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Roberto Mancini muss die Italiener wieder erfolgreich machen

Mit einem Testspiel in St. Gallen gegen Saudi-Arabien versucht die italienische Fussballnationalmannschaft nach der verpassten WM-Qualifikation einen Neuanfang. Trainer Roberto Mancini verzichtete für sein neues Amt auf viel Geld und setzt auf Rückkehrer Mario Balotelli. Das Spiel wird heute Montag ab 20.45 Uhr im Kybunpark ausgetragen.
Lukas Plaschy, Rom
Italiens neuer Nationaltrainer Roberto Mancini. Bild: Claudio Giovannini/EPA

Italiens neuer Nationaltrainer Roberto Mancini. Bild: Claudio Giovannini/EPA

Der italienische Fussballverband hat turbulente Wochen und Monate hinter sich. Zuerst die schmachvolle Nichtqualifikation der A-Nationalmannschaft für die WM in Russland. Danach der Rücktritt von Verbandspräsident Carlo Tavecchio und die anschliessende Zwangsverwaltung durch das Nationale Olympische Komitee (CONI). Und schliesslich musste das temporäre Komitee des Verbandes auch noch einen neuen Nationaltrainer als Nachfolger von Gian Piero Ventura und Übergangslösung Luigi Di Biagio suchen. Zumindest diese Akte ist seit dem 14. Mai geschlossen. Mit dem 53-jährigen Roberto Mancini konnte ein Mann verpflichtet werden, dessen Lebenslauf sich ungleich bedeutender liest als jenes von Ventura. Der neue "Commissario tecnico“ gehörte in den 1980er und 1990er Jahren zu den besten Offensivspielern der Serie-A. Technisch überdurchschnittlich begabt und mit dem Auge für die Mitspieler bildete der in Jesi bei Ancona geborene Mancini zusammen mit Gianluca Vialli ein kongeniales Sturmduo bei Sampdoria Genua. 1991 gewann er mit den Genuesen die italienische Meisterschaft und stand ein Jahr später sogar im Finale des damaligen Landesmeistercups gegen Johan Cruyffs Barcelona.

Komplizierte Liebesbeziehung

Ab der U14 durchlief Mancini alle Nachwuchsauswahlen des Landes. Sein eitler Charakter und eine exzessiv zur Schau getragene Selbstsicherheit an der Grenze zur Überheblichkeit verkomplizierten jedoch seine Liebesbeziehungen zum Nationalteam. Wohl deshalb brachte es Mancini nur auf 36 A-Länderspiele mit vier Toren. „Als junger Spieler fand ich es total cool, mich im Training nicht anzustrengen.“ Weltmeistertrainer Enzo Bearzot bot ihn 1984 zu einer Länderspieltournee in den USA und Kanada auf. Aber nachdem Mancini in New York das Nachtleben zulange ausgekostet hatte und bei der Rückkehr ins Hotel ertappt wurde, verzichtete Bearzot anschliessend auf dessen Dienste. Protagonist im Dress der Azzurri war Mancini einzig an der EM 1988 unter Azeglio Vicini. Die „Notti magiche“ der Heim-WM 1990 erlebte Mancini auf der Ersatzbank während Totò Schillaci Italien bis in den Halbfinal führte. Auch Arrigo Sacchi fand in seinem rigiden 4-4-2 keinen Platz für den Individualisten Mancini. Wohl durch diese Erfahrungen gelingt es dem Trainer Mancini im Umgang mit den Stars das richtige Fingerspitzengefühl zu zeigen. Von 2004 bis 2008 coachte er Inter Mailand mit den „Enfant terrible“ Zlatan Ibrahimovic und Mario Balotelli zu drei Meistertitel in Folge. Danach zog es Mancini nach England. Von Dezember 2009 bis Sommer 2013 führte er Manchester City und gewann mit dem Club je einmal die Premier League und den FA Cup.

"Ich bin kein Zauberer"

Nun verzichtete Mancini auf fast acht Millionen Euro, um sich aus dem Vertrag bei Zenit St. Petersburg loszulösen. Die „Squadra Azzurra“ sei „eine Herzensangelegenheit“, wie er selbst sagt: „Es sollte sich nicht immer alles nur ums Geld drehen. Manchmal ist es wichtiger, das zu tun, was einem gefällt. Und mir gefällt es, der Nationalmannschaft zu helfen.“ Sollte sich Mancini mit den Italienern für die EM-Endrunde 2020 qualifizieren, würde sich sein Zweijahres-Vertrag, dotiert mit zwei Millionen Euro pro Jahr, automatisch bis zur WM 2022 verlängern. Als Heilsbringer sieht er sich allerdings nicht. „Ich bin kein Zauberer. Es braucht Zeit, um wieder zu den Besten zu gehören.“ Gleich drei Testspiele stehen in den nächsten Tagen auf dem Programm. Der Auftakt macht am Montag das Spiel gegen WM-Teilnehmer Saudi-Arabien in St. Gallen. Die Zuschauer werden dabei erstmals seit vier Jahren wieder Mario Balotelli im Dress des vierfachen Weltmeisters zu sehen bekommen. Trotz schwierigem Charakter vereint der 27-jährige Stürmer weiterhin mit Abstand am meisten Talent in einer Mannschaft, in der nach den Rücktritten von Captain Gianluigi Buffon und Daniele De Rossi die Leaderfiguren fehlen. „Ich will den Balotelli der EM 2012 sehen. Er hat zwei Jahre in Nizza gut gearbeitet und kann eine Stütze sein“, sagt Mancini. Gelingt es dem Coach, Balotellis Länderspielkarriere neu zu lancieren, ist die Chance gross, dass auch Italien die Renaissance gelingt.

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Saudi-Arabien bestreitet das WM-Eröffnungsspiel

Mit Spannung wurde in Saudi-Arabien die Auslosung der Gruppen der Fussball-WM in Russland verfolgt. Erstmals nach zwölf Jahren hatten sich die Saudis wieder für die WM qualifiziert. Belohnt wurde der 63. der Fifa-Weltrangliste nun mit einer besonderen Ehre – er darf am 14. Juni das Eröffnungsspiel gegen Gastgeber Russland bestreiten.

Die letzte Vorbereitung vor diesem vielbeachteten Spiel bestreiten die Saudis in Bad Ragaz. Noch bis zum 6. Juni weilt die Nationalmannschaft im Kurort. Mit Juan Antonio Pizzi wurde im November ein erfahrener Coach verpflichtet. Der in Argentinien aufgewachsene Spanier spielte als Stürmer für Barcelona, Valencia, Porto und in diversen Clubs in Argentinien. Als Trainer führte er das chilenische Nationalteam in den Final des Konföderationencups 2017. Nach der verpassten WM-Qualifikation trat er im Oktober des vergangenen Jahres zurück. Sein Vorgänger bei Saudi-Arabiens Equipe, Landsmann Edgardo Bauza, wurde nach zwei Monaten wegen schlechter Testspielergebnisse beurlaubt.

Während ihres Aufenthalts in Bad Ragaz absolviert die Equipe Saudi-Arabiens zwei Testspiele in St. Gallen. Am Montag, 28. Mai, tritt sie gegen Italien an, am Sonntag, 3. Juni, gegen Peru. Von Bad Ragaz reist die Auswahl weiter nach Leverkusen, wo am Freitag, 8. Juni, der letzte Test gegen Weltmeister Deutschland ansteht. (rvo)

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