RETTUNG: Der Wiler Faden hat gehalten

Aufatmen beim FC Wil: Die für den Rest der Saison benötigten 2,5 Millionen Franken sind beisammen, womit die Sanierung geglückt ist. Zudem ist der Verein wieder in Schweizer Hand. Heute werden die Löhne bezahlt.

Simon Dudle
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Warteten mit guten Neuigkeiten auf: Manfred Raschle, Roger Bigger und Maurice Weber von der Taskforce des FC Wil. (Bild: Ralph Ribi)

Warteten mit guten Neuigkeiten auf: Manfred Raschle, Roger Bigger und Maurice Weber von der Taskforce des FC Wil. (Bild: Ralph Ribi)

Simon Dudle

Als Präsident Roger Bigger gestern vor die Medien trat, tat er es mit zittriger Stimme, und er war den Tränen nah. Auch die anderen Verwaltungsräte waren gezeichnet von den Strapazen der vergangenen 48 Tage. So lange war es her, seit sie über den abrupten Ausstieg der türkischen Investoren hatten berichten müssen. Der knapp zweimonatige Existenzkampf scheint nun gewonnen zu sein und der seidene Faden, an welchem der FC Wil hing, zu halten.

Einerseits mussten mit allen 70 Mitarbeitern tiefere Löhne ausgehandelt werden. Andererseits waren 2,5 Millionen Franken zu beschaffen, um die Saison fertigspielen zu können. Das Geld ist nun beisammen. «Regional verwurzelte Unternehmen unterstützen den Verein massgebend», sagte Bigger. Welche und wie viele es sind, wurde aber auch auf Nachfrage nicht kommuniziert. Vergangene Woche hatte der Wiler Verleger Rolf-Peter Zehnder seine Unterstützung ­publik gemacht. Gestern sickerte durch, dass das Basler Logistikunternehmen Stöcklin ebenfalls zu den Geldgebern gehört.

Die noch ausstehenden Fe­bruarlöhne der Spieler und weiteren Angestellten sollen heute Mittwoch überwiesen werden, die Saläre für den März bis spätestens übermorgen Freitag.

Aktien für einen Euro zurückgekauft

Zentral ist auch der Umstand, dass der FC Wil rund 21 Monate nach dem Verkauf an die türkischen Investoren wieder vollständig in Schweizer Hand ist. Zwar hat die Taskforce weiterhin keinen Kontakt zu Investor Mehmet Nazif Günal. Dafür ist es gelungen, über Anwälte in Dubai die Verbindung zur früheren Mehrheitsaktionärin der FC Wil 1900 AG herzustellen. Das Paket – 78 Prozent der Aktien – konnte zum symbolischen Wert von einem Euro zurückgekauft werden. Dieses wird nun anteilmässig auf jene Unternehmer verteilt, die sich im Rahmen der Sanierung ­finanziell engagiert haben.

Die Taskforce ist optimistisch, dass die Lizenz für die laufende Saison nicht entzogen und jene für die nächste Spielzeit erteilt wird – womöglich gar erst­instanzlich. Das Budget für die kommende Saison soll 2,5 Millionen Franken betragen.

Und trotzdem droht weiteres Ungemach, wenn auch nicht im existenzbedrohenden Rahmen. Noch immer hängig ist ein Verfahren der Swiss Football League, bei welchem diese richterlich überprüfen lässt, ob bei den Auszahlungen der Januarlöhne alles konform abgelaufen ist. Dabei geht es um Lohnzahlungen gewisser Spieler. Somit bleibt vorderhand weiterhin ungeklärt, ob sich der FC Wil auch tatsächlich mit allen Akteuren geeinigt hat.

FC Wil legt heute Rekurs ein

In einem weiteren Verfahren wurde letzte Woche der Entscheid gefällt. Weil der Verein betreffend Januarlöhne nicht alle Bestätigungen für die Sozialversicherungen rechtzeitig einreichte, droht der Abzug von drei Punkten. Heute will der FC Wil dagegen rekurrieren. Er vertritt die Auffassung, das Strafmass sei überrissen und ein Punktabzug nur zu verhängen, wenn gar keine Löhne bezahlt würden.