Scariones Koffer sind gepackt

Oscar Scarione hat bei Kasimpasa einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Er will morgen beim Istanbuler Verein das Training aufnehmen. Eine Einigung zwischen dem türkischen Erstligaclub und dem FC St. Gallen steht aber noch aus.

Thomas Werner
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Abschied aus St. Gallen: Oscar Scarione wird bei seiner Medienkonferenz von seinen Beratern Michele (links) und Renato Cedrola flankiert. (Bild: Urs Bucher)

Abschied aus St. Gallen: Oscar Scarione wird bei seiner Medienkonferenz von seinen Beratern Michele (links) und Renato Cedrola flankiert. (Bild: Urs Bucher)

FUSSBALL. Nach einem zweitägigen Besuch in Istanbul hat sich Oscar Scarione am Montag entschieden, das Vertragsangebot von Kasimpasa anzunehmen. «Ich habe mit Trainer Schota Arveladze gesprochen und sofort gespürt, dass er mich unbedingt haben will», sagte der bald 28jährige Argentinier gestern an einer von ihm einberufenen Medienkonferenz im St. Galler Hotel Einstein. Er sei überrascht gewesen, wie viel der Georgier über ihn gewusst habe. Er könne wie in St. Gallen auch beim Tabellensechsten der türkischen SüperLig seine Lieblingsposition einnehmen, «hinter der Sturmspitze und von zwei schnellen Flügeln flankiert». Sportlich scheint damit für den besten Torschützen der Super League bei seinem neuen Arbeitgeber alles zu stimmen.

Für späteres Leben vorsorgen

Nicht verhehlen wollte Scarione, dass auch die Aussicht auf ein deutlich höheres Einkommen zum Wechsel in die Türkei geführt habe. Er bringt Verständnis dafür auf, dass der FC St. Gallen mit seinen Vorstellungen «bei weitem» nicht mithalten konnte. Sein Herz hätte für St. Gallen gesprochen. Scarione will aber in seiner Profikarriere das spätere Leben seiner Familie in der Heimat Argentinien absichern. «Man muss mich verstehen, dass ich das phantastische Angebot von Kasimpasa nicht ausschlagen konnte.» Seine Frau Rocio habe ihn zum Wechsel ermuntert. Sie sei von der Idee, nach Istanbul zu ziehen, begeistert gewesen. Auch ihm hat es die Stadt angetan: «Sie ist fast wie Buenos Aires.» Dort hatte Scarione einst für die Boca Juniors gespielt. Damit wischt er auch Bedenken vom Tisch, das Leben in einer Millionenstadt könnte dem Familienmenschen Scarione nicht behagen.

Angebote seien aus ganz Europa, der Golfregion und Südamerika eingegangen, so Scarione und dessen Berater, die Brüder Michele und Renato Cedrola – ohne konkrete Namen zu nennen. Mit Kasimpasa habe er bei seinem Besuch aber einen aufstrebenden Club mit einer erstklassigen Infrastruktur kennengelernt, sagte Scarione. Hier sehe er auch Möglichkeiten sich sportlich noch weiterzuentwickeln. «Natürlich ist es eine Herausforderung», sagte er, «aber wenn ich nicht überzeugt wäre, mit dieser umgehen zu können, hätte ich St. Gallen nicht verlassen.» Wechsel und die damit verbundenen Risiken gehörten zum Beruf eines Fussballers, so Scarione. Eines steht für den stets bescheidenen Argentinier aber fest: «Der Wechsel zu Kasimpasa ist für mich ein sportlicher und wirtschaftlicher Aufstieg.»

Noch keine Einigung der Clubs

Scarione wird heute der Schweiz, in der er praktisch seine gesamte Profikarriere bestritten hat, den Rücken kehren und nach Istanbul fliegen. Morgen will er bereits das Training mit seinen neuen Teamkollegen bei Kasimpasa aufnehmen. Ob es dazu kommen wird, ist offen, denn die beiden Vereine hätten sich noch nicht geeinigt, sagte St. Gallens Medienchef Daniel Last gestern abend. Damit seien Scariones Auflösungsvertrag mit St. Gallen sowie sein Vertrag mit Kasimpasa noch nicht in Kraft. Rein aus versicherungstechnischen Gründen wäre damit ein Trainingsstart beim neuen Verein kaum möglich. Noch fehlten die Bankgarantien für die Ablösesumme, die auf drei Millionen Franken geschätzt wird.