch jungen Saison bereits der dritte Club seinen Trainer ausgetauscht. Ende Juli hatte der FC Basel Raphael Wicky entlassen, neuer Cheftrainer wurde Marcel Koller. Und vor kurzem schritt auch Sion-Präsident Christian Constantin – wieder einmal – zur Tat: Maurizio Jacobacci musste gehen, Murat Yakin übernahm.

Kaum einer ist schon über acht Monate im Amt

Drei Trainerentlassungen nach gerade einmal neun Runden: eine beträchtliche Zahl. Hinzu kommt, dass auf die neue Saison hin mit YB (Gerardo Seoane), St.Gallen (Peter Zeidler) und Luzern (René Weiler) drei weitere Teams neue Trainer erhalten haben. Und die beiden Zürcher Vereine haben ihre aktuellen Trainer auch erst seit Februar (FCZ/Ludovic Magnin) respektive April (GC/Thorsten Fink).

Damit bleiben genau zwei Clubs übrig, die ihre Trainer schon seit neun Monaten oder noch länger beschäftigen. Einer davon heisst Marc Schneider, er führt seit März 2017 das Zepter beim FC Thun.

Schon drei Jahre bei Xamax: Michel Decastel. (Bild: Keystone)

Schon drei Jahre bei Xamax: Michel Decastel. (Bild: Keystone)

Mit Abstand am längsten im Amt ist allerdings Michel Decastel, seit drei Jahren Trainer von Aufsteiger Neuchâtel Xamax. Seit dem von Ex-Präsident Bulat Tschagajew verursachten Finanzkollaps setzen die Neuenburger auf und neben dem Platz ganz bewusst auf Kontinuität:

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So lange sind die aktuellen Super-League-Trainer im Amt

Amtsdauer in Monaten
010203040Michel Decastel (Neuchâtel Xamax)Marc Schneider (FC Thun)Ludovic Magnin (FC Zürich)Thorsten Fink (Grasshoppers)Gerardo Seoane (Young Boys)Peter Zeidler (FC St.Gallen)René Weiler (Luzern)Marcel Koller (FC Basel)Murat Yakin (Sion)Fabio Celestini (Lugano)

Christian Gross überragt alle

Welche Coaches sind in den vergangenen 15 Jahren gegen den Trend geschwommen und konnten sich speziell lange in ihrem jeweiligen Job halten? Heraus ragt Ex-Basel-Coach Christian Gross – er ist seit der Lancierung der Super League auf die Saison 2003/04 hin jener Trainer, der mit Abstand am längsten beim selben Club verweilte. Sechs Jahre lang, bis 2009, coachte Gross in der Super League am Rheinknie. Schon in den vier Saisons zuvor, als die Liga noch NLA hiess, war Gross FCB-Trainer gewesen. Er blieb somit ganze zehn Jahre im Amt.

Er coachte Basel während insgesamt zehn Jahren: Christian Gross. (Bild: Keystone)

Er coachte Basel während insgesamt zehn Jahren: Christian Gross. (Bild: Keystone)

Mit deutlichem Abstand auf Platz 2 folgt Ex-St.Gallen-Trainer Jeff Saibene. Der Luxemburger war zwischen 2011 und 2015 nicht weniger als viereinhalb Jahre im Amt. Platz 3 geht an Ex-FCZ-Meistertrainer Lucien Favre, der vier Jahre im Letzigrund wirkte.

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Sie trainierten ihre Super-League-Clubs am längsten

In Monaten
020406080Christian Gross (FC Basel)Jeff Saibene (FC St.Gallen)Lucien Favre (FC Zürich)Ciriaco Sforza (GC)Adi Hütter (Young Boys)Vladimir Petkovic (Young Boys)Bernard Challandes (FC Zürich)Urs Meier (FC Zürich)Hanspeter Latour (GC)

Trainerfresser Constantin

In einer Liga, in welcher der Club von Christian Constantin mitspielt, kann die grosse Trainerfluktuation grundsätzlich nicht überraschen. So überragt der FC Sion denn auch alle anderen Clubs meilenweit mit der Anzahl Trainerwechsel seit 2003/04. 34 Mal liess Constantin den Totomat in den letzten 15 Jahren sprechen und wechselte seine jeweiligen Übungsleiter aus – Interimslösungen, kleine Rochaden bei Trainertandems und einzelne Kurzengagements von Constantin an der Seitenlinie sind hierbei nicht einmal eingerechnet.

Präsident Christian Constantin dirigiert seinen FC Sion auch schon mal selbst. (Bild: Keystone)

Präsident Christian Constantin dirigiert seinen FC Sion auch schon mal selbst. (Bild: Keystone)

Am zweitmeisten Trainer verbraucht haben in den letzten 15 Jahren die Grasshoppers – bei den Zürchern kam es zu 15 Trainerwechseln. Am wenigsten zu dieser Massnahme greifen mussten der FC Zürich und der FC Basel – sie ersetzten ihre Trainer seit 2003/04 je sieben Mal. Einen Trainerwechsel mehr gab es in derselben Zeitspanne beim FC St.Gallen.

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Welche Clubs am meisten und welche am wenigsten Trainer verschlissen haben

(Anzahl Trainerwechsel seit 2003, ohne Interimstrainer)
0102030FC SionGrasshoppers...FC St.GallenFC ZürichFC BaselMannschaft