REKORDWELTMEISTER: Der vorgezogene Final

An der Eishockey-WM kommt es heute in Köln zu brisanten Halbfinals. Der Titelverteidiger aus Kanada trifft am Nachmittag auf Russland, Finnland spielt am Abend gegen Schweden.

Sascha Fey (sda)
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Vor dem Tor müssen die Kanadier – im Bild der Stürmer Mark Scheifele von den Winnipeg Jets – kaltblütiger werden. (Bild: Peter Schneider/KEY)

Vor dem Tor müssen die Kanadier – im Bild der Stürmer Mark Scheifele von den Winnipeg Jets – kaltblütiger werden. (Bild: Peter Schneider/KEY)

Sascha Fey (SDA)

Die Begegnung zwischen Kanada und Russland ist auch deshalb von Bedeutung, weil die Nordamerikaner mit der dritten WM-Goldmedaille in Serie auf 27 WM-Titel kämen und damit zu Rekordweltmeister Russland aufschliessen würden. Das wollen die Osteuropäer mit allen Mitteln verhindern. Die Partie ist auch ein Vergleich der weltweit wichtigsten Ligen NHL gegen KHL. Bei den Russen besteht das Kader aus 18 KHL-Spielern, nur sieben kommen aus der NHL. Was die spielerische Qualität betrifft, sind die Kanadier höher einzustufen. Ein Problem des Olympiasiegers zeigte sich jedoch im Viertelfinal gegen Gastgeber Deutschland.

Die Chancenverwertung der Kanadier war schlecht. Trotz eines Schussverhältnisses von 50:20 siegten die Nordamerikaner bloss 2:1. Top in dieser Statistik sind die Russen. Beim 3:0-Sieg gegen Tschechien benötigten sie bloss acht Schüsse, um vorentscheidend 2:0 in Führung zu gehen. Danach verwalteten sie den Vorsprung problemlos. Die Kanadier, die in der Vorrunde einzig gegen die Schweiz Punkte abgaben, sind also gewarnt.

Wichtig wird für beide Teams sein, wenig Strafen zu nehmen. Russland kommt im Powerplay auf eine sensationelle Erfolgsquote von 51,85 Prozent, Kanada ist mit 44,83 Prozent nur unwesentlich schlechter. Ohnehin sinnen die Osteuropäer auf Revanche, kassierten sie doch 2015 im letzten Aufeinandertreffen an einer WM im Final eine 1:6-Niederlage. Insgesamt ist die Bilanz mit 8:8 Siegen ausgeglichen seit dem Ende der Sowjetunion im Dezember 1991.

Schweden zu favorisieren

Im zweiten Halbfinal sind die Schweden zu favorisieren, die über ein Kader mit 19 NHL-Spielern verfügen. In der Verteidigung lassen Namen wie Victor Hedman, Oliver Ekman-Larsson oder John Klingberg mit der Zunge schnalzen. Hedman brachte ­­ es in der abgelaufenen Regular ­Season der NHL in 79 Partien auf 16 Tore sowie 56 Assists und war damit ligaweit der zweitbeste Verteidiger. Klingberg schaffte es mit 13 Toren und 36 Assists als Zehnter ebenfalls in die Top Ten.

Finnland mit Anlaufschwierigkeiten

Vorne wirbelt im Team der Schweden der äusserst talentierte William Nylander, der schon je sechs Tore und Assists erzielt hat. Beim 3:1-Sieg im Viertelfinal gegen die Schweiz erzielte er das wegweisende 2:1. Ausserdem können die Schweden seit drei Partien auf Nicklas Bäckström zählen, die Nummer vier der Skorerliste in der vergangenen NHL-Qualifikation. Auch die Bilanz der WM-Vergleiche mit Finnland spricht mit 37 Siegen in 64 Partien – bei 12 Unentschieden – zu Gunsten der Schweden. Von den vergangenen drei WM-Spielen gewannen die Finnen aber de­ren zwei. Finnland überzeugte an dieser WM aber erst mit dem 2:0-Erfolg gegen die USA.