Rückblick

Als Bundesrat Furgler vor 35 Jahren die Handball-WM in St.Gallen eröffnete

Am Mittwoch beginnt in Kairo die 27. Handball-WM. 1986 fand die WM-Eröffnungsfeier in St.Gallen statt. In der damals modernsten Halle im Land.

Daniel Good
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Bundesrat Kurt Furgler eröffnet in St. Gallen die WM 1986.

Bundesrat Kurt Furgler eröffnet in St. Gallen die WM 1986.

Bild: KEY

Die Ränge sind leer im 16000 Zuschauer fassenden «Cairo Stadium Indoor Halls Complex», wo die Eröffnungsfeier vor der aktuellen WM auf dem Programm steht. Die Coronapandemie wirft einen grossen Schatten auf die WM in Ägypten, die am Mittwoch beginnt.

Wesentlich aufgeräumter war die Stimmung vor 35 Jahren, als in der Kreuzbleiche die 11. Handball-WM eröffnet wurde. «Es war ein Riesenerlebnis», sagt Peter Jehle, der 1986 die Schweizer als Captain anführte.

Der Schweizer Captain Peter Jehle (links, Nummer 14) im Spiel gegen die Spanier. Die Schweizer erreichten in St. Gallen ein Unentschieden.

Der Schweizer Captain Peter Jehle (links, Nummer 14) im Spiel gegen die Spanier. Die Schweizer erreichten in St. Gallen ein Unentschieden.

Bild: KEY

St.Gallen war damals die Handballhochburg im Land. St.Otmar feierte Erfolg um Erfolg – auch auf internationaler Ebene. Die im Oktober 1984 eröffnete Sporthalle in der Kreuzbleiche war mit 3500 bis 4000 Zuschauern immer gut besucht, wenn Spitzenhandball auf dem Programm stand.

Eine Impression von der WM-Eröffnungsfeier 1986

Eine Impression von der WM-Eröffnungsfeier 1986

Bild: KEY

So wurde die WM in der Schweiz nicht etwa in Zürich oder Basel – die ebenfalls Spielorte waren – eröffnet, sondern in der Ostschweiz.

Ein Empfang wie für Staatsgäste

Die Ansprache an der Eröffnungszeremonie hielt der damalige Bundesrat Kurt Furgler. Ein Handballfan, Gründer, Spieler und Trainer des TSV St. Otmar. Als die St.Galler 1982 Meister wurden, lud Furgler die Mannschaft auf den Landsitz Lohn ein, die Residenz des Bundesrates. Normalerweise werden dort Staatsgäste aus dem Ausland empfangen.

Furgler war mächtig, aber auf die Auslosung hatte auch er keinen Einfluss. Captain Jehle spricht heute noch von einer «Mördergruppe, die wir vorgesetzt bekamen. Als Veranstalter hätten wir ein günstigeres Los verdient».

Gegen Polen gewannen die Schweizer 18:17

Gegen Polen gewannen die Schweizer 18:17

Bild: KEY

Vor den Augen Furglers rangen die Schweizer den Spaniern ein Unentschieden ab. Auch dank fünf Toren des heute 63-jährigen Jehles, der an der Heim-WM seinen letzten internationalen Auftritt hatte, bezwangen sie wieder in St.Gallen Polen 18:17.

Auch ein Thurgauer war mit von der Partie

Damit qualifizierten sich die Schweizer für die Hauptrunde, in der sie sieglos blieben. Sie landeten schliesslich auf dem elften Schlussrang.

Neben Jehle stand mit dem Arboner Norwin Platzer, ebenfalls ein ehemaliger Spieler St.Otmars, ein weiterer Ostschweizer in der WM-Mannschaft von 1986.

Heute käme St.Gallen nicht mehr in die Kränze

Vor bald zehn Jahren gehörte die Schweiz zu einer Gruppe von Ländern, die Interesse an der Organisation der WM 2021 hatten. Falls sie den Zuschlag erhalten hätte, wäre es in der Kreuzbleiche aber wohl zu keinen WM-Spielen gekommen. Mittlerweile gibt es modernere Arenen im Land. Die einst hochgelobte Kreuzbleiche sieht immer noch aus wie vor 35 Jahren.