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RÜCKKEHR: Warten auf die grossen Sprünge

Neuer Trainer, gelüfteter Kopf, operiertes Fussgelenk: Mit veränderten Vorzeichen startet Giulia Steingruber in einen weiteren Karriereabschnitt. Fernziel ist Tokio 2020. Zunächst aber ist Geduld gefragt.
Ralf Streule, Magglingen
Giulia Steingruber: «Für mich war immer klar, dass ich nach der Pause wieder einsteigen will.» Mit dem rechten Fuss muss die Gossauerin weiterhin behutsam umgehen. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Giulia Steingruber: «Für mich war immer klar, dass ich nach der Pause wieder einsteigen will.» Mit dem rechten Fuss muss die Gossauerin weiterhin behutsam umgehen. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Ralf Streule, Magglingen

Wer zwei Monate lang unterwegs ist, neue Länder entdeckt und das Leben geniesst, kommt zuweilen auf neue Ideen. Und wohl wäre es für viele nicht überraschend gewesen, wenn Giulia Steingruber nach ihrer Australien- und Fidschi-Reise im Winter aus der Karrierepause ein Karrierenende gemacht hätte. Zumal sie in einer Sportwelt zu Hause ist, in der sie als 23-Jährige bei weitem nicht mehr zu den Jüngsten gehört. Zumal sie schon sehr viel erreicht hat. Und zumal das durchstrukturierte Training von ihr seit jeher viele Opfer fordert. Doch die Gossauerin, das macht sie am Medientreffen in Magglingen schnell klar, hat die Auszeit so genutzt, wie sie es angekündigt hatte: Um sich körperlich und mental zu erholen. Um den «Blues» loszuwerden, den sie im vergangenen Herbst verspürt hatte nach dem erreichten Ziel, dem Gewinn von Olympia-Bronze am Sprung. Und um nach der zweimonatigen Reise mit einer Freundin die längst fällige Operation des rechten Fussgelenks im Januar anzutreten. Das Aussenband wurde angenäht, Knochensplitter entfernt, Knorpel abgeschliffen. Noch immer läuft die Rehabilitationsphase. «Ich wusste immer, dass ich wieder einsteigen will», sagt die erfolgreichste Kunstturnerin des Landes. Und: «Ich nehme es in Kauf, dass ich auf die Zähne beissen muss. Ein Leben ohne Kunstturnen kann ich mir nicht vorstellen. – Noch nicht.»

Dynamik kehrt allmählich wieder zurück

Seit Februar steht die Gossauerin wieder in der Trainingshalle in Magglingen, der Basis der Turner des Schweizer Nationalteams. Nach der Operation stand zunächst nur Krafttraining für die Rumpfmuskulatur an. Und – als wiederentdecktes Erlebnis – «viel Muskelkater», wie sie mit einem Lächeln anfügt. Die ersten Teilübungen an Geräten kamen in den vergangenen Tagen und Wochen dazu. Vor allem am Stufenbarren, wo der Fuss wenig belastet wird. Und irgendwann kam es, das ersehnte Aha-Erlebnis, als aus trägen Bewegungen allmählich wieder dynamische wurden. «Mit mehr Schwung macht es definitiv wieder mehr Spass.» Auch wenn die Beweglichkeit im Fuss noch eingeschränkt ist.

Steingruber ist froh um den wieder gewonnenen Rhythmus und den durchstrukturierten Alltag. Es sei für sie nichts Aussergewöhnliches gewesen, wieder ins Training einzusteigen. Und gleichzeitig ihr Matura-Fernstudium wieder aufzunehmen. Zuversichtlich stimmt sie auch das Team um den neuen Nationaltrainer Fabien Martin, sagt Steingruber. Sie lobt die gute Kommunikation innerhalb des neuen Staffs, der es schaffe, alle Beteiligten mitzureissen. Die Zeit mit ihrem langjährigen Trainer Zoltan Jordanov, der sich im Winter vom Team verabschiedete, will sie aber nicht missen. «Wir haben uns bestens ergänzt», sagt sie. Doch sie sei anpassungsfähig – eine wichtige Eigenschaft im Spitzensport. Nun geht der Blick nach vorne. Nach den Sommerferien will sie wieder voll trainieren können, im September erste Wettkämpfe bestreiten – «damit ich weiss, wofür ich trainiere» – und im Oktober an der WM in Montreal antreten. «Mit welchem Programm, ist natürlich noch offen.»

«Kunstturner denken in olympischen Zyklen»

Als Fernziel nennt Steingruber die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. «Kunstturner denken in olympischen Zyklen», erklärt sie. Sie hofft, dann auch mit ihren jüngeren Kolleginnen im Teambewerb dabei sein zu können. «Ich habe noch mehr in mir drin», sagt die fünffache Europameisterin. Und wenn sie das tut, tönt es nicht nach leeren Worten.

«Eine andere Farbe wäre schön», sagt sie, mit Bezug auf die bronzene Olympia-Auszeichnung. Um dann, fast beschwichtigend, anzuhängen: «Das sind jetzt grosse Worte.»

Sie weiss: Noch ist der Weg dahin weit, und vieles kann in der Zwischenzeit passieren. Sie ist aber vom eigenen Potenzial überzeugt, vor allem am Boden und im Mehrkampf habe sie dieses noch nicht ausgeschöpft. Noch aber müsse sie sich zur Geduld zwingen. «Ich warte auf grünes Licht, bis ich wieder grössere Sprünge machen darf. Es kitzelt mich, wieder richtig anfangen zu können.»

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