RÜCKKEHR: Halbtags zurück auf der grossen Bühne

Vor sechs Jahren trat Patty Schnyder zurück. Sie hatte damals die Nase voll. Jetzt ruhen am Turnier in Gstaad alle Schweizer Hoffnungen auf den Schultern der 38-Jährigen, die einst die Nummer sieben der Welt war.

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Der Weg, wie Patty Schnyder zum Tennis zurückgefunden hat, ist erstaunlich: Anderthalb Jahre lang spielte sie nach dem Rücktritt überhaupt kein Tennis mehr. Dann verletzte sie sich beim Mountainbiken an der Schulter schwer. Mehr aus Neugier, ob sie nach der Verletzung überhaupt noch spielen könne, griff sie wieder zum Tennisschläger. Der Spass kehrte zurück. Erst wollte Schnyder aber ein Kind. Tochter Kim Ayla kam im November 2014 zur Welt. Danach wurde die Rückkehr, die im Sommer 2015 erfolgte, in Angriff genommen. «Nach der Schwangerschaft wollte ich um jeden Preis wieder fit werden. Sonst kann man ja gar nichts mehr machen. Und so versuchte ich es halt wieder gegen die Profis», erklärt Schnyder.

Über 40 Turniere spielte Schnyder in den vergangenen zwei Jahren – zuerst nur in Europa, dann in Tunesien, Japan, Brasilien, den USA, Dubai und China. Dennoch sagt Schnyder: «Ich führe kein Profileben – ganz und gar nicht.» Für sie ist Tennis ein 50-Prozent-Job; nur der Vormittag steht fürs Training zur Verfügung. «Und so ist es halt nicht einfach, im Ranking hochzukommen. Als Mama in meinem Alter ist das ein äusserst schwieriges Unterfangen.» Sie habe aber in den vergangenen zwei Jahren schon viele gute Partien gespielt. Daher sei sie überzeugt, dass sie an einigen Tagen besser spielen könne, als es ihr Ranking je wieder sein werde. Schnyder ergänzt: «Der Spass und die Leidenschaft, sich nochmals mit den Profis und den Besten messen zu wollen – das ist das, was dazu führt, dass ich zwischendurch so ein Spiel wie gegen Sadikovic gewinne.» Die Baselbieterin setzte sich in Gstaad gegen ihre zehn Jahre jüngere Landsfrau in der ersten Runde durch.

Als Analystin fürs Schweizer Fernsehen SRF schätzt Schnyder seit Jahren andere Spielerinnen ein. Da stellt sich die Frage, wie sie sich selber einschätzt. Spielt sie schon wieder so gut wie vor sechs Jahren? «Das glaube ich nicht. Und ich hoffe auch nicht, dass ich damals so schwach war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich gegen die Patty von 2011 eine Chance gehabt hätte.» Mit der Vergangenheit beschäftigt sich Schnyder ohnehin nicht. Generell werde sie immer weniger auf die Vergangenheit angesprochen, «weil die Leute mittlerweile wohl wissen, dass ich diese Fragen nicht beantworte».

Das Alter macht sich nach den Spielen bemerkbar

Dafür spricht Schnyder gerne über das Jetzt. Dass sie zwar zuweilen Altersbeschwerden habe, dass diese aber nach einem Tag Pause weg wären. Dass sie das Gefühl habe, in den vergangenen Jahren nichts an Schnelligkeit eingebüsst zu haben.

Für den heutigen Achtelfinal rechnet sich Schnyder Chancen aus. «Vor einem Jahr spielte ich in Stuttgart gegen Antonia Lottner und gewann 6:3, 6:1. Danach ist sie richtig durchgestartet.» (sda)