Rezept à la jurassienne

Ajoie gilt als welsches Pendant zu Thurgau. Die Mittel sind beschränkt und der Club ist in einer Randregion zu Hause. Trotzdem stehen die Jurassier im Playoff-Final gegen Rapperswil-Jona.

Matthias Hafen
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EISHOCKEY. Thurgau hätte diese Saison die grosse Playoff-Überraschung werden können in der NLB. Der Tabellenachte brachte Qualifikationssieger Rapperswil-Jona im Viertelfinal ins Trudeln, schied nach 3:1-Führung aber noch aus. Die grosse Surprise gelang dafür Ajoie, das von Platz fünf aus der Reihe nach die besser klassierten La Chaux-de-Fonds und Olten aus dem Weg räumte und nun ab Sonntag in der Best-of-7-Finalserie gegen Rapperswil-Jona antritt.

Etatmässig sind die Jurassier mit Hockey Thurgau zu vergleichen, auch wenn die Clubs ihre Zahlen nicht offenlegen. Ajoie kann finanziell nicht mit den Grossen der NLB mithalten, setzt deshalb auf eine eigenwillige Kaderplanung: Ein starker Goalie, zwei überdurchschnittliche Ausländer und erfahrene Schweizer für eine zweite kompetitive Linie. Der Rest wird den Mitteln entsprechend aufgefüllt.

Ausländerduo die halbe Miete

Anders als Thurgau hat Ajoie längst erkannt, dass in der NLB ein starkes Ausländerduo die halbe Miete ist. Unvergessen etwa die Dominanz der Kanadier James Desmarais und Stéphane Roy, die zwischen 2006 und 2013 in der NLB-Skorerliste Jahr für Jahr an der Spitze geführt wurden. 2007/08 gelang alleine Desmarais in 63 Spielen sagenhafte 125 Skorerpunkte. Es sind starke Ausländer, die Ajoie jeweils die Playoff-Teilnahme garantieren. Deshalb investiert der Club aus Pruntrut besonders in diese Personalie. Auch in der laufenden Saison kann Ajoie auf grandiose kanadische Offensivkräfte zählen. Jonathan Hazen und Philip-Michael Devos – verpflichtet aus den Niederungen der italienischen Liga – sammelten in der Qualifikation zusammen 132 Skorerpunkte. Thurgaus Derek Damon, Evan McGrath und Tyler Scofield kamen auf 76.

Es scheint, als hätten sie im Jurazipfel ein glückliches Händchen für Transfers aus dem Ausland. Doch auch Ajoie griff schon daneben. Auf Desmarais und Roy folgten zum Beispiel der Kanadier Keven Cloutier und der Slowake Vladimir Dravecky; sie machten jeweils so viele Punkte wie Damon bei Thurgau. Der Unterschied: Cloutier und Dravecky wurden nach einer Saison wieder in die Wüste geschickt. «Ein ausländischer Spieler muss die Mannschaft führen und den Zuschauern Spektakel bieten», sagt Ajoies Sportchef Vincent Léchenne. Ein Jahr später verlängerte er auch die Verträge mit Francis Verreault-Paul und Thomas Beauregard nicht, weil den Jurassiern Durchschnitt auf der Ausländerposition zu wenig ist.

Oft geht der Schnauf aus

Die starke Fokussierung auf die ausländischen Spieler hat auch Nachteile. So ging den Jurassiern im Playoff jeweils der Schnauf aus – wenn nicht schon in den Viertelfinals, dann in den Halbfinals. Das ist in diesem Jahr anders. Nicht zuletzt, weil sich die Jurassier vor dem Playoff noch bei Winterthur und den GCK Lions bedient haben. Auch hier zeigt sich ein wesentlicher Unterschied zu Thurgau: Ajoie kann wenn nötig während der Saison korrigierend ins Kader eingreifen – und tut das auch.