Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

Roger Federer: «Für mich ist es eine tiefe Befriedigung, in diesem Alter zu spielen»

Am Wochenende findet in Genf der 3. Laver Cup statt. Bereits am Montag spricht Roger Federer über sein Herzensprojekt, seine Gesundheit, die Pläne für das kommende Jahr, seinen Rivalen Rafael Nadal, der zum Teamkollegen wird, und Treffen an der Hotelbar.
Simon Häring
Für Roger Federer geht beim Laver Cup ein Kindheitstraum in Erfüllung (Bild: Keystone).

Für Roger Federer geht beim Laver Cup ein Kindheitstraum in Erfüllung (Bild: Keystone).

Es ist die Woche vor dem Laver Cup, dem Kräftemessen zwischen dem Team Europa und dem Team World. Überall in der Stadt Genf wehen Fahnen, auch die Busse machen Werbung für die dritte Auflage, die auf dem Palexpo-Gelände stattfindet. Es ist das gemeinsame Werk von Roger Federer und dessen Manager Tony Godsick. Am Montag empfängt der 20-fache Grand-Slam-Sieger in einem Hotel an bester Lage und mit Blick auf den Lac Léman eine ausgewählte Gruppe von Schweizer Journalisten und spricht über die Zeit nach den US Open, seine Gesundheit, die Pläne für das kommende Jahr, Diskussionen mit Gerard Pique und Treffen an der Hotelbar.

Roger Federer, die letzten Turniere waren überschattet von Problemen mit dem Rücken. Wie geht es Ihnen inzwischen?

Ich war überrascht, wie lange ich es gespürt habe, fast zehn, zwölf Tage. Ich dachte, ich würde es nur zwei, drei Tage spüren. Das ist wohl einfach das Alter (lacht). Ich habe aber natürlich auch nicht die Massnahmen getroffen, wie wenn ich bei den US Open weitergekommen wäre. Ich hatte ja plötzlich sehr viel Zeit. Also flog ich nach Hause und liess es einfach ausheilen. Ich spüre es noch, aber sehr, sehr wenig. Es ist eigentlich nur noch eine Frage der Zeit und nichts, was mich noch länger beschäftigen sollte. Ich fühle mich jedenfalls bereit, beim Laver Cup so viel zu spielen, wie es mich braucht.

Rafael Nadal gewann bei den US Open seinen 19. Grand-Slam-Titel und ist Ihrer Rekordmarke von 20 Titeln damit gefährliche nahe. Bangen Sie um ihren Rekord? Wie beurteilen Sie seine Leistung?

Es ist eine unglaubliche Leistung von ihm, in diesem Jahr zwei Grand-Slam-Turniere zu gewinnen. Er hatte es in den letzten Jahren nicht einfach mit seinen Verletzungen auf Hartplatz. Er musste etwas ändern und das ist ihm gelungen. Bei Rafa bin ich nie überrascht, weil ich weiss, wozu er fähig ist. Jeder weiss, dass Rafa und ich super auskommen und uns freuen füreinander. Klar würde ich gerne einen Rekord für immer und ewig behalten. Aber gleichzeitig ist es ein wichtiges Ziel, einen Rekord zu egalisieren oder sogar zu brechen – und das habe ich dazumal geschafft mit Sampras. Ich habe mich damals riesig gefreut und das Gefühl kann mir niemand nehmen. Und wenn Nadal und Djokovic mich einmal überholen sollten, dann ist das kein Problem für mich. Für mich ist es eine tiefe Befriedigung, in meinem Alter noch zu spielen. Und ich versuche, einfach weiter zu gewinnen und auch bei den Grand-Slam-Turnieren um den Sieg mitzuspielen. Wir werden sehen, wer am Ende das Rennen macht. Was man sagen muss: Es ist schon eine fantastische Zeit fürs Tennis, wenn man diese drei Spieler sieht, die so viel erreicht haben.

Beim Laver Cup werden aus Rivalen Verbündete: Rafael Nadal und Roger Federer (Bild: Keystone).

Beim Laver Cup werden aus Rivalen Verbündete: Rafael Nadal und Roger Federer (Bild: Keystone).

Sie sagten in New York, Sie würden zeitnah eine Entscheidung über eine mögliche Olympia-Teilnahme in Tokio treffen. Sind Sie dabei?

Intern habe ich entschieden, was ich bis und mit Wimbledon spielen will. Nun beschäftige ich mich mit der Frage, ob ich in Tokio spiele. Ich habe das auch schon bei meinem Team angesprochen und gefragt, wie sie es sehen. Sie sagten dann jeweils: ‹Hey, du musst entscheiden, es sind deine Olympischen Spiele, du wirst spielen.› (lacht). Ich habe aber auch schon mit Mirka darüber geredet, ob und wie es passen würde. Ich werde sicher in den nächsten Wochen eine Entscheidung treffen.

Ratgeberin und Vertraute bei der Turnierplanung: Mirka Federer (Bild: Keystone).

Ratgeberin und Vertraute bei der Turnierplanung: Mirka Federer (Bild: Keystone).

Gibt es in Ihrer Turnierplanung eine Überraschung?

Was soll ich sagen? Ich muss mir überlegen, wann ich was bekannt gebe. Für mich ist einfach wichtig, dass ich eine gute Balance finde zwischen Turnieren, Training und Zeit für die Familie. So flexibel bin ich nicht. Ich muss mir überlegen, wann ich es ankündige. Ich muss sicher alles noch einmal durchspielen. Sicher will ich mich wieder früh entscheiden.

Heisst das, Sie wissen schon, ob Sie auf Sand spielen oder nicht?

Ich habe für mich entschieden (lacht).

Ende Jahr reisen Sie für Schaukämpfe nach Südamerika. Wissen Sie schon, wie das Programm aussieht?

Die Planungen sind noch nicht ganz abgeschlossen. Ich habe das ja schon einmal gemacht. Das war die Lieblingstour meines Vaters, er fand es absolut gigantisch, ich ja auch. Für mich war vor allem das Publikum unglaublich. Das habe ich so noch nie erlebt. Darum wollte ich es immer schon gerne wieder einmal machen. Aber ich komme nicht jedes Jahr dazu. Ich habe eine Familie, muss schauen, dass es mit dem Stress nicht zu viel wird. Ich sagte, ich kann es nur machen, wenn ich zwei Wochen Ferien bekomme. Dann habe ich alles mit Pierre Paganini (Fitnesstrainer, Anm. d. Red.) abgesprochen, ob es aufgeht.

Ende 2012 tourte Roger Federer durch Südamerika und bewies auch als Fussballer sein Talent (Bild: Keystone).

Ende 2012 tourte Roger Federer durch Südamerika und bewies auch als Fussballer sein Talent (Bild: Keystone).

Anfang Jahr bestreiten Sie den neu kreierten ATP Cup, mit Henri Laaksonen, aber ohne Stan Wawrinka. Weshalb?

So viel ich weiss, kann Stan nicht mehr spielen, weil er sich nicht eingeschrieben hat, was natürlich schade ist. Ich bin nicht ganz sicher, ob er sich später noch einschreiben könnte. Ich plane aber damit, dass Stan nicht dabei sein wird, leider Gottes.

Welche Herausforderungen stellen sich für Sie in der Vorbereitung, wenn Sie Ende November noch Schaukämpfe in Südamerika spielen und Anfang Januar bereits wieder beim ATP-Cup?

Die Vorbereitung ist nur eine Woche kürzer. Normalerweise habe ich am 4. Dezember angefangen, jetzt wird es am 11. Dezember sein. Das ist alles abgesprochen. Ich gehe jetzt sicher nicht Kompromisse ein. Ich muss ja nicht zu hundert Prozent bereit sein für den ATP-Cup. Mein Ziel sind ja die Australian Open, darauf ist meine Planung ausgerichtet.

Gerard Pique sagte kürzlich, dass er sie dazu bewegen möchte, im nächsten Jahr den Davis Cup zu bestreiten. Spielen Sie mit diesem Gedanken?

Sehen Sie, es ist ja normal, dass er das sagen muss und dass das Thema wieder aufkommt, wenn Davis Cup gespielt wird. Dass er mit Tony (Godsick, Manager, Anm. d.Red.) redet, ist auch klar. Ich plane jetzt nicht unbedingt damit, im Davis Cup zu spielen. Es sind auch keine Gespräche im Gang, wie er das gesagt hat. Man unterhält sich, aber das ist mehr generell, um auf dem gleichen Nenner zu sein betreffend Laver Cup, Davis Cup oder egal was. Persönlich hoffe ich, dass der Davis Cup gut über die Bühne geht – wie auch der ATP Cup. Und es ist klar, dass man sich danach zusammensetzt und sich die Frage stellt: Wie geht es weiter? Jetzt gibt es den Davis Cup und den ATP Cup – geht es für immer so weiter? Sind es Änderungen, die dem Tennis gut tun? Ich bin nicht ganz sicher, ob es so gut kommt.

Seinen Platz sicher hat der Laver Cup, der in diesem Jahr zum dritten Mal durchgeführt wird. Was bedeutet es Ihnen, dass mit Genf die Schweiz der Austragungsort sein wird?

Ich freue mich riesig auf das Heimpublikum und die Atmosphäre. Auch darauf, Zeit mit Björn Borg zu verbringen. Das ist ein Kindheitstraum, der in Erfüllung geht. Er ist ja eigentlich fast noch die grössere Nummer als mein Held der Jugend, Stefan Edberg. Das alles in meiner Karriere noch in Genf zu erleben, hätte ich niemals gedacht. Es wird bestimmt ein unglaublicher, ganz spezieller Event.

«Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung, wenn ich Zeit mit Björn Borg verbringen darf», sagt Roger Federer (Bild: Keystone).

«Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung, wenn ich Zeit mit Björn Borg verbringen darf», sagt Roger Federer (Bild: Keystone).

Sie sind ja beim Laver Cup nicht nur Spieler, sondern auch Mitorganisator. Sind Sie deshalb nervöser?

Ich habe mehr darüber nachgedacht, welche Paarungen im Doppel Sinn machen und wer wann spielen könnte. Schliesslich ist es schon die dritte Ausgabe des Laver Cups, ich habe als Organisator schon Erfahrungen gesammelt. Anfangs habe ich mir eher noch Gedanken gemacht, wer alles kommt, und ob die Zuschauer in der Halle bleiben. Nun habe ich gesehen, wie wie schnell die Tickets ausverkauft waren und ich weiss, dass die Palexpo-Halle als Austragungsort funktioniert. Ich habe also die Gewissheit, dass es ein gutes Wochenende wird.

Ist das Eintreffen der Spieler für Sie auch ein wenig wie das Zusammenkommen bei einem Klassenlager?

Ich war nur ein Mal an einem Klassenlager. Und für das musste ich die Schweizer Meisterschaften der Junioren in Luzern auslassen! Aber ich wollte unbedingt mal ein Skilager mitmachen... (lacht) Ja, es ist tatsächlich ein bisschen so. Es kommen ja nicht nur die Davis-Cup-Kollegen, und die Spieler reisen ja auch nicht mit dem Auto an. Hier kommen viel mehr – sieben Mann – und der Kreis ist viel internationaler und bedingt somit auch viel mehr Organisation dahinter. Alle treffen allmählich ein, es geht bereits darum, wer trainiert mit wem, wo gehen wir essen? Hat jemand Spezialwünsche usw. Es sind super Typen unter uns – lässige, lustige. In unserem Team werden wir es also sicher gut haben. Auch wenn wir vielleicht nicht ganz so laut sein werden wie Team Welt mit Jack Sock und Nick Kyrgios. Aus Erfahrung wissen wir ja, dass die immer abgehen wie ein Zäpfchen! Aber wir haben auch einen grossen Team-Spirit, sind einfach etwas anders als die anderen. Ja, es ist sicher etwas Klassenlager-Feeling, vor allem, wenn dann alle endlich mal zusammen sind. Aber in unserem Chat ist schon jetzt alles voll im Gang.

Haben Sie im Team einen neuen WhatsApp-Chat, oder wird der vom letzten Jahr – mit Novak Djokovic – weitergeführt?

(lacht) Da wollt Ihr bestimmt gerne mal reinhören, oder?! Nein, der Chat ist meist ganz seriös und wenn es um gewisse Themen geht, macht der eine oder andere auch mal einen Witz. Die Chat-Gruppe von letztem Jahr gibt es zwar immer noch. Ich bin eigentlich der Meinung, dass jeder dazugehört, der jemals mitgemacht hat. Ausserdem bin ich der Typ, der gerne auch mal zurückblickt und sich auf frühere Jahre bezieht.

Haben Sie dadurch, dass Sie ihre Konkurrenten beim Laver Cup so hautnah erlebt haben, auch etwas über diese gelernt?

Für mich war es vor allem spannend, eine Woche um Nadal und Djokovic herum zu sein. Mitzuerleben, wie hoch Nadals Intensität ist. Wie schafft er es, sich neben dem Platz zu entspannen? Wie erreicht er diese Balance? Denn wenn du das nicht kannst, wirst du wahnsinnig. Das hat er mit seinen Kollegen, seiner Mannschaft. Wenn er mit dem Training durch ist, ist er ein lockerer Typ – so, wie ich ihn gekannt habe. Und es hat mich beeindruckt, wie er immer wieder nach Möglichkeiten sucht. Er retourniert von hinten, dann von weiter vorne, er spielt mit Slice, dann wieder mit viel Spin. Er ist dauernd auf der Suche.

Wie haben Sie Novak Djokovic erlebt?

Auch er hat seine entspannte wie auch seine seriöse Seite. Da sind wir alle sehr ähnlich. Um Erfolg zu haben, musst du das haben. Wir spielen so viele Matches – 50 bis 100. Es ist nicht wie im Boxen, wo du einen, zwei Fights im Jahr hast. Du musst bis fünf Minuten vor dem Match entspannt sein. Was mich bei Djokovic am meisten beeindruckt hat, ist seine Klarheit, wie er seinen Match gewinnen will. Er sagt sich: ‹So spiele ich, das führt zum Erfolg.› Auch sein ganzer Ablauf: Wie und wann er essen muss. Es muss alles stimmen. Das respektiere ich enorm. Er weiss genau, wie er auf den Moment genau bereit sein kann.

Grosser Abwesender beim Laver Cup: Novak Djokovic (Bild: Keystone).

Grosser Abwesender beim Laver Cup: Novak Djokovic (Bild: Keystone).

Wie erleben Sie ihre Teamkollegen in dieser Woche?

Thiem sagt zu allem Ja: Er ist völlig entspannt, auch im Umgang mit den Medien. Dafür ist er bekannt. Zverev ist immer noch jung und am Lernen, aber eigentlich auch sehr offen und entspannt. Tsitsipas kenne ich noch nicht sehr gut, darum bin ich gespannt, wie die Woche sein wird. Fognini ist völlig entspannt. Und Rafa ist einfach ein unglaublicher Teamplayer. Er braucht einfach genügend Trainingseinheiten, muss sicher eine Stunde mehr haben als alle anderen. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie er es macht, ob er dafür nachmittags noch schläft (lacht).

Und abends treffen Sie sich dann alle an der Hotelbar?

Ab und zu, klar. Dann gehen wir noch etwas trinken. Wir sind ja auch alle im gleichen Hotel. Das Team World ist in einem anderen Hotel. Es gibt Abende, an denen gehen wir gemeinsam essen und jeder kann jemanden mitbringen. Ich persönlich versuche, mein Team klein zu halten, ich möchte das vorleben, dass es eine kleine Gruppe ist. Ich finde es toll, wenn ich mit Stefanos, Sascha, Thiem und Rafa am Tisch sitze und wir über andere Dinge reden können als über Tennis. Wir gehen auch einmal einen Kaffee trinken und verbringen allgemein viel Zeit miteinander.

Das Team Europa ist deutlich stärker besetzt als das Team Welt. Was sagen Sie zu diesem Ungleichgewicht?

Wir sind sicher der klare Favorit, aber das Team Welt ist im Doppel stark besetzt und hat grosse Aufschläger im Team. Ihnen kommt es entgegen, dass Genf relativ hoch gelegen ist, darum wird es bestimmt wieder knapp. So wie das ja schon in Prag und Chicago zu sehen war. Unser Glück war, dass wir die engen Partien für uns entscheiden konnten. Ich rede das jetzt nicht einfach schön – ich denke wirklich, dass es ausgeglichener sein wird, als es auf dem Blatt scheint. Darauf ist unser sechster Spieler ja besser als der Erste des Gegners. Aber ich habe trotzdem das Gefühl, es wird wieder knapp. Es scheint nur diesen einen Weg im Laver Cup zu geben – der ist immer knapp.

Haben Sie die Halle schon besichtigt?

Ich habe gehört, dass es die bisher beste Halle sei. Das hat mich ehrlich gesagt überrascht. Die Chicago Bulls Arena ist eigentlich das Non-Plus-Ultra, die kann man eigentlich gar nicht toppen. Aber ich glaube, es hat auch seinen Charme, wenn du in einer Halle genau das bauen kannst, was du willst. Ich freue mich darauf, alles zu sehen. Es wird jedenfalls riesig sein. Ich weiss, dass Tony Godsick und seine Leute weder Aufwand noch Kosten gescheut haben, um einen unglaublichen Event auf die Beine zu stellen. Deshalb erwarte ich nur das Beste – nicht nur für uns Spieler, sondern auch für die Sponsoren und vor allem für die Fans.

Es gibt ja auch eine riesige Fanzone.

Am Donnerstag ist der grosse Fan-Tag, wo die Zuschauer kommen und uns beim Training zusehen können. Und auch Freitag bis Sonntag gibt es unglaublich tolle Möglichkeiten, auch ohne Tickets ein Teil des Spektakels zu sein und die coole Atmosphäre mitzubekommen. Dafür wurde auch sehr viel Geld investiert, der Event wird viel mehr sein als nur ein Tennisturnier!

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.