Rolf Brack vertraut nicht nur auf Gott

Die Schweizer Handballer stehen vor wegweisenden Spielen. Sie treffen heute in Tallinn und am Freitag in St. Gallen auf Estland. Scheitern Nationalcoach Rolf Brack und sein Team an dieser Hürde, verschwinden sie für eine Saison von der internationalen Bühne.

Christof Krapf/Kloten
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Rolf Brack Schweizer Nationaltrainer (Bild: ky/Steffen Schmidt)

Rolf Brack Schweizer Nationaltrainer (Bild: ky/Steffen Schmidt)

HANDBALL. Nationaltrainer Rolf Brack mag sich die Folgen nicht ausmalen. Er will nicht daran denken was kommt, sollten die Schweizer in der EM-Vorqualifikation an Estland scheitern. Denn in diesem Fall dürfte das Schweizer Nationalteam nicht an der Qualifikation zur EM 2016 in Polen teilnehmen und würde – ausser in Testspielen – für eine Saison von der internationalen Bühne verschwinden. «Die Spiele gegen Estland haben eine enorme Bedeutung. Wir wollen auch nächstes Jahr attraktive internationale Qualifikationsspiele austragen», sagte Brack vor dem Abflug nach Estland. Heute um 19 Uhr (live im Schweizer Sportfernsehen) tritt seine Mannschaft auswärts in Tallinn an; am Freitag folgt um 20 Uhr das Rückspiel in St. Gallen.

Bracks Goalieproblem

Um nicht in der europäischen Drittklassigkeit zu versinken und selbst die EM-Qualifikation zu verpassen, sollen die Schweizer einfache Tore erzielen – das ist der Plan des Trainers. Treffer also aus dem Gegenstoss, aus der zweiten Welle oder nach einem schnellen Anspiel. Das ist einfacher gesagt als getan. Denn die Voraussetzung, um einfache Tore zu erzielen, sind eine solide Verteidigung und starke Goalies. Denn wer in der Abwehr keine Bälle gewinnt; der kommt nicht zum Kontern. Im Tor ist die Schweiz im internationalen Vergleich nicht überaus stark besetzt. Aurel Bringolf spielt mit seinem Club GC Amicitia in der NLA-Abstiegsrunde. Der 20jährige Nikola Portner gilt zwar als grosses Talent, kommt bei Bern Muri aber nicht am serbischen Nationalgoalie Dragan Marianac vorbei und wird kaum eingesetzt. «Der Problematik bin ich mir bewusst. Die Esten verfügen aber auch über keine Weltklasse-Goalies. Ich bin optimistisch, dass wir auf dieser Position stärker besetzt sind», so Brack.

Estlands zwei Spitzenspieler

Heute und am Freitag wird im Schweizer Spiel vieles von Regisseur Andy Schmid abhängen. Der Bundesligaprofi von Rhein Neckar reiste verspätet nach Tallinn – noch am vergangenen Montag qualifizierte er sich mit seinem Club für den Champions-League-Viertelfinal. Nicht nur weil Brack Schmid in seinem Team weiss, ist der Trainer aber optimistisch. «Wir werden selbstbewusst in die Partie gehen, aber den Respekt vor dem Gegner nicht verlieren», sagte der 60jährige Deutsche. Für ihn ist Estland stark von den Bundesligaspielern Mait Patrail und Dener Jaanimaa abhängig. «Diese müssen wir in der Verteidigung in den Griff kriegen», so der Coach. Sein eigenes Kader sieht er breiter besetzt: «Wir werden nicht nur auf Schmid und den lieben Gott vertrauen.»

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