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ROLLSTUHL-CURLING: Goldacherin vor den Paralympics: "Glückssteine gibt es nicht mehr"

Claudia Hüttenmoser und ihre Teamkollegen überlassen nichts dem Zufall. Um an den Paralympics in Pyeongchang vorne mitspielen zu können, mussten sie lernen, nicht zu nett zu sein.
Raya Badraun
Claudia Hüttenmoser war diese Saison für Turniere bereits in Schottland, Kanada, Finnland und Dänemark. Nun folgt Südkorea. (Bild: Urs Bucher)

Claudia Hüttenmoser war diese Saison für Turniere bereits in Schottland, Kanada, Finnland und Dänemark. Nun folgt Südkorea. (Bild: Urs Bucher)

Raya Badraun

Bereits vor ihrer Abreise nach Südkorea hat Claudia Hüttenmoser die Zeit umgestellt. Um acht Uhr abends ging sie ins Bett, um vier Uhr in der Früh stand sie wieder auf. «So muss ich in Pyeongchang nur noch fünf Stunden umstellen», sagt Hüttenmoser an diesem Nachmittag in der Curlinghalle St. Gallen. Es ist der letzte Trainingstag vor der Abreise nach Südkorea. Nervös wirkt sie nicht, eher freudig. Für sie ist es bereits der zweite Einsatz an den Paralympischen Winterspielen. Das erste Mal war sie 2010 in Vancouver dabei. «Dieses Mal wird es jedoch ganz anders sein», sagt Claudia Hüttenmoser mit ihrer sanften Stimme. Vor acht Jahren war die 50-jährige Goldacherin noch unerfahren und in einem Team, das kurzfristig zusammengewürfelt wurde. «Das taktische Verständnis war noch nicht da», sagt sie. «Mit dieser Leistung würden wir heute nicht einmal mehr den Schweizer-Meister-Titel gewinnen.»

Dieses Jahr steckt sie die Ziele höher. In Pyeongchang will Claudia Hüttenmoser mit dem Schweizer Nationalteam den Halbfinal erreichen. «Wegen des grossen Aufwands, den wir betreiben, dürfen wir uns das wünschen», sagt sie. Der Sport ist längst kein Hobby mehr. Die Rollstuhl-Curlerin hat ausgerechnet, dass der Aufwand mindestens mit einer 50-Prozent-Stelle zu vergleichen ist. «Das ist ein riesiger Unterschied zu früher», sagt sie. 15 bis 20 Stunden pro Woche trainiert sie. Die Zeit ab Juni bis Ende ­April verbringt sie auf dem Eis. Im Sommer kommen neben dem Krafttraining auch Fahrten mit dem Handbike dazu, um die Ausdauer zu verbessern.

In der wettkampffreien Zeit arbeitet die Mutter von zwei Kindern als Kreisrichterin in Rorschach. Die Wintermonate hingegen nimmt sie sich frei. Die vielen Reisen wären nicht mit dem Beruf vereinbar. Alleine in dieser Saison war sie schon in Schottland, Kanada, Dänemark und Finnland. Nun kommt Südkorea dazu. «Viel mehr als die Curlinghallen und Flughäfen sehe ich dabei meistens nicht», sagt Claudia Hüttenmoser. Steht für einmal kein Turnier an, so absolviert sie mit der Nationalmannschaft ein Trainingswochenende in Wetzikon. Oder sie trainiert in St. Gallen mit ihren Clubkollegen – wie an diesem Nachmittag.

Claudia Hüttenmoser sitzt am Ende der Eisbahn. Mit dem Besen zeigt sie einem Kollegen an, wohin er den 20 Kilogramm schweren Stein spielen soll. Im Rollstuhl-Curling ist es der einzige Einsatzbereich des Besens. Denn wischen, um den Weg des Steins zu verlängern oder die Bahn zu ändern, ist nicht erlaubt. Deshalb muss möglichst präzise gespielt werden. Um den Stein abzugeben, verwenden die Spieler anders als die Fussgänger ­einen langen Stick aus Karbon. «Das üben wir tausendfach», sagt Claudia Hüttenmoser. «Bei uns gibt es deshalb im Normalfall keine Glückssteine mehr.» Das war früher noch anders. Doch mit der Erfahrung stieg auch die Präzision.

Gruppenbild mit Medaillengewinner Rios

Manche Athleten rufen ihren Steinen nach, auch wenn sie ihren Weg nicht mehr beeinflussen können. Claudia Hüttenmoser lacht. Sie gehöre nicht dazu. Doch auch im Rollstuhl-Curling ist Kommunikation entscheidend. «Der Leistungssport braucht deutliche Worte», sagt Hüttenmoser, die im Nationalteam Vize-Skip ist. Die Schweizer Curler mussten dies jedoch zuerst lernen. Vor ein paar Jahren noch waren sie zu nett mit­einander. Beging jemand einen Fehler oder nahm den falschen Platz auf dem Feld ein, korrigierte ihn niemand. Im vergangenen Herbst leisteten sich die Curler schliesslich ein paar Stunden beim Sportpsychologen Jörg Wetzel, um eine kritische Gesprächskultur zu lernen.

Seither machen sie Fünf-Minuten-Dates, wenn ihnen etwas auf dem Magen liegt. «Dann sagen wir, was uns nicht passt – ganz emotionslos», sagt Claudia Hüttenmoser. «Das macht sehr viel aus.» Dann geht sie zurück zu ihren Teamkollegen. Diese warten bereits am Rande des Spielfeldes. Sie wollen ein Gruppenbild machen mit Martin Rios, der an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang Silber im Mixed-Doppel geholt hat. Er hat in Südkorea sein Bestes gegeben. Nun ist Claudia Hüttenmoser an der Reihe.

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