SCHEIDEWEG: Der Fall Martin Angha

St.Gallens Trainer Giorgio Contini zählt nicht mehr auf Martin Angha und legt die Gründe dar. Für den 23-jährigen Verteidiger selbst scheint sich die Geschichte zu wiederholen.

Christian Brägger
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Zuletzt nur noch Trainingsgast: FCSG-Verteidiger Martin Angha. (Bild: Benjamin Manser)

Zuletzt nur noch Trainingsgast: FCSG-Verteidiger Martin Angha. (Bild: Benjamin Manser)

Christian Brägger

Das Wetter ist garstig an diesem Morgen. Roman Buess hindert das nicht daran, trotz nasskalter Temperaturen im Kurzarmshirt zu trainieren. Und wie immer in Übungseinheiten hat Danijel Aleksic die kurzen Hosen, so weit es nur geht, hinaufgezogen. Alles ganz normal also, so normal, wie ein Dienstagstraining mit 26 Spielern eben sein kann. Wäre da nicht Martin Angha. Der 23-Jährige war eigentlich schon weg, es hätte zum FC Zürich gehen sollen. Nun aber ist er irgendwie immer noch da. Oder wieder da. Oder eben auch nicht.

In Lausanne zum Start der Saison stand Angha jedenfalls nicht im Aufgebot von St. Gallen. Und auch davor fehlte er in den Testpartien; bisher hat der polyvalent einsetzbare Verteidiger unter dem neuen Coach Giorgio Contini kein Pflichtspiel absolviert. Was aber nicht am Trainer, der seit Mai an der Seitenlinie steht, liegen muss. Zumal es An­gha unter Joe Zinnbauer zuletzt schwer hatte, nachdem er in der Saison davor noch der Captain gewesen war. Bis er vom Amt – zumindest offiziell – freiwillig zurücktrat. Auch ist bekannt, dass es in den zwei Jahren, in denen Angha nun für die Ostschweizer aufläuft, immer wieder Wechselgerüchte um seine Person gab. Weshalb es mit dem FC Zürich nun in der Sommerpause nicht geklappt hat, bleibt spekulativ. Als die Vorbereitung nach den Ferien begann, gab sich Angha noch kämpferisch: «Es startet alles von vorne. Ich versuche, auf mich aufmerksam zu machen.»

Angha schweigt, Contini redet

Gestern nach dem Training, in dem sich der einstige Schweizer Nachwuchs-Internationale stark präsentierte, wirkte er resigniert, blieb seinem Naturell entsprechend aber zurückhaltend: «Im Moment bin ich hier, ich trainiere und gebe Gas. Mehr möchte ich nicht dazu sagen. Selbst wenn ich es gerne täte.» Später gab sich Contini dafür weit ausführlicher: «Das Kapitel FC St. Gallen ist für Angha derzeit abgeschlossen. Das kommt jedoch nicht von unserer Seite. Vielmehr will der Spieler nicht mehr. Er sucht eine andere Herausforderung. Das ist ja durchaus legitim.» Contini betonte, dass die Angelegenheit nichts mit seiner Person zu tun habe. «Angha hat mir bereits zwei Tage nach meiner Ankunft mitgeteilt, dass St. Gallen für ihn wohl Geschichte sei. Ich liess ihm damals aber noch einen Türspalt offen.» Nachdem dann Anghas Transfer in seine Heimatstadt ­gescheitert war, suchte Contini nochmals das Gespräch. «Doch Martin sagte mir, er wolle den Verein verlassen. Er selbst schlug also diese Türspalte zu.» Seither plant der Trainer nicht mehr mit dem Verteidiger, der noch einen Einjahresvertrag hat. Contini tat dies auch kund, er sagte: «Es ist ja nur logisch, dass ich einen Wechselwilligen nicht mehr forcieren kann.» Deshalb fand letztlich Silvan Gönitzer den Weg ins Kader, auch wenn der Coach gerne mit Angha weitergearbeitet hätte. «Er ist ein guter Junge, die Gespräche zwischen uns waren offen, ehrlich. Es war alles anständig und sauber. Grundsätzlich bringt Angha das Gesamtpaket für einen guten Fussballprofi mit.» Nur wenn Motivation, Einstellung, Bereitschaft nicht mehr vollends abgeholt werden könnten, weil man weg wolle, dann fehle im Spiel immer etwas.

Hat Angha diesen Stempel?

Das Problem ist nur, dass Angha wohl selbst nicht weiss, wie es in der Karriere weitergeht. Auf dem Markt ist es für ihn nicht einfach, weil er nicht mehr oft gespielt hat; auch geht es für alle Parteien um Schadensbegrenzung, vielleicht wird die Vertragsauflösung angestrebt. Hinzu kommt, dass Angha nach Nürnberg und 1860 München erneut einen Club – ob aus Not oder freiwillig – mehr oder weniger durch die Hintertüre verlässt. Fast scheint es so, als erkenne man dahinter ein Muster, als habe er diesen Stempel. Wie es dazu kam, dass der einstige Captain in diese Rolle geriet, bleibt weitgehend offen. Vielleicht sind einfach bereits unter Continis Vorgänger Zinnbauer zu viele Dinge passiert, die das Verhältnis dauerhaft störten. Und so dürfte Anghas Geschichte mit St. Gallen alsbald ein Ende nehmen, auch als Trainingsgast. Ein Spieler, der im Club schon alles war, Captain, Leader, aber auch Buhmann. Es ist nicht der erste Neuanfang, den Angha anstreben wird. Als bliebe er Suchender eines dauerhaften Glücks.