Rennen für Rennen, Tag für Tag

Vor zwei Jahren glaubte kaum jemand, dass Beat Feuz je wieder an der Weltspitze mitfahren würde. Der 27-Jährige bangte nach einer Knieverletzung um seine Karriere. In dieser Saison stand er jedoch schon zweimal auf dem Podest.

Christof Krapf/Kitzbühel
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«Am Lauberhorn habe ich mehr gelitten.»: Beat Feuz ist fürs heutige Rennen auf der Streif zuversichtlich. (Bild: epa/Hans Klaus Techt)

«Am Lauberhorn habe ich mehr gelitten.»: Beat Feuz ist fürs heutige Rennen auf der Streif zuversichtlich. (Bild: epa/Hans Klaus Techt)

SKI ALPIN. Nur Kjetil Jansrud fährt aktuell besser Abfahrt als Beat Feuz. Dass der Emmentaler gemeinsam mit dem Italiener Dominik Paris Rang zwei in der Abfahrtswertung belegt, daran hat vor zwei Jahren kaum mehr jemand geglaubt. Im November 2012 war in Feuz' linkem Knie ziemlich alles kaputt, was kaputt gehen kann. Knorpelschaden, Meniskusschaden, Knochenriss – die Karriere hing an einem seidenen Faden.

Fünf Operationen später hat sich der 27-Jährige in diesem Winter zurückgemeldet. Fuhr Anfang November in Beaver Creek und vor einer Woche am Lauberhorn mit Rang zwei aufs Podest. «Diese Resultate sind eine grosse Sache. Sie bestätigen meine gute Form», sagt Feuz. Wie lange diese anhält, hängt aber von seinem Knie ab. Sagen andere Sportler, dass sie von Tag zu Tag und von Rennen zu Rennen schauen, klingt dies wie eine Phrase – nicht bei Feuz. Obwohl er zurück an der Spitze ist, spürt er sein Knie noch immer. «Ich bin zurzeit beschwerdefrei. Es ist jedoch, wie es ist. Alles ist bei mir nie in Ordnung», so Feuz. Er ist nach wie vor auf Medikamente angewiesen; mal mehr, mal weniger, mal geht es ohne. Der Termin beim Physiotherapeuten ist zum Fixpunkt seiner Tagesordnung geworden. Machen seine Teamkollegen zur Regeneration Krafttraining, strampelt Feuz auf dem Hometrainer. Das Knie soll möglichst wenig belastet werden. «Gehe ich nach dem Skitraining in den Kraftraum, schwächt mich das schon.»

Schwieriger als das Lauberhorn

Der Belastungstest für Feuz' Knie folgt heute auf der Streif in Kitzbühel. Er stellt sich der schwierigsten Abfahrt der Welt. Fährt dort, wo es so steil ist wie nirgends im Weltcup. Dort, wo die Schläge ruppiger und zahlreicher sind. «Von der Überwindung her wird Kitzbühel für mich schwieriger als das Lauberhorn», sagt Feuz. Dies auch, weil er wegen des Knies nur ein reduziertes Sommertraining bestritt. «Das könnte ein Nachteil sein.» Die Trainings verliefen mit den Rängen 22 und 13 durchzogen – fürs Rennen heisst das allerdings nichts. «Ich tue mich in den Trainings schwer, ans Limit zu gehen. Mir ist wichtig, dass die Linie passt. Deshalb bin ich zufrieden.»

«Nichts herausfordern»

Immerhin bestritt Feuz die Trainings auf der Streif ohne Schmerzmittel. Er sagt: «Das Knie hat gehalten. Am Lauberhorn habe ich mehr gelitten.» Zuversicht gibt ihm, dass er auch vor der sechsten Abfahrt des Winters mithalten kann. Vor einem Jahr reichte die Kraft für gerade einmal zwei Wochen – Rang sechs in Beaver Creek blieb der einzige Höhepunkt in der Saison 2013/14. Angesichts seiner Verletzungsgeschichte sagt Feuz vor dem heutigen Rennen: «Auch wenn man in Kitzbühel ein gewisses Risiko eingehen muss, werde ich nichts herausfordern.» Sein Knie soll auch in zwei Wochen noch halten. Dann startet Feuz an der WM in Beaver Creek zur Abfahrt. Dort ist er Anfang November aufs Podest gefahren und hat seine Rückkehr an die Weltspitze lanciert. In Kitzbühel und an der WM soll das Comeback seinen Höhepunkt erreichen.