ROUTINIER: Vollgas bis zur Pension

Eishockeyprofi Mathias Seger bestreitet ab heute sein zweitletztes NLA-Playoff. Dass er mit fast 40 Jahren nochmals einen Vertrag bei den ZSC Lions bekommen hat, findet er nur normal.

Matthias Hafen, Zürich
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Keine Abnützungserscheinungen: Wenn Captain Mathias Seger (links) seinen Mitspielern etwas zu sagen hat, hören sie noch immer zu. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Keine Abnützungserscheinungen: Wenn Captain Mathias Seger (links) seinen Mitspielern etwas zu sagen hat, hören sie noch immer zu. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Matthias Hafen, Zürich

Das Alter hat Mathias Seger verändert. Früher sprach der Flawiler Eishockeyprofi vor einem Interview immer zuerst über den FC St. Gallen. Heute sind die Einschulung seiner Kinder und die Veränderung des Zürcher Stadtteils Oerlikon das Small-Talk-Thema Nummer eins. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass Segers Lieblingsmannschaft nach dem 0:1 gegen den FC Lugano an Aufwind verloren hat. In erster Linie ist es wohl aber ein Zeichen für Segers neue Sicht der Dinge. Beim Captain der ZSC Lions sind mit 39 Jahren auch andere Themen wichtig geworden.

Geblieben ist Segers Souplesse, das Eishockey und den Sport im Allgemeinen als Lebensphilosophie zu betrachten. So entstand ein Gespräch, das weit über die Schlagwörter «Rentenvertrag» und «Abschiedsgeschenk» hinausging.

«Jeder nimmt jemandem den Platz weg»

Nur vier Tage vor Beginn der Viertelfinalserie gegen Lugano heute Abend verlängerten die ZSC Lions den Vertrag mit Verteidiger Seger um ein weiteres Jahr. Der Rekordnationalspieler wird also auch mit 40 Jahren in der NLA spielen, dann in seinem 19. aufeinanderfolgenden Jahr beim Zürcher Stadtclub. Daraufhin wurde der allseits beliebte Ostschweizer erstmals von einer leisen Kritik umgeben. Im Zürcher Blätterwald warf man ihm beziehungsweise dem Club vor, quasi einem jüngeren Spieler den Platz wegzunehmen. Eine Kritik, die Seger nicht nachvollziehen kann. «Wenn du spielst, nimmst du immer jemandem den Platz weg. Jeder nimmt dann jemandem den Platz weg.» Eine Leistungskultur zeichne sich doch gerade dadurch aus, dass sich die jungen Spieler gegenüber den gestandenen durchsetzen müssten.

«Es darf nicht sein, dass ich nur wegen meines Namens spiele», sagt Seger. «Wenn ich die Leistung nicht mehr bringe, dann habe ich auch nichts mehr verloren auf dem Eis. Aber ich habe diese Saison bewiesen, dass ich meine neue Rolle ernst nehme und sie auch erfülle.» Eine Rolle, die Seger vermehrt in den hinteren Linien vorsieht und ihm dementsprechend weniger Eiszeit verspricht. «Es gibt Spieler, die haben es in ihrer Karriere nie über die dritte Linie hinausgeschafft und trotzdem einen super Job gemacht. Erfolgreiche Mannschaften waren immer auch auf solche Spieler angewiesen. Ich sehe nicht ein, weshalb ich das nicht auch tun kann.»

Nötig hätte es der WM-Silbermedaillengewinner von 2013 längst nicht mehr. Aber Seger treibt die gleiche Leidenschaft an wie Roger Federer. «Wieso soll ich aufhören? Ich habe den schönsten Job, den es gibt, und er bereitet mir noch immer grossen Spass.» Er freue sich auf das anstehende Playoff gegen Lugano wie auf sein erstes in der NLA. «Ich gehe raus und spiele das Spiel, das ich als Kind schon immer am liebsten gespielt habe.»

Eigentlich der beste Seger aller Zeiten

Natürlich habe er sich auch schon gefragt, ob er einer von diesen sei, die nicht loslassen könnten. «Aber das ist es nicht. Es freut mich sehr, dass ich noch ein Jahr anhängen kann. Danach ist gut.»

Obwohl ihm der Ruf vorauseilt, sehr wichtig für die Stimmung in der Kabine zu sein, ist Seger überzeugt, dass er den ZSC Lions auf dem Eis am meisten helfen kann. Auch körperlich fühle er sich der Herausforderung noch gewachsen. «Mit 39 Jahren gehe ich vielleicht etwas früher zum Physiotherapeuten, um einer Verletzung möglichst gut vorzubeugen. Doch grundsätzlich bin ich fit.»

Dann bringt Seger ein interessantes Gedankenspiel aufs Tapet: «Die Leistungskurve im Schweizer Eishockey ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. So muss sich auch meine persönliche Kurve entwickelt haben, sonst wäre ich ja von Anfang an der Beste gewesen. Überlegt man sich das mal, dann bin ich heute der bessere Seger als noch vor ein paar Jahren.»