Saibene lobt Klose: "Eine Frage des Charakters"

FUSSBALL. Treten, tricksen, täuschen: Vielen Fussballern ist jedes Mittel recht, um zum Erfolg zu kommen. Starstürmer Miroslav Klose hat mit der Aufforderung an den Schiedsrichter, seinen eigenen Treffer zu annullieren, vorgemacht, dass es auch anders geht – sehr zur Freude von FC St.Gallen-Trainer Jeff Saibene.

Daniel Walt
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FC St.Gallen-Trainer Jeff Saibene ist von der Fairness von Miroslav Klose angetan. (Bild: Keystone)

FC St.Gallen-Trainer Jeff Saibene ist von der Fairness von Miroslav Klose angetan. (Bild: Keystone)

Es läuft die vierte Minute des Serie-A-Spiels zwischen Napoli und Lazio Rom. Miroslav Klose, deutscher Stürmer in Diensten des Hauptstadt-Clubs, erzielt das 1:0 für die Gäste. Weil ihm der Ball dabei aber an die Hand gesprungen ist, bittet er den Schiedsrichter, der den Treffer bereits gegeben hat, das Tor zu annullieren. Die Römer verlieren die Partie schliesslich mit 0:3. Trotzdem ist Klose der grosse Gewinner des Abends – die renommierte "Gazzetta dello Sport" schreibt: "Er ist in diesem kranken Fussball eine Anomalie."


(Quelle: www.youtube.com)

Elfmeter schwach geschossen
"Das war eine fantastische Geste von Miroslav Klose", lobt Jeff Saibene, Trainer des FC St.Gallen. Der Luxemburger hat auch gleich ein Beispiel dafür parat, wie es in einer vergleichbaren Situation oftmals läuft: Im entscheidenden Match für die Qualifikation zur WM 2010 nahm der Franzose Thierry Henry gegen Irland kurz vor Schluss die Hand zu Hilfe, bevor er den alles entscheidenden Pass spielte - und schwieg. Miroslav Kloses Fairness – einzigartig also im Millionen-Business Profifussball mit dem Erfolgsdruck, der auf den Teams lastet? Mitnichten, wie ein Blick in die Fussball-Geschichtsbücher zeigt. 1997 trat Liverpool-Stürmer Robbie Fowler im Match gegen Arsenal einen umstrittenen Elfmeter absichtlich schwach. Eine andere Methode, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun, wandten die Spieler von Leicester City 2007 im Ligapokal gegen Nottingham Forest an. Wegen des Herzinfarkts eines Spielers hatte der Match abgebrochen werden müssen. Zum Auftakt der Wiederholungspartie liessen die Leicester-Spieler einen Gegner unbehelligt durch ihre Abwehr spazieren. So war das Zwischenresultat von 0:1 wieder hergestellt, das zum Zeitpunkt des Abbruchs Gültigkeit gehabt hatte.


(Quelle: www.youtube.com)

Auch in unteren Ligen
In unteren Ligen aus der ganzen Welt finden sich weitere Beispiele von mustergültigem Verhalten von Fussballern. So forderte der Trainer von Barcelonas B-Auswahl seine Spieler auf, dem Gegner ein Tor zu schenken – sie hatten zuvor die Führung erzielt, als der gegnerische Goalie verletzt am Boden lag. Eine türkische Amateurmannschaft ihrerseits schoss absichtlich ein Eigentor - Auslöser: Nach einem Verletzungsunterbruch hatte ein Spieler den Ball fair zum Gegner zurückgespielt, dabei aber aus Versehen das Tor getroffen. Und im Iran entschied sich ein Spieler in aussichtsreichster Position, den Ball ins Aus zu dreschen, statt aufs Tor zu schiessen, weil der gegnerische Goalie am Boden lag.


(Quelle: www.youtube.com)

Zum zweiten Mal Klose
Stephan Häuselmann, Präsident des Ostschweizer Fussballverbandes, hat keine Kenntnis von vergleichbar spektakulären Aktionen in unteren Ostschweizer Ligen. "Das schliesst aber nicht aus, dass es schon zu solchen gekommen ist", hält er fest. Dass ein Spieler wie Miroslav Klose im Spitzenfussball Fairplay in dieser Art vorlebt, ist für Häuselmann mustergültig. Insbesondere auch deshalb, weil es nicht das erste Mal ist, dass Klose auf diese Art Schlagzeilen macht: Als er noch in der Bundesliga für Werder Bremen auf Torjagd ging, machte er den Schiedsrichter einmal auf einen zu seinen Gunsten ausgefallenen, aber falschen Penaltypfiff aufmerksam – der Referee nahm seinen Entscheid und die gelbe Karte für Kloses Gegenspieler daraufhin zurück. Für St.Gallen-Trainer Jeff Saibene, der im Ernstfall solches Verhalten auch in seiner eigenen Mannschaft begrüssen würde, steht fest: "Das Ganze hängt nicht mit der sportlichen Reputation zusammen, die sich ein Spieler bereits erworben hat, sondern ist eine Frage des Charakters." Das Beispiel Miroslav Klose zeige, dass man gleichzeitig ein begnadeter Fussballer und eine grosse Persönlichkeit sein könne, so Saibene.