RISIKO: «Start meines Lebens»

Valtteri Bottas erringt beim Grand Prix von Österreich seinen zweiten Sieg in der Formel 1. Der 27-jährige Finne triumphiert nach einem Start auf Messers Schneide 0,658 Sekunden vor Sebastian Vettel und gehört mehr denn je zu den Titelkandidaten.

Roman Eberle (sda)
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Valtteri Bottas sorgt für Spannung in der Formel 1. Nach seinem Sieg in Spielberg kann auch er noch Weltmeister werden. (Bild: Darko Bandic/AP)

Valtteri Bottas sorgt für Spannung in der Formel 1. Nach seinem Sieg in Spielberg kann auch er noch Weltmeister werden. (Bild: Darko Bandic/AP)

Roman Eberle (SDA)

Mit der Steiermark verbindet Bottas besonders schöne Momente. Vor drei Jahren erreichte er in Spielberg erstmals in der Formel 1 einen Podestplatz, im neunten Rennen dieser Saison durfte er zum zweiten Mal nach Ende April in Sotschi die oberste Stufe des Podests besteigen.

Die Grundlage hierfür legte Bottas mit einem Start, der für viel Diskussionsstoff sorgte. Der Nordländer nahm volles Risiko und zog beim Erlöschen der Lichter von der Poleposition aus auf und davon. Die Reaktionszeit des Finnen im Mercedes betrug 0,201 Sekunden (Vettel: 0,369 Sekunden), womit sofort der Verdacht aufkam, er habe einen Frühstart begangen. Einen solchen konnten die Rennkommissäre aufgrund der Sensordaten letztlich aber nicht ausmachen. Bottas’ Timing beim Spiel mit dem Feuer passte perfekt: «Das war der Start meines Lebens.» Derweil sich der Finne uneingeschränkt freute, konnte sich Sebastian Vettel mit der Millisekunden-Entscheidung pro Bottas unmittelbar nach dem Rennen nicht wirklich abfinden.

Drei- statt Zweikampf

So spektakulär der Start war, so ereignisarm verlief das Rennen in der Folge. Bottas vergrösserte zunächst den Vorsprung gegenüber Vettel zusehends – bei Rennhälfte und vor dem ersten Boxenstopp waren es mehr als sechs Sekunden. Im Final kam Vettel nochmals bedrohlich nahe an den Sieger heran. Eine Rennrunde mehr und der im Thurgau wohnhafte Hesse wäre möglicherweise an Bottas vorbeigezogen. Dieser absolvierte mehr als die Hälfte des Rennens mit der weichsten Reifenmischung, klagte nach dem Boxenstopp jedoch über «massive Blasenbildung an den Hinterreifen».

Seit Monaten ist von einem Titelduell zwischen Vettel und Lewis Hamilton die Rede, der erfolgreichste Fahrer der vergangenen drei Grands Prix ist mit 61 Punkten jedoch Bottas. Aus einem Zwei- könnte auch langfristig durchaus ein Dreikampf werden. Bottas jedenfalls glaubt kurz vor Saisonhälfte an seine Chance. «Ich war nie raus aus der Entscheidung um den Titel», so der Dritte der Gesamtwertung. Sein Rückstand auf Leader Vettel beträgt 35 Zähler, jener auf Teamkollege Hamilton deren 15.

Bottas’ Leistungen in dieser Saison sind umso erstaunlicher, weil er sich bei Mercedes eigentlich noch immer in einer Anpassungsphase befindet. Er absolvierte erst neun Rennen für die Silberpfeile, betrieb in diesen jedoch beste Eigenwerbung, denn er wurde nach dem unerwarteten Rücktritt von Nico Rosberg lediglich mit einem Einjahresvertrag ausgestattet. Eine Notlösung sieht allerdings anders aus.

Auch der Zweite ein Sieger

Vettel schaffte es nach zuletzt zwei vierten Rängen als Zweiter auf das Podest und realisierte so sein bestes Ergebnis in Österreich. Seinen Vorsprung in der WM-Wertung baute er um sechs Punkte gegenüber Hamilton aus. Der Brite, wegen einer Strafe lediglich als Achter gestartet, wurde als Vierter hinter Daniel Ricciardo abgewinkt.