Stefan Matter holt Gold im Telemark und hat viel Pech

Im Rahmen der Telemark-Schweizer-Meisterschaft auf Melchsee-Frutt verletzt sich der Engelberger Stefan Matter schwer.

Ruedi Vollenwyder
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Stefan Matter, hier ist er noch gesund unterwegs.

Stefan Matter, hier ist er noch gesund unterwegs. 

Bild: Boris Bürgisser

Alles war angerichtet für tolle Schweizer Meisterschaften auf der Melchsee-Frutt. Im Zielgelände der Erzegg-Piste wurde ein riesiger Oklahoma-Grill mit einem Pistenfahrzeug hochgekarrt. DJs sorgten musikalisch für eine aufgeräumte Stimmung am Rande der aufgebauten Village. Mit anderen Worten: Das OK von Telemark Obwalden unter der Führung von Chef und Rennleiter Tino Tresch mit den 30 Helfern verkauften ihren «Telemark Laif» sensationell. Und als dann auch noch der «oberste Schweizer Skiboss» Urs Lehmann auftauchte und sich für «den riesigen Enthusiasmus» bedankte, war Tino Tresch happy.

Aber nur bis zu den sonntäglichen Fun-Cross-Rennen. Denn da schlug die Verletzungshexe beim Weltcup-Führenden Stefan Matter brutal zu. «Bei meinem Sturz ging in meinem Knie alles kaputt, was kaputt gehen konnte. Die Patellasehne und die beiden Kreuzbänder sind gerissen, der Aussenmeniskus beschädigt und auch die Seitenbänder sind lädiert. Ein Totalschaden», beschreibt er völlig niedergeschlagen sein Verletzungspech, welches das Saisonende bedeutet. Und fügt leise sprechend an: «Da kann man nichts machen. Es ist, wie es ist. Ich versuche gleichwohl nach vorne zu schauen.» Die Telemark-Familie wünscht gute Besserung.

Beatrice Zimmermann macht einen Fehler zuviel

Beatrice Zimmermann gewinnt im Parallel-Sprint Silber.

Beatrice Zimmermann gewinnt im Parallel-Sprint Silber.

Bild: Boris Bürgisser

Nach diesem brutalen Verletzungspech zurück zu den Schweizer Meisterschaftsrennen: Trotz der tristen Wetterverhältnisse hatten die Innerschweizer Telemarkerinnen mit Beatrice Zimmermann in den Parallen-Rennen ein «heisses Eisen im Feuer». Die 29-jährige Stanserin enttäuschte ihre Fans nicht. Sie arbeitete sich Runde für Runde bis in den Final vor. Doch dann musste sie sich der Walliserin Amélie Wenger-Reymond mit 74 Hundertsekunden geschlagen geben. Wieder einmal. Trotz ihrer langen Karriere mit etlichen Weltcup-Erfolgen, muss sie weiter auf ihren ersten Schweizer-Meister-Titel warten. Auf die Bemerkung «sie sei so etwas wie das Pendant zu Wendy Holdener, der ewigen Zweiten im Alpin-Weltcup-Slalom», musste sie schon etwas schmunzeln. «Die Bedingungen waren wirklich schwierig. Die Bodensicht gleich null. So gesehen bin ich mit der Silbermedaille zufrieden.» Den kleinen Final gewann die Lautenbrunnerin Martina Wyss.

Die Parallel-Rennen der Männer versprachen ein Kopf-an-Kopf-Spektakel zwischen dem Engelberger und Weltcup-Führenden Stefan Matter, Bastian Dayer, Romain Beney und Nicolas Michel. Und endete mit einer Enttäuschung für Stefan Matter. Er musste sich nach der Niederlage im kleinen Final mit der «ledernen Medaille» und Platz vier begnügen. «Bei den Parallel-Rennen kann immer etwas passieren», sinnierte er nach dem verlorenen Lauf um die bronzene Auszeichnung. Besser machte es der ehemalige Seilzieher vom Seilzieh-Klub Engelberg bei den Rennen im Sprint. Schon nach dem ersten Lauf hatte er sich gegenüber seinen Gegnern eine gute Ausgangslage geschaffen. Mit einem starken zweiten Lauf liess er Bastien Dayer 1:25 und Romain Beney 4:77 hinter sich. Die Goldmedaille war ihm sicher. Die Freude über den Titelgewinn riesig. «Schön, dass mir die Revanche für die Parallel-Niederlage gelang», meinte er strahlend. Auf diese Saison hin hat Stefan Matter in der Vorbereitung Neuland betreten. «Im Sommer habe ich im australischen Perisher mit 47 Liftanlagen und 80 Pisten eine Arbeitsstelle im Ski- und Snowboard-Service angenommen und neben der Arbeit auch fleissig Telemarkfahren trainiert. Dieser Abstecher war für mich eine super Erfahrung. Von den australischen Telemark-Lehrern konnte ich zudem viele gute Inputs mit nach Hause nehmen.» Diese gute Vorbereitungszeit in Australien verkommt nach der schlimmen Verletzung allerdings zur Phrase.

Bei den Frauen holte Amélie Wenger-Reymond im Sprint eine weitere Goldmedaille. Bei der Siegerehrung musste sie im Beisein von Stefan Matter beim Hochstemmen der Siegestrophäe noch einmal leiden. «Dieser Stein ist ja schwerer als derjenige beim Unspunnen», liess sie sich zitieren. Beatrice Zimmermann gelang dieses Rennen hingegen nicht nach Wunsch. Nach dem ersten Lauf lag ein erster Meistertitel noch in Reichweite. «Dann habe ich im zweitletzten Tor eingehängt. Und aus war der Traum.» Und ärgerte sich, dass sie die Silbermedaille auch noch Martina Wyss überlassen musste. «Ich machte diesmal bei guten Sichtverhältnisse eben ein Fehler zuviel», monierte Beatrice Zimmermann.

Ranglisten: www.telemark-laif.ch