RORSCHACHER IN ITALIEN: Glutenfrei im Pastaland

Weil Daniel Pavlovic lange verletzt war, ist er froh, wenn er bei Sampdoria Genua wieder im Kader steht. Vieles hat sich für den 28jährigen Rorschacher seit dem Wechsel zum italienischen Traditionsclub geändert.

Christian Brägger
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Daniel Pavlovic: «Der Zeitpunkt der Verletzung war dumm, weil es mir lief.» (Bild: Gribaudi/Imago)

Daniel Pavlovic: «Der Zeitpunkt der Verletzung war dumm, weil es mir lief.» (Bild: Gribaudi/Imago)

Christian Brägger

Daniel Pavlovics Kontrastprogramm könnte intensiver nicht sein. Der Rorschacher läuft in der Serie A nicht wie in der Vorsaison für den kleinen Aufsteiger Frosinone auf, sondern für den Traditionsclub Sampdoria Genua. Also mindestens 20 000 statt 7000 Zuschauer an den Heimspielen. Und natürlich wohnt der Fussballprofi nicht mehr im beschaulichen Ort mit den knapp 50 000 Einwohnern, der eine Stunde entfernt ist von Rom. Sondern in der grossen Hafenstadt Genua, wo fast eine Million Menschen leben. Ebenfalls hat sich das Format der Mitspieler geändert, Antonio Cassano, Italiens «enfant terri­ble», gehört zum Kader der Genuesen; selbst wenn der suspendierte Stürmer alleine trainiert und wohl kaum je mehr für die Sampdoria auflaufen wird.

Überdies hat Pavlovic die Ernährung umgestellt, seit vier Jahren isst er glutenfrei. Nicht weil er muss, sondern weil er will, nachdem ein Ernährungsspezialist ihm dazu geraten hat. Pavlovic sagt, er leide nicht an Zölliakie, doch seien bei ihm die massgebenden Werte erhöht gewesen. Glutenfrei zum Wohlbefinden also, das ausgerechnet im Pasta-Land, dazu ein Beruf, für welchen er eigentlich täglich Teigwaren zu sich nehmen sollte. Doch der Körper ist Pavlovics Kapital, da tut man alles, um sich besser, leichter zu fühlen. «Normale Pasta macht müde und bläht auf. Also gibt es nun halt zum Frühstück Prosciutto auf Reiswaffeln. Und die glutenfreien Teigwaren schmecken auch nicht mehr so schaurig wie früher.»

Pavlovic Stammspieler zu Beginn der Saison

Mit Frosinone, das Pavlovic im Sommer 2015 leihweise von den Grasshoppers übernommen hatte, stieg er in diesem Frühjahr ab. Alles schien auf eine Rückkehr zu den Zürchern hinauszulaufen, zumal dort sein Vertrag für weitere drei Jahre galt. «Mein Ziel war es, in der ­Serie A zu bleiben. Es hat mir in Italien zu gut ge­fallen.» Weil die Leistungen trotz des Abstiegs ansprechend waren und die Berater Arber Sakiri und Erdin Shaqiri gut verhandelten, schlug Sampdoria zu und bezahlte eine Ablöse in unbestimmter Höhe. Und Pavlovic schlug ein.

In den ersten drei Meisterschaftsspielen stand der Schweizer mit bosnischen und kroatischen Wurzeln stets in der Startformation, die Kritiken waren gut. Während der Partie bei der AS Roma dann der Rückschlag, Schmerzen im linken Knie zwangen Pavlovic in der Halbzeit zur Kapitulation. «Ich hatte länger schon Probleme mit dem Knie, nahm Entzündungshemmer sowie Schmerzmittel. Doch in jenem Spiel wurde es unerträglich», sagt er. Mitte September war das, seither spielte Pavlovic nie mehr. Stattdessen gab es für ihn fast nur noch hartes Brot zu essen – im übertragenen Sinn. «Verletzungen gehören zu unserem Beruf. Der Zeitpunkt war einfach dumm, weil es mir lief.»

In Rom liess sich Pavlovic in einem arthroskopischen Eingriff das Knie «reinigen», der Meniskus wurde stabilisiert. Was danach folgte, war der harte Alltag der Reha-Arbeit. Fast zwei Monate lang. Abends sei er jeweils völlig erschöpft ins Bett gefallen, um sich zu erholen. Stadt und Leute habe er deswegen kaum kennen gelernt, es fehlte schlichtweg die Zeit. «Ich lebe eher zurückgezogen in meinem kleinen Häuschen.» Dafür sei er ruhiger geworden, das «dopo, dopo» der Italiener, wenn beispielsweise ­etwas repariert werden müsse, nerve ihn nicht mehr.

Vermutlich für Bosnien

Erst seit der Vorwoche ist Pavlovic voll in den Trainingsbetrieb zurückgekehrt. Er hofft, auswärts gegen das zehntklassierte Chievo Verona erstmals wieder im Kader des Tabellenelften zu stehen. Der Trainer Marco Giampaolo, ein Tessiner, rede wenig mit einzelnen Spielern, mehr mit dem ganzen Team. «Wir müssen uns auch nicht gross unterhalten. Ich will einfach wieder spielen.» Dafür sei der Kontakt mit dem bosnischen Nationaltrainer rege. Es könnte passieren, dass er sich für das Land entscheidet. «Das Nationalteam ist immer das Ziel eines Fussballers», sagt Pavlovic.