Saisonende in neuem Glanz

Am Weltcupfinal in Lenzerheide spielt das Wetter nicht mit. Trotzdem dürfen die Organisatoren um OK-Präsident Silvano Beltrametti mit einem Werbeeffekt von 50 Millionen Franken rechnen.

Patricia Loher/Lenzerheide
Merken
Drucken
Teilen
Fällt so viel Neuschnee wie heuer, hängen die Rennen an einem dünnen Faden: Helfer räumen in Lenzerheide die Zuschauertribüne frei. (Bild: ky/Arno Balzarini)

Fällt so viel Neuschnee wie heuer, hängen die Rennen an einem dünnen Faden: Helfer räumen in Lenzerheide die Zuschauertribüne frei. (Bild: ky/Arno Balzarini)

Ski alpin. In früheren Jahren wurde der Saisonabschluss im alpinen Skirennsport oft stiefmütterlich behandelt. Und weil dann jeweils schon der Frühling naht, fanden die letzten Rennen des Winters beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Doch in Lenzerheide erreichten die Organisatoren seit der ersten Austragung 2005 eine neue Dimension. Vor sechs Jahren fanden 18 000 Zuschauer den Weg ins Bündnerland, 2007 waren es bereits 31 000. In diesem Jahr besuchten 8500 Zuschauer zum Auftakt die beiden Abfahrten. An einem Mittwoch. Doch seit Donnerstag verläuft nicht mehr alles nach Plan. Nach den beiden Super-G fiel gestern auch der Riesenslalom der Männer dem Wetter zum Opfer. Über Nacht waren bis zu 25 Zentimeter Neuschnee gefallen. Nur dank eines Nachteinsatzes der freiwilligen Helfer und Angehörigen der Armee war es möglich, wenigstens den Slalom der Frauen auf der aufgeweichten Strecke noch durchzuführen. «Aber auch dieses Rennen hing an einem dünnen Faden», sagt Medienchef Reto Küng. Trotzdem kamen 6500 Zuschauer.

Kristallkugel für Ligety

Mit neun Rennen an fünf Tagen ist der Weltcupfinal der anspruchsvollste Ski-Anlass der Saison. Die Rennen können laut Reglement nicht verschoben, sondern müssen ersatzlos gestrichen werden. So ging die kleine Kristallkugel für den besten Riesenslalom-Fahrer der Saison kampflos an den Amerikaner Ted Ligety.

Trotz der Wetterkapriolen ist der Bündner Skiort bestrebt, diesen Grossanlass regelmässig auszutragen. Es geht dabei vor allem um Nachhaltigkeit. «Wir beweisen, dass wir über die Schneesportkompetenz verfügen, solch einen grossen Anlass durchzuführen», sagt OK-Präsident Silvano Beltrametti. 2013 findet der Saisonabschluss erneut in Lenzerheide statt. Trotzdem: Das Organisieren einer WM wurde noch nie in Betracht gezogen. Eine WM, sagt Küng, sei nochmals eine andere Dimension. Allein schon wegen des Weltcupfinals dürfen die Organisatoren aber mit einem Werbeeffekt von gegen 50 Millionen Franken rechnen. Lenzerheide ist in diesen Tagen in den wichtigsten Märkten omnipräsent. Die ARD beispielsweise verzeichnete am Abfahrtstag eine Million TV-Zuschauer. Das Budget des Grossanlasses beträgt 5,2 Millionen Franken. Es ist hauptsächlich gedeckt durch die Ticket-, TV- und Sponsoring-Einnahmen. Muss ein Rennen abgesagt und kann deshalb nicht am TV übertragen werden, ist das versichert.

Noch keine Bilanz

Zutritt zum exklusiven «Panorama-Club» in 15 Metern Höhe erhält der Zuschauer für 650 Franken pro Tag. Schon im Vorfeld war der «Panorama-Club» an drei von fünf Tagen ausverkauft. Und wer sich «nur» ein VIP-Package gesichert hatte, durfte trotz gestrichener Rennen mit dem Besuch von Fahrern wie Carlo Janka oder Didier Cuche rechnen. Trotzdem werden die Absagen in der Kasse wohl Spuren hinterlassen. Das OK gibt sich vorsichtig. Es sei zu früh, um eine Bilanz zu ziehen, sagt Küng. Noch stehen drei Wettkämpfe aus. Gestern, pünktlich zum Rennende, zeigte sich in Lenzerheide wieder die Sonne.