Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Schärfere Dopinggesetze auch in der Schweiz?

In der Schweiz wird der Eigengebrauch von Dopingmitteln im Gegensatz zu Deutschland und Österreich strafrechtlich nicht verfolgt – jetzt will die Politik diese Praxis zumindest hinterfragen.
Rainer Sommerhalder
Österreichische Polizisten an der Nordischen Ski-WM in Seefeld. (Bild Matthias Schrader/AP (27. Februar 2019))

Österreichische Polizisten an der Nordischen Ski-WM in Seefeld. (Bild Matthias Schrader/AP (27. Februar 2019))

Ende Februar 2019. Die österreichische Polizei platzt mitten in die Nordische Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld, verhaftet spektakulär fünf Athleten wenige Stunden vor ihrem Wettkampf und setzt sie in Untersuchungshaft. Innerhalb von 48 Stunden gestehen alle den Dopinggebrauch und nennen teilweise auch Helfer und Hintermänner. Möglich gemacht hat diesen Polizeieinsatz die Tatsache, dass Sportbetrug und damit das Verbot von Doping seit kurzem in Österreichs Strafgesetz verankert ist. Vergleichbar ist die Situation in Deutschland, wo seit drei Jahren das Anti-Doping-Gesetz gilt. Seither können Sportler wegen Dopings strafrechtlich verfolgt werden.

Wäre die Langlauf-WM in der Schweiz ausgetragen worden, hätte die Polizei keine Handhabe gegen die Athleten gehabt. Denn das Sportfördergesetz von 2012 stellt lediglich Handel und Abgabe von Dopingmitteln unter Strafe, nicht aber den Eigengebrauch. Der höchst erfolgreiche Schlag der deutschen und österreichischen Justiz gegen einen internationalen Dopingring lässt die berechtigte Frage zu, ob die Schweiz ihre Anti-Doping-Bestimmungen nicht ebenfalls verschärfen soll.

Bundesrat sah keinen Bedarf

Bereits vor einem Jahr stellte der Freiburger FDP-Nationalrat Jacques Bourgeois dem Bundesrat mittels Interpellation genau diese Frage. Er wies explizit auf die deutsche Gesetzgebung hin. Die Antwort war eindeutig: «Der Bundesrat ist der Auffassung, dass die bestehenden Rechtsgrundlagen ausreichen, um Doping in der Schweiz effizient zu bekämpfen. Bereits heute werden dopende Sportler durch das Sportsystem rigoros sanktioniert. Sanktionen führen bei Berufssportlern regelmässig zu einem faktischen Berufsverbot. Der Bundesrat sieht keinen Bedarf, weitere legislatorische Massnahmen zu treffen.» Diese Haltung stützt sich auch auf eine juristische Expertise von 1999, die zum Schluss kam, dass bei einem Dopingvergehen von Sporttreibenden in der Schweiz der Tatbestand des Betrugs nicht erfüllt ist. Seither wurden alle parlamentarischen Vorstösse mit der gleichen Begründung abgelehnt.

Sportpolitische Antworten des Bundesrates sind wesentlich vom Bundesamt für Sport geprägt. Dessen Direktor Matthias Remund sieht auch nach Seefeld keine Notwendigkeit, die Sichtweise zu überdenken.

«Das ist im Moment kein Thema. Wir wollen im Sport keinen Polizeistaat»,

sagt der Berner. Remund erklärt, dass die Schweiz eine ganz andere Kultur im Umgang mit Doping habe als andere Länder. «In der Schweiz haben wir eine klare Trennung der Verantwortlichkeiten. Es wird auch stärker auf das richtige Verhalten der Athleten hingearbeitet.» Remund ist der Meinung, dass das aktuelle Schweizer System funktioniere und man die richtigen Instrumente habe, um auf allen Ebenen gegen Doping vorzugehen. «Das Sportfördergesetz war der bestmögliche Konsens einer breiten Diskussion.»

Nicht alle sind der Ansicht, dass der Sport bei Doping selber für Ordnung sorgen kann. Die Deutsche Claudia Bokel, ehemalige Vorsitzende der Athletenkommission des IOC, sagt dazu: «Ich habe nichts dagegen, wenn betrügende Athleten auch strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Es darf nur nicht sein, dass am Schluss der Sportler im Gefängnis landet und die Hintermänner nicht.» Auch Schweizer Sportpolitiker sind nach den Vorfällen in Seefeld auf das Thema sensibilisiert. SP-Nationalrat Matthias Aebischer, Präsident der parlamentarischen Gruppe Sport, sagt:

«Seefeld hat gezeigt, dass der Bundesrat mit seiner Antwort auf die Interpellation falsch liegt. Der Dopingfall an der Langlauf-WM zeigt, dass man etwas dagegen tun kann, wenn die gesetzliche Grundlage besser ist.»

Aebischer kündigt an, dass er in der Sondersession des Parlaments im Mai die Köpfe mit anderen Sportpolitikern zusammenstecken und parteiübergreifend einen koordinierten neuen Vorstoss lancieren will.

Swiss-Olympic-Präsident will «gute Lösung finden»

Auf offene Ohren stösst Aebischer beim Aargauer FDP-Nationalrat und früheren Spitzensportler (militärischer Fünfkampf) Matthias Jauslin. Auch er hat vor einem Jahr die Interpellation unterzeichnet. «Es ist angebracht, diese Diskussion jetzt ernsthaft zu führen. Denn letztlich ist Doping Betrug und Betrug soll bestraft werden», sagt Jauslin. Und was meint Jürg Stahl, der SVP-Nationalrat und Präsident von Swiss Olympic? Die Sportverbände hielten bislang wenig davon, dopende Athleten strafrechtlich zu belangen. Andererseits hat auch Stahl die Interpellation von Bourgeois mitunterzeichnet. Er sagt: «Wir müssen eine gute Lösung suchen, unabhängig von aktuellen Ereignissen.» Dafür muss die Frage, ob es sinnvoll ist, betrügende Athleten zu kriminalisieren, um besser an die Hintermänner zu gelangen, auf das politische Parkett kommen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.