SAISONSTART: Machtwechsel im Eiskanal

Die Olympischen Winterspiele werfen lange Schatten. Zunächst haben sich die Bobfahrer aber im Weltcup zu bewähren. Heute findet in Lake Placid in den USA das erste Rennen statt.

Daniel Good
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Daniel Good

Die Schweizer Bobfahrer sind eine Macht. Auch wenn die ganz grossen Zeiten mit den Olympiasiegern Erich Schärer und Gustav Weder vorbei sind. Schon 31 olympische Podestplätze holten die Schweizer im Eiskanal, den letzten vor knapp vier Jahren die Appenzeller Beat Hefti und Alex Baumann. Erfolgreicher waren nur die alpinen Skirennfahrer, denen wesentlich mehr Disziplinen zur Verfügung stehen.

Im anstehenden Olympiawinter kommt der Schweizer Trumpf aus dem Kanton Aargau. Rico Peter hat in der vergangenen Saison in der verbandsinternen Hierarchie der Schweizer den bald 40-jährigen Hefti überholt. Der 34-jährige Peter soll zum Abschluss der Weltcup-Saison im Februar in Pyeongchang den Schweizer Medaillenreigen an den Olympischen Spielen fortsetzen. Schon in der vergangenen Woche trainierte der Schweizer Leader auf der Olympiabahn. Zwölfmal brauste Peter unter den Augen des Schweizer Nationaltrainers Wolfgang Stampfer zu Tale, nachdem er im Februar bereits das erste Weltcuprennen in Pyeongchang auf dem zweiten Platz beendet hatte. Der Tiroler Stampfer hat Peter exzellentes Material bereitgestellt.

Ostschweizer Schub für den Teamleader

Der stärkste Hintermann in Peters Team ist der aus Stein kommende Baumann. Der 32-jährige ETH-Absolvent hat auf die vergangenen Saison hin von Hefti zu Peter gewechselt, um auch noch in einem olympischen Viererbobrennen zu reüssieren. In Südkorea wieder dabei in der Mannschaft Peters war der Thurgauer Fabio Badraun nach einem Rücktritt vom Rücktritt. Der 30-jährige Bauleiter aus Schlattingen hat Chancen, in Südkorea im besten Schweizer Viererbob zu starten. Damit wäre Badraun automatisch ein Medaillenkandidat.

Aber es wird nicht einfach für Badraun, den Sprung in Peters Viererbob zu schaffen. «Fünf Athleten haben das Potenzial, um einen Startplatz im ersten Schweizer Schlitten zu ergattern», sagt Badraun. Ausgemarcht wird vor Weihnachten auf der vereisten Startbahn in Cesana in Italien. Das letzte Wort hat Steuermann und Teamchef Peter.

Das erste internationale Rennen in dieser Saison kann Badraun erst im Januar bestreiten. Nachdem er sich nach dem Rücktritt vor anderthalb Jahren entschieden hat, wieder Spitzensport zu betreiben, muss er wegen des Dopingreglements eine Wartefrist von sechs Monaten in Kauf nehmen.

Neben Peters Mannschaft startet ab heute das Team von Steuermann Hefti an den Weltcuprennen in Nordamerika. Die Starts in Übersee könnten für Hefti im Vergleich zum verbandsinternen Rivalen Clemens Bracher zum entscheidenden Trumpf werden, um an den Olympischen Winterspielen in beiden Disziplinen starten zu können. Hefti kann bei der Selektion für Pyeongchang geltend machen, den Schweizer Verband unterstützt zu haben, indem er die Strapazen des Trips nach Übersee auf sich genommen hat. Die Olympia-Selektion der Bobfahrer erfolgt am 17. Januar.

Der Nationalrat im Weltcup

Bis Weihnachten macht der Weltcup an fünf Stationen Halt. Peter ist für alle Weltcuprennen bis zum Saisonende gesetzt. Der 30-jährige Emmentaler Bracher kommt – mit dem St. Galler Nationalrat Marcel Dobler als Hintermann – am 9. und 10. Dezember anstelle von Hefti in Winterberg zum Einsatz. Nach den Rennen in Deutschland entscheidet der Schweizer Verband, wer weiter im Weltcup fahren darf. Bracher startet am Samstag in Lillehammer in Norwegen im Europacup zur Saison. Er hatte früher Weltcup-Einsätze als Anschieber im Team von Hefti.

Hefti ist nicht nur wegen des Abgangs von Baumann in der Schweizer Hierarchie zurückgefallen. Peter ist in den vergangenen Jahren stärker geworden, derweil Heftis Versuch, adäquaten Ersatz für Baumann zu finden, fehlgeschlagen hat. Als Trost bleibt Hefti aber wohl die fünfte Olympia-Teilnahme seit dem Début 2002 in Salt Lake City. Mit vier olympischen Medaillen ist der frühere Anschieber einer der erfolgreichsten Olympioniken des Landes.