RÜCKLAGE: Der Charaktertest für die Schweiz

Für das Frauen-Nationalteam geht es heute ab 18 Uhr an der EM in den Niederlanden bereits im zweiten Spiel um alles oder nichts. Nach dem blamablen Auftritt beim 0:1 gegen Österreich muss sich die Auswahl gegen Island rehabilitieren.

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«Ein Sieg gegen Island ist ein Muss. Am besten mit ein paar Toren Unterschied.» Lia Wälti hatte bereits unmittelbar nach der Niederlage gegen Österreich gesagt, was Sache ist. Wollen die Schweizerinnen nicht vorzeitig den Traum vom Einzug in die K.o.-Phase der besten acht begraben, sind heute zwingend drei Punkte gefordert. Bei einer weiteren Niederlage droht der SFV-Auswahl bereits nach zwei Partien das Aus – noch vor dem Spiel gegen den Gruppenfavoriten Frankreich.

Einfacher als gegen Österreich wird die Aufgabe gegen Island nicht. Die Nordländerinnen zählen auf ein kampfstarkes Kollektiv, das beim 0:1 im Auftaktspiel gegen Frankreich eine Überraschung nur knapp verpasst hat. Island kann in den Niederlanden auf eine lautstarke Fangemeinde zählen. Vor einem Jahr an der EM der Männer in Frankreich hatten sich die Spieler und deren Anhänger in die Herzen Europas gespielt und gesungen. Ein ähnliches Sommermärchen sollen nun die Frauen in den Niederlanden schreiben.

Der EM-Viertelfinalist von 2013 hatte sich wie die Schweiz souverän für die Endrunde qualifiziert. Die einzige Niederlage resultierte erst zum Abschluss der Kampagne gegen Schottland. Trainer Freyr Alexandersson muss in den Niederlanden allerdings auf Dora Larusdottir und Margret Vidarsdottir, die isländische Rekordtorschützin, sowie deren Schwester und Verteidigerin Elisa verzichten. Die drei Teamstützen verpassen die EM aufgrund von Knieverletzungen.

Mit Harpa Thorsteinsdottir ist eine weitere Stürmerin noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Die 31-jährige Stürmerin sorgte für eine rührende Anekdote an dieser Endrunde, als sie nach der Partie gegen Frankreich mit ihrem Sohn Ymir durch die Mixed-Zone lief und Auskunft zum Spiel gab.

Schweiz nicht mehr der Favorit

Zu den Stars bei Island zählt Captain Sara Gunnarsdottir, die im Lager der Schweizerinnen bestens bekannt ist. Die Mittelfeldspielerin ist beim VfL Wolfsburg Teamkollegin von Lara Dickenmann, Vanessa Bernauer und Noelle Maritz. «Sie ist eine Leaderin und haut sich in jeden Ball rein», so Maritz. Gunnarsdottir steht symbolisch für die Spielweise der Isländerinnen. «Sie rennen und rennen und geben Volldampf», so Bernauer. «Sie sind mindestens so stark wie Österreich.«

Gegen Island bietet sich der SFV-Equipe die Chance zur Image-Korrektur. Bei ihrer EM-Premiere kamen die Schweizerinnen mit der für sie neuen Rolle des Favoriten überhaupt nicht zurecht. Sie agierten nervös und fehlerhaft. Gegen Island folgt nun der Charaktertest; das Team ist spielerisch, kämpferisch und mental gefordert. «Eigentlich haben wir nichts mehr zu verlieren», sagte Bernauer. Womöglich liegt den Schweizerinnen diese Rolle besser. (sda)