St. Otmars NLA-Handballer setzen sich erstmals seit dem Jahr 2010 in Thun durch

Zum ersten Mal seit fast neun Jahren gewinnt St. Otmar in der NLA ein Auswärtsspiel gegen Wacker Thun. Matchwinner beim 24:17-Sieg der St. Galler ist Torhüter Aurel Bringolf.

Daniel Good
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St. Otmars Spielertrainer Bo Spellerberg (links) erzielt gegen Thun fünf Tore. (Bild: Ralph Ribi)

St. Otmars Spielertrainer Bo Spellerberg (links) erzielt gegen Thun fünf Tore. (Bild: Ralph Ribi)

Nach dem Spiel führten sie Freudentänze auf. Die Spieler und der Trainerstab St. Otmars hatten sich von einer grossen Last befreit. Seit 2010 waren die St. Galler in Thun ohne Sieg geblieben – bis am Samstag, als sich die Ostschweizer im Berner Oberland gegen den Schweizer Meister verdient 24:17 durchsetzten.

Vom heutigen Team war vor neun Jahren einzig Jonas Kindler dabei. Der zweite NLA-Erfolg der St. Galler in Serie basierte auf einer starken Verteidigung mit dem noch stärkeren Goalie Aurel Bringolf, der die Thuner schier zur Verzweiflung brachte. Kindler, der zweite Goalie St.  Otmars, kam nicht zum Einsatz.

Nach einer Viertelstunde 2:5 im Rückstand

Bringolf wehrte 53 Prozent der Thuner Versuche ab. Marc Winkler, sein Nationalmannschaftskollege im Tor der Berner, kam auf eine Erfolgsquote von bloss 38 Prozent. Insbesondere in der ersten Hälfte der Partie waren Bringolfs Interventionen von grosser Wichtigkeit für St. Otmar.

Denn die ansonsten sehr heimstarken Thuner lagen nach einer Viertelstunde 5:2 im Vorsprung. Vieles deutete darauf hin, dass die St. Galler die Heimreise wieder mit einer Niederlage antreten müssten. «Aber wir behielten die Nerven und fanden zu unserem Spiel», sagte der 31-jährige Bringolf. Schon zur Halbzeit führte St. Otmar 10:8. 

Eine zweite heikle Phase hatten die St. Galler zu überstehen, als Thun in der 38. Minute zum 12:12 ausglich. Aber wieder zeigte Bringolf den Thunern den Meister und wehrte zahlreiche Bälle ab. Bringolf erklärt:

«Weil wir in der Defensive so gut standen, fiel es mir leichter, eine gute Partie zu spielen. Zudem machte jeder abgefangene Angriff in der ganzen Mannschaft zusätzliche Energie frei.»

Nach dem 17:13 nach gut drei Vierteln des Spielpensums durch Igor Milovic war die Entscheidung gefallen. Die Thuner wurden vor eigenem Anhang sogar vorgeführt. Erfolgreichster Torschütze St. Otmars war Spielertrainer Bo Spellerberg mit fünf Treffern.

Mehr als 50 Länderspiele

Dank des Erfolgs verbesserte sich St. Otmar in der Tabelle der NLA-Finalrunde auf den vierten Platz. «Mindestens der vierte Platz muss unser Ziel sein, damit wir im Playoff ein Heimspiel mehr haben», sagt Bringolf.

Der Zürcher mit mehr als 50 Länderspielen für die Schweiz steht seit dieser Saison im Tor St. Otmars. Er kam von Gossau. Seit er für St. Otmar spielt, erhält er wieder regelmässig Aufgebote für die Nationalmannschaft.

Der Goalietrainer als Coach

Bringolf studiert an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen. Mit St. Otmars Goalietrainer Lubomir Svajlen war er in Zürich im gleichen Team. Der zweifache Olympiateilnehmer Svajlen ist der wohl beste Torhüter, der je in der Schweiz gespielt hat. Für die Tschechoslowakei und die später die Slowakei bestritt er 200 Länderspiele. In Thun amtete er als Coach St. Otmars an der Seitenlinie. «Er kennt die Liga in- und auswendig», sagt Bringolf.