RÜCKRUNDENAUFTAKT: Fast ein Traumstart

Obwohl St. Gallen stark beginnt und Albian Ajeti die Ostschweizer in Führung bringt, reicht es in Vaduz einmal mehr nicht zum Sieg. Tranquillo Barnetta ist der auffälligste St. Galler.

Patricia Loher/Vaduz
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Nebst Tranquillo Barnetta der auffälligste St. Galler: Albian Ajeti, Torschütze zum 1:0. (Bild: Walter Bieri/KEY)

Nebst Tranquillo Barnetta der auffälligste St. Galler: Albian Ajeti, Torschütze zum 1:0. (Bild: Walter Bieri/KEY)

Patricia Loher/Vaduz

Es ging hoch zu und her in den vergangenen Tagen um Tranquillo Barnetta. Auf dem Höhepunkt des Rummels war der St. Galler gestern auch noch im Sportpanorama des Schweizer Fernsehens zu Gast. Und schon nach seinem ersten Spiel gegen Vaduz überhaupt sah sich Barnetta gezwungen, einem Millionenpublikum zu erklären, weshalb es den Ostschweizern auch im elften Anlauf in der Super League nicht gelungen ist, den Liechtensteiner Nachbarn zu besiegen.

Dabei hatten dem 31-Jährigen wenige Stunden zuvor nur Zentimeter gefehlt, um mit einem Traumeinstand im Gepäck nach Zürich-Leutschenbach zu fahren. Nach gut zehn Minuten hatte Barnetta innerhalb von 30 Sekunden zweimal den Pfosten getroffen. Die frühe Führung wäre für St. Gallen ein verdienter Lohn gewesen. Die Mannschaft legte zu Beginn einen tadellosen Auftritt auf das Parkett. Sie kombinierte präzise, drängte den Gegner während Minuten zurück und gewann fast alle Zweikämpfe. Es schien, als habe die Winterpause St. Gallens guter Form nichts anhaben können.

Jede Offensivaktion läuft über Barnetta

Barnetta spielte in dieser ersten Halbzeit den wichtigsten Part: Er war Antreiber, praktisch jede ­Offensivaktion lief über ihn. Den Führungstreffer in der 40. Minute leitete der Mittelfeldspieler mit einem seiner Vorstösse ein, zwar parierte vorerst Goalie Benjamin Siegrist, doch Albian Ajeti war zur Stelle. Es war für den 19-Jährigen im 13. Spiel für St. Gallen das sechste Tor. Der Stürmer gehörte nebst Barnetta zu St. Gallens Besten, weil er ebenfalls als guter Vorbereiter auffiel. Das Manko der Gäste in dieser ersten Halbzeit war die Chancenauswertung. Nebst Barnetta mit seinen Pfostentreffern und einem Kopfball ganz zu Beginn vergaben auch Roman Buess und Marco Aratore Möglichkeiten. Genau deshalb hätte St. Gallen nach der Pause nicht locker lassen dürfen. Nur sowohl Barnetta als auch Ajeti gelang es nicht, eine alte St. Galler Bekannte des vergangenen Jahres fernzuhalten: die Unkonstanz. Hätten die Ostschweizer die zweite Hälfte so begonnen wie die erste, wäre Vaduz chancenlos gewesen. Doch die Gäste wurden passiver, sie ermunterten den Gegner förmlich, nochmals Hoffnung zu schöpfen. Nach dem Wiederanpfiff vergaben die Liechtensteiner in der 47. und 64. Minute zwei Möglichkeiten, als sie ­jeweils an Daniel Lopar scheiterten. Für St. Gallen hätten diese Chancen Warnung genug sein sollen. Doch die Gäste wirkten nicht mehr so souverän wie in den ersten 30 Minuten, es schlichen sich Unsicherheiten ein. Als Karim Haggui in der 82. Minute gegen Moreno Costanzo zu wenig konsequent eingriff, war es schliesslich passiert. Es stand 1:1. So war die hektische Schlussphase hausgemacht. Hätte St. Gallen länger durchgezogen, wäre es kaum mehr derart in Bedrängnis geraten. Zwar verpasste Ajeti in der 66. Minute das 2:0, doch am Ende hätte auch Vaduz noch das glücklichere Team sein können. St. Gallens Trainer Joe Zinnbauer sagte, man habe eine positive erste Halbzeit gezeigt und Barnetta sei ein Klassespieler. «Nach der Pause wollten wir clever spielen. Das ist uns nicht gelungen.»