RÜCKBLICK: Es braucht einen Neuanfang

Der FC Wil hat die schlechteste Challenge-League-Saison seiner Geschichte gespielt. In der Führung des Clubs ist man froh, nicht noch mehr Schaden erlitten zu haben. Nun wird eine neue Mannschaft aufgebaut.

Simon Dudle
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Fünf Trainer standen beim FC Wil in dieser Saison an der Seitenlinie, zuletzt Maurizio Jacobacci. Wer folgt auf ihn? (Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus)

Fünf Trainer standen beim FC Wil in dieser Saison an der Seitenlinie, zuletzt Maurizio Jacobacci. Wer folgt auf ihn? (Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus)

Simon Dudle

Die grösste Überraschung ist, dass sich der FC Wil auf eine nächste Saison in der zweithöchsten Spielklasse vorbereiten darf. Im Februar und März hatte nach dem abrupten Abgang der türkischen Investoren kaum jemand daran geglaubt, dass der Club eine Zukunft hat. Jeder andere Verein des Schweizer Fussballs, der in einer ähnlichen Lage war, ging Konkurs oder musste zumindest absteigen. «Das war eine Meisterleistung der ganzen Task Force mit Christian Meuli, Maurice Weber, Manfred Raschle, Mischa Sammer und mir», sagt Verwaltungsratspräsident Roger Bigger. «Wir waren ein Team. Das war auf dem Feld leider nicht so.»

Tatsächlich präsentierte sich die Mannschaft lange wie ein Absteiger. Während 19 Spielen blieb sie ohne Sieg. Mit 34 Punkten sind so wenige auf dem Konto wie noch nie seit dem Abstieg aus der Super League vor 13 Jahren. «Es wäre mehr möglich gewesen. Die Mannschaft war aber zu heterogen. Es gab zu viele Häuptlinge, aber keinen Leader», sagt Bigger. Aus seiner Sicht braucht es einen neuen Geist. Der Umbruch begann am Samstagabend, als mit Captain Steven Deana, Arnaud Bühler, Frano Mlinar, Samir Fazli und Erhan Yilmaz fünf Spieler verabschiedet wurden. Auch Nduka Ozokwo dürfte den Verein verlassen. «Es laufen weitere Gespräche», sagt Bigger.

Aus finanziellen Gründen kein Sportchef

Schon bald soll der neue Trainer vorgestellt werden. Namen wie Ciriaco Sforza, Boris Smiljanic und Daniel Tarone geistern durchs Bergholz. Der Trainer wird Teil der Sportkommission sein, welcher neben Bigger auch Meuli und Weber angehören. Auf einen Sportchef wird aus finanziellen Gründen verzichtet.

Das Ziel ist laut Bigger, eine «erfahrene Achse» zu stellen. Diese soll aus Spielern bestehen, die im Ausland beziehungsweise der Super League gespielt haben oder viel Erfahrung aus der Challenge League mitbringen. Mit Marko Muslin wurde vergangene Woche ein erster solcher Akteur verpflichtet. «Wir brauchen die Siegermentalität. Jeder muss für jeden gehen. Die Bevölkerung muss wieder stolz sein können auf den FC Wil», sagt Bigger.

Ein konkretes Ziel für die nächste Saison will der Präsident noch nicht nennen. Mit einem Budget von rund 2,5 Millionen Franken wird Wil aber zu jenen Vereinen zählen, welche sich in erster Linie damit zu befassen haben, nicht in den Sog des Abstiegs zu geraten. Zumal Aufsteiger Rapperswil-Jona voraussichtlich deutlich mehr als Kanonenfutter sein wird. Bereits in knapp zwei Wochen startet der FC Wil am 19. Juni in die Vorbereitungsphase. Saisonstart ist zwischen dem 22. und dem 24. Juli.