Röthlin läuft am Limit auf Rang elf

Stephen Kiprotich aus Uganda gewinnt überraschend den Olympia-Marathon. Dem Schweizer Rekordhalter zeigt das Rennen in London Grenzen auf. Viktor Röthlin beendet den Wettkampf in 2:12:48 Stunden auf dem elften Rang.

Jörg Greb/London
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Viktor Röthlin (Bild: ky/Laurent Gillieron)

Viktor Röthlin (Bild: ky/Laurent Gillieron)

LEICHTATHLETIK. Viktor Röthlin war froh um den Rundkurs und die grosse Anzeigetafel beim Ziel, vor allem bei der letzten Passage und kurz vor Kilometer 30. «Ich entdeckte meinen Namen und wusste, ich bin wirklich noch im Rennen.» Röthlin lief am Limit. Der bald 36jährige Innerschweizer empfand das Rennen als hart. Er hatte sich für den Saisonhöhepunkt eine vorsichtige Taktik zurecht gelegt. Verhindern wollte er damit, das Rennen zu schnell anzugehen. Schliesslich verbesserte er sich von Position 33 bei Kilometer 15 bis auf den elften Schlussrang. Stellt sich die Frage, ob mehr Risiko zu Beginn angezeigt gewesen wäre. Aber, das Risiko zu scheitern wäre höher gewesen. Die Zahl jener, die in der Schlussphase zurückfielen, unterstreicht die Vermutung.

Rasante Entwicklung

Das Resultat löste bei Röthlin, dem Europameister von 2010, keine grossen Glücksgefühle aus. Es entspricht weder der Qualität des sechsten Olympia-Rangs von vor vier Jahren noch den Medaillengewinnen an WM oder EM. Erklärungen dafür fand Röthlin mehrere. Die naheliegendste ist dieEntwicklung auf internationaler Ebene. Das Niveau an der Spitze ist markant gestiegen. Das zeigt sich an der Entwicklung des Weltrekordes in den vergangenen vier Jahren. Die Bestzeit wurde von 2:04:26 auf 2:03:38 gedrückt. Aber auch die Leistungsdichte hat zugenommen, gerade dank junger Topathleten.

Dieser Umstand zeigt sich nicht zuletzt im Klassement. Stephen Kiprotich, der überraschende Olympiasieger aus Uganda, ist 23jährig. Er war mit der Referenz eines sechsten Platzes an den Afrika-Meisterschaften 2010 über 10 000 m und einem neunten WM-Rang im Marathon im vergangenen Jahr angetreten.

«Elften Platz gewonnen»

Röthlin dachte allerdings auch über sein Empfinden nach. Er sagte: «Ich habe diesen elften Platz gewonnen und nicht den zehnten oder achten verloren». Seine Genugtuung im Ziel war grösser als sie es vor vier Jahren nach Platz sechs gewesen war. Damals fehlten 35 Sekunden zu Bronze. In der Zwischenzeit überstand er eine lebensgefährliche Lungenembolie, die enorme Arbeit erforderte, um wieder an die Marathon-Weltspitze zurückzukehren.