Volley Luzern schafft mit Mut die Sensation

Die Luzerner feiern in der Bahnhofshalle das nächste Volleyballfest. Der bis dato verlustpunktlose Leader Amriswil verliert gegen ein entfesselt aufspielendes Volley Luzern mit 2:3.

Stephan Santschi
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Luzerns Strahinja Brzakovic (links) gewinnt gegen Amriswils Thomas Zass das Duell über dem Netz. Bild: Nadia Schärli (Luzern, 10. Februar 2019)

Luzerns Strahinja Brzakovic (links) gewinnt gegen Amriswils Thomas Zass das Duell über dem Netz. Bild: Nadia Schärli (Luzern, 10. Februar 2019)

Am 28. Oktober 2018 war es der letztjährige Vizemeister Näfels, der mit 3:0 aus der Bahnhofhalle geschossen wurde, am 27. Januar 2019 kam Titelverteidiger Lausanne mit dem gleichen Ergebnis unter die Räder. Und am Sonntag? Feierten die Luzerner vor eigenem Anhang das nächste Volleyballfest – das grösste bisher überhaupt. Mit Amriswil bezwangen sie nämlich keinen Geringeren als den souveränen NLA-Leader, der davor in seinen 15 Partien keinen einzigen Verlustpunkt zu verzeichnen hatte. 3:2 siegte Volley Luzern und weil dieser Erfolg so ausserordentlich ist, seien an dieser Stelle die letzten fünf Luzerner Punkte im Kurztelegramm aufgeführt: Chris Newcombe schliesst einen Angriff durch die Mitte mit einem wuchtigen Smash ab – 11:6. Kevin Saar nutzt seine Sprungkraft und überwindet den Block auf der Aussenposition – 12:6. Newcombe, wieder er, gelingt mit der Unterstützung der Netzkante ein Ass – 13:6. Der Amriswiler Joshua Howatson drischt seinen Service ins Netz – 14:7. Und dann, angetrieben von den Standing Ovations der 400 Zuschauer, verwertet Luca Widmer den Matchball mit einem weiteren Ass – die Sensation ist perfekt. Luzern schafft eine schier unglaubliche Wende 3:2 also, nach 107 Minuten Netto-Spielzeit. Und dies in einer Partie, die eigentlich schon verloren schien. Nach einem furiosen Startsatz, den die Luzerner mit 25:23 gewannen, hatten sie den Faden vorübergehend nämlich völlig verloren. Nichts ging mehr, «wir spielten ängstlich, hatten Angst vor Fehlern», sollte Trainer Liam Sketcher später sagen. 14:25 und 16:25 sind die Zahlen zu den beiden klatschenden Ohrfeigen, die dem Gastgeber nach drei Durchgängen einen 1:2-Rückstand einhandelten. Den Luzernern aber gelang eine schier unglaubliche sportliche Wiederauferstehung. Sketcher nahm zwei Auswechslungen vor, brachte Luca Widmer und Marcel Häfliger auf den Platz. Und vor allem forderte er von seinem Team mehr Mut. «Wir gingen nun mehr Risiken ein, kämpften mit Herz für unsere Zuschauer. Wenn wir tun, was wir können, halten wir mit den Besten mit.» Und so spielte sich Luzern Aufschlag für Aufschlag, Pass für Pass, Smash für Smash in einen Rausch. Der Funke sprang aufs Publikum über, «Blauwiess!» und «Hopp Lozärn» hallte es von den Rängen. Jörg Gautschi grub in der Abwehr die Bälle aus und am Netz verrichteten die Angreifer ihren Job immer konsequenter. 25:22 endete der vierte Satz, der 2:2-Ausgleich handelte Amriswil den ersten Punktverlust der Saison ein. Doch es kam noch schlimmer für die zunehmend entgeisterten Thurgauer. Amriswil-Trainer ist beeindruckt Im Tiebreak waren die Luzerner nicht mehr zu halten, mit 15:7 gewannen sie die Kurzentscheidung und damit auch das Spiel. «Luzern hat eine gute Mannschaft. Wenn man nicht auf seinem Toplevel spielt, wird es schwer. Und wir spielten diesmal nicht auf unserem Toplevel. Kompliment an Luzern», zollte Amriswil-Trainer Marko Klok dem Gegner Respekt. Und sein Gegenüber Liam Sktecher? Er freute sich über die beiden Bonuspunkte im Kampf um Rang vier und den damit verbundenen Heimvorteil in den Playoff-Viertelfinals. Vor allem aber war er stolz auf den Teamspirit und die Courage seines Teams. «Diesmal», betonte der Australier, «sind wir ein Stück gewachsen.»

Nationalliga A Männer. 16. Runde: Volley Luzern – Amriswil 3:2. Jona – Näfels 0:3 (20:25, 17:25, 20:25).– Rangliste (alle 16 Spiele): 1. Amriswil 46. 2. Schönenwerd 35. 3. Lausanne UC 32. 4. Volley Luzern 22. 5. Chênois 20. 6. Näfels 17. 7. Uni Bern 14. 8. Jona 6.

Volley Luzern – Amriswil 3:2

Bahnhofhalle. – 400 Zuschauer. – Satzergebnisse: 25:23, 14:25, 16:25, 25:22, 15:7. – Spieldauer: 104 Minuten. – Luzern: Saar, Amstutz, Anagnostopoulos, Gautschi (Libero), Brzakovic, Köpfli, Newcombe; Widmer, Traagstad, Perezic, Häfliger.

Frauen. 22. Runde: Neuchâtel UC – Kanti Schaffhausen 2:3. – Rangliste: 1. Aesch-Pfeffingen 18/45. 2. Düdingen 17/44. 3. Schaffhausen 17/34. 4. Neuchâtel UC 18/33. 5. Volley Lugano 16/19. 6. Franches-Montagnes 17/17. 7. Genève Volley 17/8. 8. Cheseaux 18/7.