Rhein-Neckars erster Meistermacher

Andy Schmid wurde in den vergangenen zwei Bundesligasaisons zum wertvollsten Spieler gewählt. Die Meisterschaft fehlt aber im Palmarès des 32-Jährigen von Rhein-Neckar noch. Heute könnte der Schweizer einen grossen Schritt Richtung Titel machen.

Christof Krapf
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Hoch hinaus: Andy Schmid (Mitte) von Rhein-Neckar könnte der erst dritte Schweizer sein, der in der Bundesliga den Titel holt. 2003 triumphierten Marc Baumgartner und Carlos Lima mit dem TBV Lemgo. (Bild: imago)

Hoch hinaus: Andy Schmid (Mitte) von Rhein-Neckar könnte der erst dritte Schweizer sein, der in der Bundesliga den Titel holt. 2003 triumphierten Marc Baumgartner und Carlos Lima mit dem TBV Lemgo. (Bild: imago)

HANDBALL. Das YouTube-Video kennt jeder Handballer: Andy Schmid spielt gegen Wetzlar den Ball mit viel Drall durch den Kreis des Gegners. Der Pass fliegt über mehrere Meter genau zu Kreisläufer Bjarte Myrhol – Tor für Rhein-Neckar, zurück bleibt eine verdutzte Verteidigung. Die schweizerisch-norwegische Co-Produktion wurde bisher über 120 000mal angesehen. Der Treffer – er gehört zu den spektakulärsten der jüngeren Bundesligageschichte – erzählt vieles über die Spielweise des Schweizers Schmid. Mit 1,90 Metern ist er für einen Rückraumspieler eher kleingewachsen. Dieses Manko macht der 32-Jährige mit Schnelligkeit, Beweglichkeit, Wurfvarianten, Übersicht und – wie es der YouTube-Film zeigt – einem Schuss Genialität wett. Wegen letzterer Qualität wimmelt es im Internet von Videos, auf welchen seine besten Szenen und Pässe zusammengeschnitten sind – betritt Schmid das Feld, ist Spektakel garantiert.

Zweimal der Wertvollste

Seit fünf Jahren ist der Zürcher bei Rhein-Neckar unter Vertrag. In dieser Zeit ist Schmid zum Topspieler gereift. Zu Heimspielen seines Teams kommen über 10 000 Zuschauer – der Schweizer hat im Stadion seinen eigenen Fanclub. Aktuell ist er zweitbester Skorer seines Teams und Denker und Lenker im Angriff der Mannheimer. In den vergangenen beiden Saisons wurde er jeweils zum wertvollsten Spieler der Bundesliga gewählt – einzig der französische Welthandballer, Weltmeister und Olympiasieger Nikola Karabatic sowie der isländische Weltklasse-Linkshänder Olafur Stefansson haben diese Auszeichnung ebenfalls zweimal erhalten. Die Chancen sind gar intakt, dass Schmid diesen Titel in dieser Saison zum drittenmal gewinnt. Persönliche Erfolge hat Schmid in seiner Bundesliga-Zeit bereits gefeiert. Auf den grössten Triumph seiner Karriere, den Gewinn der deutschen Meisterschaft, wartet er aber noch. In den vergangenen Jahren stand Rekordmeister Kiel Schmid und seinem Team vor der Sonne. 2014 verpasste Rhein-Neckar den ersten Meistertitel der Clubgeschichte nur wegen der um zwei Treffern schlechteren Tordifferenz, im vergangenen Frühling fehlten zwei Punkte.

Nur eine Niederlage in 18 Partien

In dieser Spielzeit könnte Rhein-Neckar allerdings der Titelgewinn gelingen. Schmids Mannschaft hat in dieser Saison erst eines von 18 Ligaspielen verloren und verfügt über vier Punkte Vorsprung auf Kiel. Das mag nach wenig klingen – in der Bundesliga, wo Rhein-Neckar, Flensburg-Handewitt und Kiel den Meistertitel zuletzt unter sich ausmachten, ist die Differenz bereits gross.

Heute haben die Mannheimer die Chance, den Vorsprung auszubauen. Die Affiche ist ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für alle Handball-Liebhaber: Kiel gegen Rhein-Neckar, Spitzenspiel, Vorentscheidung im Meisterrennen. Vorentscheidung deshalb, weil die beiden Mannschaften in dieser Bundesligasaison danach nicht mehr aufeinandertreffen werden. Rhein-Neckar kann also nicht nur den Handball-Aficionados, sondern auch sich selbst ein Weihnachtsgeschenk machen. Schmid ist jedenfalls bereits dafür: Rechtzeitig zum Gipfeltreffen präsentiert er sich in Topform. In den vergangenen beiden Spielen hat er unglaubliche 25 Treffer erzielt. Und sollte es in dieser Saison trotz guter Vorzeichen wieder nicht zum Titelgewinn reichen, wird wenigstens YouTube wieder um einige spektakuläre Handball-Videos reicher.

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