Gastkommentar

Das Basketball-Märchen aus Winterthur

In der Schweiz fristet Basketball ein Schattendasein. Auch darum wurde das in Winterthur geschriebene Märchen kaum wahrgenommen, schreibt unsere Autorin.

Sarah Akanji
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Die Basketballerinnen des BC Winterthur halten die Feierlichkeiten nach ihrem Cupsieg mit einem Gruppen-Selfie fest.

Die Basketballerinnen des BC Winterthur halten die Feierlichkeiten nach ihrem Cupsieg mit einem Gruppen-Selfie fest. 

Bild: Keystone (2. Februar, Montreux)

Der 26. Januar 2020, der Todestag von Kobe Bryant und dessen Tochter Gianna Bryant. Zahlreiche Sportstars trauern um den Basketball- Superstar. Bryant ist eine der grössten Sportikonen der USA, er war Symbol für den American Dream – wenn du hart genug arbeitest, erreichst du alles!

Ich bin mir sicher, der Name Kobe Bryant ist auch in der Schweiz bekannt. Doch, wer er wirklich war, welche Rekorde er erzielte, wie seine Art Basketball zu spielen Tausende faszinierte und inspirierte, wissen in unserem Land bestimmt nicht viele. Ich frage mich:

Warum eigentlich hat Basketball so einen geringen Stellenwert bei uns?

Liebe Frau Leserin, lieber Herr Leser, wie viele Schweizer Basketballerinnen und Basketballer kennen Sie? Ich vermute, dass maximal zwei Namen ihre Gedanken durchqueren: jene von Thabo Sefolosha und Clint Capela. Folgefrage: Ist da auch jemand mit dabei, der oder die in der Schweiz spielt? Nein? Dann lassen Sie mich von einem Märchen erzählen – eines ohne Feen und Trolle.

Winterthur ist meine Heimatstadt. Pfadi Winterthur (Handball) gilt als Traditionsverein. Die Schützenwiese, wo der FC Winterthur spielt, ist über die Stadt hinaus bekannt. Doch in Winterthur gewann in den vergangenen Jahren ein neues Team an Aufmerksamkeit: die Basketballerinnen des BC Winterthur.

Das Team erzielt plötzlich Erfolg um Erfolg. Dies ist aussergewöhnlich für ein Basketballteam der Deutschschweiz. Denn in der Schweiz liegt die Hochburg des Basketballs in der Westschweiz. In der besten Liga, der Nationalliga, spielen nur zwei Teams aus der Deutschschweiz, eines aus dem Tessin – und sechs aus der Romandie. Bei den Männern ist das Bild noch extremer.

Innert 5 Jahren stieg der BC Winterthur von der regionalen 3. Liga in die Nationalliga A auf. 2015 ganz oben angekommen, etablierte sich das Team zuerst im Mittelfeld. 2018 folgt der Playoff-Halbfinal. Letztes Jahr der Playoff-Final. Und zwischendrin: die ersten Titel im Cup. Errungen gegen Elfic Fribourg – mittlerweile der Dauerrivale. Im 2017 siegte der BCW als erstes deutschschweizerisches Team überhaupt im Schweizercup – im 2019 gelang ihnen der Cupsieg erneut. Die Euphorie rund um den Verein ist riesig, die Siege in den Cupfinals sind spektakulär, die Spielerinnen überwältigt von den Emotionen – und ihrer eigenen Geschichte.

Doch wie kam es zu dieser Erfolgsgeschichte? Was steckt hinter dem Märchen? Eine, die den steilen Aufstieg miterlebt hat, ist Daniela Wettach. Sie erzählt: «Es war ein Mix aus sehr intensiven Trainings, viel Ausdauer, dem Glauben an unsere Stärken sowie die gegenseitige Unterstützung der Spielerinnen. Das Team und das Miteinander standen stets im Zentrum.»

Auch der Winterthurer Trainer Daniel Rasljic hat das Märchen durchwegs begleitet. Ganz der Teamplayer sagt er: «Wir generieren Aktionen füreinander und sind weniger auf die Stärken einzelner Athletin fixiert.» Wie auch Kobe Bryant verfolgen die Spielerinnen des BC Winterthur die Devise: Wer hart an sich arbeitet und an sich glaubt, kann alles erreichen. Mit ihrem Teamgedanken zeigen uns die Basketballerinnen des BC Winterthur diejenige Magie auf, nach welcher wir uns im Sport so sehnen und die uns den Sport so lieben lassen. Und lassen uns davon träumen, ob Märchen nicht doch wahr sein könnten.

Zur Person

Sarah Akanji
Sarah Akanji
Sarah Akanji, 26, ist Politikerin, darf sich auch als Historikerin bezeichnen, spielt Fussball im schönen Winterthur und outet sich als Taktik-Fan. Sie schreibt im Wechsel mit Steffi Buchli, Florence Schelling und Céline Feller jeden Samstag über die dringendsten Sportthemen.