Rückkehr
«Es hat sich einfach richtig angefühlt»: Der Thurgauer Michael Lang spricht über seine Rückkehr zum FC Basel

Wenige Tage nach seiner Rückkehr spricht Michael Lang über die Gründe seines Wechsels, Probleme in seiner Zeit in Deutschland und seine Ziele mit dem FC Basel.

Céline Feller
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Drei Tage nach seiner Rückkehr gibt Michael Lang gegen Partizani sein Comeback. Jetzt will er wieder zur Stammkraft werden, die er vor drei Jahren schon war.

Drei Tage nach seiner Rückkehr gibt Michael Lang gegen Partizani sein Comeback. Jetzt will er wieder zur Stammkraft werden, die er vor drei Jahren schon war.

Bild: Fresh

Drei Jahre war er weg, jetzt ist Michael Lang wieder da. Bei dem Verein, bei dem er «die geilste Zeit meiner Karriere» erlebt hat, wie er sagt. Am Montag unterschrieb er für zwei Jahre mit Option auf ein weiteres. Am Donnerstag schon absolvierte er seine erste Minuten, wurde emotional empfangen und bejubelt von den Fans. Und am Freitag stellte sich der mittlerweile 30-Jährige im Rahmen einer Medienrunde ersten Fragen. Schnell wird klar: Die schwierige Zeit mit wenig Spielzeit bei Gladbach und im Leihjahr bei Werder Bremen konnten ihm und seinem fröhlichen Naturelle nichts anhaben. Und auch nicht seinem Ehrgeiz und seiner Eloquenz. In 40 Minuten sprach Lang ausführlich über ...

… den Zeitpunkt und die Umstände seines Wechsel:

«Schlussendlich ist es sehr, sehr schnell gegangen. Am letzten Samstag war ich noch im Trainingslager auf dem Weg zu einem Testspiel, bei dem ich damit rechnete, dass ich spiele. Natürlich wusste ich da schon, dass der FCB zu mir und meinem Berater einen ersten Kontakt aufgenommen hatte. Trotzdem weiss man ja nie, wie schnell es effektiv geht. Dann wurde am Samstag klar, dass der Transfer so gut wie fix war, einfach noch ohne Unterschrift und Medizincheck. Ich wollte, dass es so schnell wie möglich passiert. Dies vor allem mit dem Wissen, dass es in der Schweiz extrem früh los geht, mit dem Spiel vom Donnerstag und dem Ligastart am Sonntag. Ich habe dann gemerkt, dass Gladbach eher dachte, dass ich das Trainingslager noch mitmache und danach schaue. Da ich mir aber in den Tagen zuvor schon Gedanken gemacht hatte und den Transfer machen wollte, habe ich im Rahmen meiner Möglichkeiten etwas Druck ausgeübt. Gladbach wusste auch, dass ich mehr spielen will, dass ich dieses Verlangen immer verspürte und nicht einfach meinen Vertrag absitzen wollte, ohne gross zu Einsätzen zu kommen. Das haben sie verstanden. Dafür bin ich dankbar.»

… das, was er aus Deutschland mitnimmt:

«Ich habe sehr, sehr viele Erfahrungen gemacht. Vor allem, dass es brutal wichtig ist, dass der Trainer auf einen setzt. Dass er im besten Fall der Trainer ist, der einen holt. Ich nehme auch mit, dass es wichtig ist, dass man zum Teil die richtigen Entscheidungen trifft und dass man ab und zu mehr Geduld haben muss. Ich nehme aber auch noch mit, dass im Ausland keiner auf einen Schweizer Spieler wartet. Man muss sich noch mal neu beweisen. Schlussendlich waren es bei mir unterschiedlichste Faktoren, die nicht zusammengepasst haben. Trotzdem habe ich wertvolle Erfahrungen gesammelt, die mich nicht nur im Fussball, sondern auch als Mensch gestärkt haben.»

… das, was er fussballerisch gelernt hat:

«Wenn du erst mit 27 ins Ausland gehst, kannst und musst du nicht mehr viel dazu lernen. Man merkt aber, dass in Deutschland mehr Wert auf die Gegneranalyse und das eigene Spiel gelegt wird, dass es viel, viel mehr Vorgaben gibt, wenn man ins Spiel rein geht. Das kann auch mal zu viel sein im Kopf. Technisch sind wir in der Schweiz sehr gut ausgebildet. Ich hatte nie das Gefühl, nicht das nötige Level zu haben. Der Konkurrenzkampf ist aber brutal gross, dass wusste ich auch. Da ist es egal, wie viel man kostet. Man kann irgendwann kein Thema mehr sein. Manchmal weiss man wieso, manchmal nicht.»

... den Umgang damit, oft nicht gespielt zu haben:

«Ich bin kein Spieler, der jede Woche ins Trainerbüro rennt und fragt, was los ist. Es ist nie einfach zu akzeptieren, wenn man nicht spielt. Es ist wichtig, dass man einen Halt hat zu Hause, dass man weiss, dass es einem sonst wirklich gut geht. Ambitioniert war ich dennoch immer. Das bin ich auch jetzt noch. Daher konnte ich nie sagen, dass es komplett an mir vorbei geht. Auf der Bank zu sitzen, hat mich immer ein Stück weit hässig gemacht und gewurmt. Das habe ich versucht in die Trainings einzubringen. Genützt hat es nicht viel, vor allem im letzten Jahr. Es war dennoch ein Privileg, bei einem so grossen Verein unter Vertrag zu stehen.»

...die Probleme bei der Leihe nach Bremen:

«In Bremen war der Start sehr vielversprechend. Es lief gut. Aber dann bin ich aus unerklärlichen Gründen aus der Mannschaft gefallen. Es wurde auf jene Spieler gesetzt, mit denen der Trainer bereits ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hatte. Dann kam der Abstiegskampf dazu, dann wurde noch mehr Wert drauf gelegt, wer schon lange dabei ist auch über die Saison hinweg noch länger bleibt. Es ging mehr um Identifikation als um das Sportliche.»

... die Rolle, die er in Basel nach seiner Rückkehr ausfüllen soll:

«Ich bin ein Fussballer, der als Leistungsträger funktionieren will. Das ist meine Kernaufgabe. Der Mannschaft zu helfen, mit ihr erfolgreich zu sein. Dazu will ich auch mal den Jungen etwas an die Hand geben, mit ihnen reden und sie weiter bringen. Aber in erster Linie bin ich kein verkappter Co-Trainer, sondern Fussballer, der auf dem Platz stehen will. Und für den Verein ist es umso besser, wenn er Spieler holt, die wissen, wie der Verein funktioniert,welche Werte in und um den Verein gelebt werden und die diese weiter geben können. Denn jeder, der hier unter Vertrag steht, muss wissen, was es heisst, für den FCB aufzulaufen.»

… die aktuelle Qualität der Mannschaft des FC Basel:

«Wir haben eine hochtalentierte Mannschaft. Jeder kann kicken, jeder hat eine gute Technik. Wenn ich überlege, wie viele Eins-gegen-Eins-Spieler wir haben, dann haben wir den Meistertitel schon mit weniger Potenzial nach Basel geholt. Aber dafür hatten wir früher mehr Erfahrung und Spieler, die genau wussten, wie man Titel holt. Jetzt geht es darum, dass die Spieler, die im Ausland waren, den Jungen Mentalität einimpfen. Diese Mentalität, die ich in Deutschland kennen lernen durfte und die sicher auch etwas Neues ist. Das fällt vor allem bei den Spielern auf, die schon ein paar Bundesliga-Jahre in den Beinen haben. Die arbeiten immer, machen immer mehr. Ausserdem müssen wir wieder das Gefühl auf den Platz bringen, dass der FCB auch an einem schlechten Tag gewinnen kann. Und dass man wieder die Konstanz über eine komplette Saison hinbringt.»

...seine körperliche Verfassung:

«Ich fühle mich soweit gut, komme ja nicht aus einer Verletzung. Dass ich aber nicht bei 100 Prozent bin, ist klar. Das kann gar nicht sein. Ich habe nur zwei Wochen Vorbereitung und 45 Minuten Testspiel in den Beinen. Davor war ich fünf Wochen in den Ferien. Aber die Läufe sind drin im Tank. Jetzt geht es darum, über den Spiel-Rhythmus wieder zurück zur alten Form zu finden. Ich verspüre den Drang, loszulegen und so viele Spiele wie möglich zu machen.»

... seinen Empfang:

«Es ist schön, wenn man so empfangen wird. Ich habe mich riesig gefreut. Die ersten Tage waren ohnehin mit vielen positiven Erlebnissen gespickt.»

...seine Ziele mit dem FCB:

«So erfolgreich wie möglich zu sein, so viel wie möglich zu spielen, gute Spiele zu machen und wieder ein Leistungsträger wie vor dem Wechsel zu sein. Dazu möchte ich auch eine gewisse Anzahl Tore und Assists erreichen, haue aber keine Zahlen raus. Und das Erreichen der Conference-League-Gruppenphase ist sicher auch ein Ziel. Ebenso ein guter Start in die Super League, um auf eine Erfolgswelle zu kommen.»

... die Wahrnehmung des FCB in den vergangenen drei Jahren:

(lächelt)

«Es war sehr , sehr viel los. Es war nicht langweilig, den FCB zu verfolgen. Das macht den Klub aber auch aus. Jeder schreibt darüber, der FCB ist Thema Nummer 1 im Schweizer Fussball. Das ist eigentlich schön. Und man darf nicht vergessen, dass der FCB zwei Mal Vizemeister wurde und den Viertelfinal in der Europa League erreicht hat. Es war also nicht so, dass man drei Jahre nur gegen den Abstieg gespielt hat. Dass die Erwartungen aber fast ins Unermessliche gestiegen waren, wussten wir nach den Erfolgen in der Vergangenheit. Jetzt hoffen wir aber alle, dass es irgendwann wieder einen Machtwechsel geben wird. Früher galt es da zu sein, wenn der FCB schwächelt. Jetzt wollen wir da sein, sollte YB eine Schwächephase treffen.»

... weitere Transferoptionen, die er hatte:

«Ich war offen, nicht nur für einen Wechsel in die Schweiz. Es war auch vor dem Wechsel nach Gladbach nicht so, dass es unbedingt die Bundesliga sein musste. Aber vom Zeitpunkt und dem Verein her hat es mit der Rückkehr zum FC Basel gepasst. Es hat sich einfach richtig angefühlt.»

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