RUGBY: Löwen bändigen Neuseeland

Die Auswahl der British and Irish Lions hat der neuseeländischen Nationalmannschaft in einer Länderspielserie über drei Partien ein Unentschieden abgerungen. Es ist ein Resultat historischen Ausmasses.

Ives Bruggmann
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Die Lions (in Rot) stellten Weltmeister Neuseeland vor einige Probleme. (Bilder: David Davies/KEY (Auckland, 8. Juli 2017))

Die Lions (in Rot) stellten Weltmeister Neuseeland vor einige Probleme. (Bilder: David Davies/KEY (Auckland, 8. Juli 2017))

Ives Bruggmann

Es war ein Bild, das man in der Welt des Sports selten zu Gesicht bekommt: Am Ende eines Wettkampfs stemmen die Captains beider Mannschaften den Pokal gemeinsam in die Höhe. Und so ist es dazu gekommen: In der letzten Partie der drei Länderspiele umfassenden Serie zwischen dem amtierenden Weltmeister Neuseeland und der Auswahl der British and Irish Lions (siehe Kasten) trennten sich die beiden Teams 15:15. Da zuvor beide Auswahlen je ein Spiel gewonnen hatten, endete auch die Serie unentschieden.

Auch wenn den Lions – eine Auswahl der besten Rugbyspieler der Verbände England, Wales, Schottland und Irland – am Ende der Sieg und damit der ganz grosse Erfolg verwehrt blieb, haben sie durch dieses Remis Historisches geschafft. Im Eden Park in Auckland, dem Rugby-Nationalstadion des dreifachen Weltmeisters, ist es seit 1994 niemandem mehr gelungen, nicht als Verlierer den Platz verlassen zu müssen. Und erst zum zweiten Mal in zwölf Anläufen haben die Lions eine Länderspielserie in Neuseeland nicht verloren. Wie selten ein Unentschieden bei der alle vier Jahre stattfindenden Lions-Tour ist, zeigt die Tatsache, dass es bislang erst einmal keinen Sieger einer Testspiel-Serie gab: 1955 in Südafrika.

Neuseeland seit langem wieder einmal gefordert

So verwunderte es auch nicht, dass Lions-Captain Sam Warburton nach dem Spiel ein wenig verwirrt war. «Ich war bereit für die Verlängerung», sagte er. Als er dann aber realisierte, dass sowohl die Partie als auch die Serie unentschieden endete, sagte er: «Wir wollten gewinnen, klar. Aber das Remis ist für uns dennoch ein Erfolg.» Zumal ihnen vor dem Turnier nicht viele Leute eine Chance gegeben hätten. Denn auf der anderen Seite stand niemand Geringeres als die seit Jahren beste Mannschaft der Welt, die zuletzt zweimal in Folge die WM dominiert hatte. In den vergangenen Jahren gelang es keinem Team auch nur annähernd, Neuseelands blitzschnelle und durchschlagskräftige Offensive in den Griff zu kriegen. Aber die bärenstarke Defensive der Lions stellte die «All Blacks» vor Probleme, die sie bis an ihr Limit drängten. Und so gab es laut Experten «in Sachen Intensität und Drama eines der grössten Rugby-Spiele der modernen Ära». Die englischen und irischen Anhänger trugen mit ihrem zahlreichen Erscheinen ihren Beitrag zum Spektakel bei. Nicht weniger als 20000 reisten für ihre Auswahl um die halbe Welt. «Ich weiss nicht, wo es das in der Welt des Sports gibt, dass so viele Auswärtsfans ihre Mannschaft am anderen Ende der Welt so zahlreich unterstützen», sagt Warburton und fügt hinzu: «Rugby ist der Gewinner.»

Farrell nutzt die Chancen eiskalt

Die Neuseeländer ihrerseits zollten dem hartnäckigen Gegner zwar Respekt, haderten aber auch mit einem strittigen Schiedsrichterentscheid kurz vor Schluss, der sie womöglich um den Sieg brachte. Zwei Mal gelang es den «All Blacks», das Ei in das gegnerische Malfeld zu tragen. Die Löwen hielten derweil mit ihrer Physis dagegen, und zwangen das Heimteam so zu Fouls. Die fälligen Penaltys verwertete der makellose Lions-Kicker Owen Farrell souverän. Auch beim letzten Kick drei Minuten vor Ende der Partie behielt er die Nerven – und schrieb damit Geschichte.