RUGBY: Den All Blacks auf den Fersen

Zwei Jahre vor der WM in Japan kristallisieren sich zwei Favoriten heraus. England ist auf dem besten Weg, die neuseeländische Dominanz ernsthaft zu gefährden.

Ives Bruggmann
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Englands Rugbyspieler haben in diesem Jahr Spuren hinterlassen. Sie gewannen neun von zehn Partien. (Bilder: Getty)

Englands Rugbyspieler haben in diesem Jahr Spuren hinterlassen. Sie gewannen neun von zehn Partien. (Bilder: Getty)

Ives Bruggmann

Noch vor zwei Jahren befand sich die stolze Rugby-Nation England im Tal der Tränen. An der Heim-WM waren die mit grossen Hoffnungen gestarteten Mitfavoriten bereits in der Vorrunde – nach einer Niederlage gegen den ­kleinen Nachbarn Wales – ausgeschieden. Es war der Tiefpunkt im Land des Erfinders dieser Sportart.

Diese Schmach veranlasste die Verantwortlichen des englischen Verbands dazu, neue Wege zu gehen. Sie installierten erstmals in der über 140-jährigen Geschichte der Auswahl einen ausländischen Cheftrainer. Die Wahl fiel auf den Australier Eddie ­Jones. Und sie scheint sich auszuzahlen. Denn in den zwei Jahren, in denen Jones England nun betreut, gewann das Team 22 von 23 Spielen. Zudem stellte es in dieser Zeit den Weltrekord von 18 Siegen in Serie ein. Nur Neuseeland schaffte dies ebenfalls.

«Wir wollen die Nummer eins sein»

Genau dieses Neuseeland ist der einzige Massstab für Jones’ England. Die All Blacks dominieren seit Jahren das Weltrugby. Als erstes Land überhaupt gelang den Kiwis 2015 die WM-Titelverteidigung. Auch an der nächsten WM in Japan 2019 gelten sie als haushohe Favoriten. Doch der australische Trainer gab bereits zu Beginn seiner Amtszeit das Ziel aus: «Am 2. November 2019 wollen wir die Nummer eins der Welt sein.» An diesem Datum ist der WM-Final in Japan. «Bis dahin ordnen wir alles diesem Ziel unter», sagte Jones.

Er hat bislang vieles richtig gemacht. So krempelte er die Verlierer-Mannschaft von 2015 zwar nicht komplett um, drehte aber scheinbar an den richtigen Stellschrauben. Er ernannte den nicht unumstrittenen Dylan Hartley zum Captain. Hartley seinerseits widerlegte all seine Kritiker, in- dem er nicht nur die Leistung seines Teams, sondern auch seine eigene stetig weiterentwickelte.

In der nun zu Ende gegangenen Herbst-Testspielserie unterstrichen die Engländer erneut ihre Ambitionen als erster Herausforderer Neuseelands. Alle drei Partien gegen Argentinien, Australien und Samoa gewannen sie souverän. Vor allem der höchste Sieg der Geschichte gegen die Weltnummer drei Australien hinterliess auch auf der Südhalbkugel Eindruck.

Auf dem Weg in die Weltklasse

Als Jones sein Amt antrat, sagte er noch, dass England keine Weltklassespieler besitze. Auch wenn er diese Aussage wohl bewusst getroffen hatte, um seine Spieler anzuspornen, so hat sich die Lage in der Zwischenzeit deutlich entschärft. An der offiziellen Wahl zum besten Rugbyspieler der Welt waren mit Maro Itoje und Owen Farrell zwei Engländer in der engsten Auswahl vertreten. Ausgezeichnet wurde zum zweiten Mal in Folge der neuseeländische Regisseur Beauden Barret. Der Dreh- und Angelpunkt der All Blacks verkörpert die Klasse seiner Mannschaft wie kein Zweiter. Dennoch wirkten die Neuseeländer zuletzt nicht mehr so unwiderstehlich wie zu ihren besten Zeiten. Auch, weil sie durch den Umbruch nach der WM 2015 auf einigen Positionen an Klasse einbüssten.

Zum Trainer des Jahres wurde übrigens Jones gewählt. Seine Siegesserie mit England sowie die Entwicklung seiner Spieler haben sich bis zum Rugby-Weltverband herumgesprochen. Doch es ist erst die Hälfte seiner Amtszeit um. Abgerechnet wird am 2. November 2019.