Ronaldo droht Gefängnis wegen Steuerbetrugs

Ralph Schulze, Madrid
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Steuern Seit Monaten sitzt ihm die Steuerfahndung im Nacken. Die Ermittler des spanischen Finanzamtes fanden dabei offenbar genug Material für eine formelle Beschuldigung Cristiano Ronaldos. Nun schaltete der Fiskus die Madrider Staatsanwaltschaft ein, die gegen den Weltfussballer Klage wegen millionenschweren Steuerbetrugs erhob. Bei einer Verurteilung drohen dem Superstürmer bis zu fünf Jahre Gefängnis. Die Anklagebehörde in Madrid teilte mit, dass der 32-jährige Portugiese beschuldigt wird, zwischen 2011 und 2014 rund 14,8 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Dabei geht es um Einnahmen aus Bild- und Werberechten, die Ronaldo mit Hilfe von Briefkastenfirmen am Finanzamt vorbei in Steuerparadiese geleitet haben soll.

Die Staatsanwaltschaft stützt sich in ihrer Anklage auf den Fall von Barcelonas Lionel Messi, der wegen ähnlicher Vorwürfe im vergangenen Jahr zu 21 Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Eine Strafe, die aber kürzlich vom Obersten Gerichtshof Spaniens bestätigt wurde. Beim 29-jährigen Messi war die Betrugssumme deutlich geringer als bei Ronaldo, er wurde wegen Hinterziehung von 4,1 Millionen Euro verurteilt; seine Gefängnisstrafe wird vermutlich zur Bewährung ausgesetzt werden.

Ein Netz von Offshore-Firmen

Bei Ronaldo stiessen die Fahnder nun auf ein Netz von Offshore-Firmen, die auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik und in Irland beheimatet waren und über welche Ronaldos Einnahmen aus Bildrechten flossen. Diese Konstruktion, glaubt die Staatsanwaltschaft, «diente nur der Abschirmung, um die Einnahmen aus den Bildrechten vor dem Finanzamt zu verbergen». Die Anklage bestätigt im Kern jene Dokumente, die mehrere europäische Medien Ende 2016 veröffentlichten. Demzufolge soll Ronaldo allein von 2009 bis 2015 über 100 Millionen Euro an Bild- und Werbegeldern in Steueroasen geleitet haben. Diese Steuerdokumente stammten von der Enthüllungsplattform Football Leaks, die vertrauliche Daten und E-Mails zu Geldflüssen im Fussball sammelt.

Bisher äusserte sich Ronaldo nicht zu den Vorwürfen. Von Ronaldos Anwälten verlautete derweil vor kurzen, dass bei dem Spitzenkicker «keine Betrugsabsicht» vorgelegen habe. Vielmehr gebe es «Unstimmigkeiten» mit dem Finanzamt über die steuerliche Bewertung von Einnahmen aus Bild- und Werberechten. Dabei spielt offenbar auch ein Streit um die Auslegung des inzwischen abgeschafften «Beckham-Gesetzes» eine Rolle, das früher ausländischen Fussballstars einen dicken Steuerrabatt zugestand. Das Gesetz war von 2005 bis 2010 in Kraft. Die Steuernorm war massgeschneidert für Spaniens internationale Fussballstars, die ihre inländischen Einkünfte nur mit einem niedrigen Satz von 24 Prozent versteuern mussten und nicht zum damals für Spitzenverdiener üblichen Maximalsatz von 48 Prozent.

Ralph Schulze, Madrid