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Weg mit den Scheuklappen: Roger Federer steht in den Viertelfinals

An den Swiss Indoors kommt es am Freitag in den Viertelfinals zu einem dritten Auftritt von Roger Federer. Doch trotz seines Sieges gegen Jan-Lennard Struff geht der Lokalmatador hart mit sich ins Gericht.
Simon Häring, Basel
Geballte Faust: Roger Federer zieht nach einem holprigen Start in den Viertelfinal ein. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Basel, 25. Oktober 2018))

Geballte Faust: Roger Federer zieht nach einem holprigen Start in den Viertelfinal ein. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone (Basel, 25. Oktober 2018))

Roger Federer ist keiner, der unmittelbar nach einer Partie alles infrage stellt. Schon gar nicht, wenn er diese gewonnen hat. Oft genug wurde ihm das als fehlende Selbstkritik ausgelegt, manchmal auch als Sturheit. Umso erstaunlicher ist, was dieser Tage in Basel passiert. Schon nach dem ersten Spiel, das mehr Fragen als Antworten zu seinem Formstand geliefert hatte, war das so. Er sagte: «Es muss besser werden, es muss eine Steigerung her.»

Es wurde besser, aber nur marginal. Wieder kam der achtfache Basel-Sieger schlecht aus den Startblöcken. Gegen den Deutschen Jan-Lennard Struff (28, ATP 52) lag er mit 1:3 hinten. Wieder hatte er Mühe mit dem Aufschlag, sonst seine schärfste Waffe. Fünf Doppelfehler unterliefen ihm diesmal, immerhin einer weniger als in der Startpartie, in der er allerdings drei Sätze spielen musste. Federer sagte: «Ich weiss nicht, was los ist. Es muss aufhören. Ich mache zu viele Doppelfehler.» Diesmal aber half, dass auch der Gegner nicht seinen besten Tag hatte. 6:3, 7:5 lautete schliesslich das Verdikt zu Gunsten von Federer.

Auf der Suche nach der Balance

Als Sieger fällt es deutlich leichter, sich in Selbstkritik zu üben. Für Federer ist das wohl auch dringend nötig. Denn seit dem fulminanten Start ins Jahr mit den Siegen in Melbourne und Rotterdam, die in der Rückkehr auf den ersten Rang der Weltrangliste gipfelten, fehlt seinem Spiel das gewisse Etwas.

Hatte er in den beiden ersten Monaten des Jahres noch fünf der sechs Duelle gegen Spieler aus den Top Ten für sich entschieden, verlor er seither alle drei gegen die Besten. Mehr noch: Er verlor auch gegen deutlich schlechter klassierte Gegner. Zwar erreichte Federer in Cincinnati den Final und in Schanghai den Halbfinal, doch überzeugen konnte er dabei nur selten.

Noch vor wenigen Tagen hatte er sich gegen kritische Voten gewehrt, als er sagte: «Ich weiss, die Leute sagen, Schanghai sei für mich ein Scheiss gewesen.» Er selber fand, er habe gar nicht so schlecht gespielt. Doch auch ihm ist nicht entgangen, dass der Aufschlag nicht die erhoffte Wirkung entfaltete. Er sei überrascht gewesen, wie gut die Gegner seinen Service retourniert hätten. In China sah er noch die Unterlage als Grund dafür. Ihretwegen sei der Kick-Service zum Slice mutiert – das habe ihm geschadet. Die Aufschläge hätten sehr genau sein müssen. «Vielleicht war meiner nicht so präzise wie sonst, allerdings bin ich auch auf sehr starke Returnspieler getroffen», sagte Federer. Von unserer Zeitung danach gefragt, mit welchen Aspekten seines Spiels er derzeit zufrieden sei und mit welchen er zu kämpfen habe, sagte er: «Grundsätzlich sehe ich keine Baustellen.»

Legte die Scheuklappen ab

Nun legte er die Scheuklappen ab. Nicht zum ersten Mal in diesem Jahr. Schon in der einmonatigen Pause nach der verpassten Titelverteidigung in Wimbledon hatte er sich kritisch hinterfragt. Er wollte nicht in alte Muster verfallen, offensiv spielen, befreit und inspiriert. Es gelang ihm nur selten. Ständig war er auf der Suche nach der Balance und Klarheit im Spiel. Erst in Basel lieferte er eine weitere mögliche Erklärung dafür, weshalb dem so war: Den Sommer hindurch hatte ihm eine Verletzung am rechten Handgelenk zu schaffen gemacht. Nun aber behindere sie ihn nicht mehr.

Das ist eine gute Nachricht. Es bedeutet, dass Federer sich auf sein Spiel konzentrieren kann. Denn die Resultate täuschten lange Zeit darüber hinweg, dass ihm die Leichtfüssigkeit und die Unbeschwertheit abhandengekommen waren, die ihn seit der Rückkehr nach einer halbjährigen Pause 2016 ausgezeichnet hatten.

Das Spiel gegen Struff war diesbezüglich ein Schritt in die richtige Richtung. Es war ein Sieg ohne Zittern. Und das ist dieser Tage alles andere als selbstverständlich. In den Viertelfinals trifft Federer am Freitagabend auf den Franzosen Gilles Simon (ATP 32), der sich gegen den Letten Ernests Gulbis 7:6, 7:6 durchsetzte. Gegen Simon hat Federer zuletzt sechs Mal hintereinander gewonnen – aber die ersten zwei Duelle vor zehn Jahren an Masters-1000-Turnieren verloren.

Swiss Indoors Basel (1 984 420 Euro/Halle). Männer. Einzel, Achtelfinals: Federer (SUI/1) s. Struff (GER) 6:3, 7:5. Medwedew (RUS/7) s. Seppi (ITA) 7:6 (7:5), 6:2. Alexander Zverev (GER/2) s. Popyrin (AUS) 6:4, 6:4. Tsitsipas (GRE/4) s. Gojowczyk (GER) 6:3, 6:1. Bautista Agut (ESP/8) s. Lajovic (SRB) 6:7 (6:8), 6:3, 6:3. Simon (FRA) s. Gulbis (LAT) 7:6 (7:4), 7:6 (7:0).

2017 - Roger Federer isst Pizza mit den Balljungen, nachdem er den Final gegen der Argentinier Juan Martin Del Potro gewonnen hat. (KEYSTONE/Alexandra Wey)
2017 - Kreative Fans von Roger Federer (PPR/Kurt Schorrer)
2015 - Roger Federer freut sich über den Finalsieg gegen Rafael Nadal (KEYSTONE/Dominic Steinmann)
2014 - Roger Federer mit dem Pokal nach seinem Sieg gegen den Belgier David Goffin. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
2014 - Roger Federer kämpft im Final gegen den Belgier David Goffin. (PHOTOPRESS/Kurt Schorrer)
2013 - Roger Federer verliert den Final gegen den Argentinier Juan Martin Del Potro. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
2012 - Roger Federer enttäuscht am Boden nach seiner Finalniederlage gegen den Argentinier Juan Martin Del Potro. (PHOTOPRESS/Kurt Schorrer)
2011 - Sieger Roger Federer nach dem Final mit den Ballmädchen und Balljungen beim gemeinsamen Pizzaessen. (PHOTOPRESS/Alexandra Wey)
2011 - Roger Federer kommt zum Finalspiel gegen den Japaner Kei Nishikori, das er gewinnt. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
2011 - Roger Federer während des Spiels gegen Finnland's Jarkko Nieminen. (PHOTOPRESS/Alexandra Wey)
2010- Roger Feder küsst den Pokal nach seinen Sieg gegen den Serben Novak Djokovic.(KEYSTONE/Ennio Leanza)
2010 - Mehrfachbelichtung von Roger Federer während seines Finalspiels gegen den Serben Novak Djokovic. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
2009- Die Fans von Roger Federer auf der Tribüne. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
2008 - Roger Federer gewinnt das Finalspiel gegen den Argentinier David Nalbandian. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
2007 - Roger Federer vor seinem Finalspiel gegen den Finnen Jarkko Nieminen, das Federer gewinnen wird. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)
2003 - Roger Federer im Spiel gegen den Kroaten Croatia's Ivan. (KEYSTONE/Markus Stücklin)
2001 - Roger Federer ist wütend über einen verlorenen Punkt im Finalspiel gegen den Engländer Tim Henman. Federer hat das Final in drei Sätzen verloren. (KEYSTONE/Markus Stücklin)
2000 - Roger Federer freut sich über seinen Sieg gegen den Deutschen Tommy Haas in der ersten Runde. (KEYSTONE/Markus Stücklin)
1999 - Roger Federer retourniert einen Ball in seinem Zweitrundenspiel gegen den Deutschen Alexander Popp. (KEYSTONE/Markus Stücklin)
19 Bilder

Roger Federer in Basel: Die besten Bilder des Tennis-Superstars von 1999 bis heute

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