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"SCHANDE VON ISTANBUL": Alex Frei und seine 21 Minuten mit dem türkischen Zöllner

Heute Abend um 20.45 Uhr spielt die Schweiz gegen Nordirland in der Barrage um das Ticket zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland. An die letzte WM-Barrage vor zwölf Jahren hat die Schweiz zwiespältige Gedanken. Unser ehemaliger Sportchef war vor Ort und erinnert sich an die "Schande von Istanbul".
Markus Scherrer
Johann Vogel, Alex Frei and Tranquillo Barnetta flüchten nach dem Schlusspfiff in Istanbul in die Kabine. (Bild: Keystone)

Johann Vogel, Alex Frei and Tranquillo Barnetta flüchten nach dem Schlusspfiff in Istanbul in die Kabine. (Bild: Keystone)

Jetzt, da die Schweizer Fussballer vor einer entscheidenden Woche stehen und in der Barrage gegen Nordirland um einen Platz an der WM-Endrunde 2018 kämpfen, werden unweigerlich Erinnerungen an 2005, an den bis anhin letzten Barrage-Vergleich der Schweizer wach. Genauer gesagt an den 16. November 2005, den Tag, der auch heute noch als «Schande von Istanbul» in den Fussball-Geschichtsbüchern geführt wird. Die damalige «Schande» hatte dazu geführt, dass nach der Rückkehr aus Istanbul mein Lieblings-Kebabverkäufer in St. Gallen händeringend erklärte, es seien dann nicht alle Türken so. Mal ehrlich, in den Tagen rund um das und unmittelbar nach dem Barrage-Rückspiel zwischen der Türkei und der Schweiz im Sükrü-Saracoglu-Stadion waren am Bosporus ziemlich viele Türken «so». Das «so» würde ein hervorragend ausgebildeter Diplomat mit «wenig gastfreundlich» umschreiben. Wer aber auf Diplomatie pfeift, würde sagen: Was sich damals in der türkischen Metropole zugetragen hat, war unter jedem Hund.

Das Hinspiel in Bern hatten die Schweizer Fussballer mit 2:0 gewonnen. Mit dem Schlusspfiff begann der damalige türkische Nationaltrainer Fatih Termin mit seiner persönlichen «Vorbereitung» des Rückspiels. Es trug ihm danach nicht zu Unrecht den Übernamen «Brandstifter» ein. Mit dem Hinweis, während des Abspielens der türkischen Nationalhymne sei in Bern pausenlos gepfiffen worden, befeuerte er die Stimmung in der Heimat. Er tat dies derart erfolgreich, dass den Schweizer Fussballern ab dem Eintreffen in Istanbul nur noch Hass entgegenschlug. Beim Zoll mussten sich die Nationalspieler zusammen mit Journalisten, Fans und Reisenden in eine Schlange stellen. Alex Frei verbrachte 21 Minuten seines Lebens vor dem Schalter eines türkischen Zollbeamten. So lange blätterte sich dieser nämlich durch Freis Pass, ehe er ihn dann doch noch passieren liess. Das toppte einst nur noch Pa Modou Jagne, der mit dem FC St. Gallen in die Südtürkei ins Trainingslager reiste. Er verbrachte in Antalya über 30 Minuten in der Zollkontrolle. Das kann eben passieren, wenn ein türkischer Zöllner zum ersten Mal in seinem Leben einen gambischen Pass in seinen Händen hält.

In Istanbul ging nach Freis Zollkontrolle der respektlose Empfang weiter. Die Herausgabe des Gepäcks verzögerte sich derart, dass der Verdacht nahelag, die Koffer hätten eine Zusatzschlaufe nach Samsun ans Schwarze Meer gedreht. Derweil sangen türkische Flughafenangestellte Schlachtgesänge, hielten türkische Fans, denen freundlicherweise Zugang zur Gepäckausgabe gewährt worden war, Transparente in die Höhe. Darauf war zu lesen: «Welcome to Hell.» Oder: «Hurren Son Frei» – ein Türke hatte sich in Deutsch versucht. Während der Fahrt zum Hotel wurde der Bus der Schweizer Fussballer mit Eiern, Tomaten und Steinen beworfen. Auch die Schweizer Journalisten blieben von den Hasstiraden nicht verschont. Als ihr Car am Spieltag ans Stadion fuhr, wurde dieser ebenfalls mit Steinen beworfen.

Am Ende entlud sich alles mit dem Schlusspfiff. Johann Vogel muss in den letzten Minuten des Spiels, welches die Schweiz zwar mit 2:4 verlor, aber dank der Auswärtstoreregel die WM-Qualifikation schaffte, gespürt haben, was sich da gleich ereignen wird. Denn er verbrachte die Schlussminuten nur noch in der Nähe des Spie­lertunnels. Der Schlusspfiff, ein Sprint und Vogel war in der Garderobe. Das gelang den wenigsten der Schweizer Akteure. Sie wurden auf dem Feld von türkischen Spielern und auf dem Weg in die Kabine von Sicherheitskräften, Funktionären und Ersatzspielern angegriffen und verprügelt. Köbi Kuhn, der Nationaltrainer, wird später von einer «Verfolgung bis in die Kabine» sprechen. Es war die «Schande von Istanbul».

Die wichtigsten Szenen vom Spiel in der Zusammenfassung:

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